Angesehene Männer fangen an zu dem Prinzen überzugehen. [Der] Prinz war ohne Zweifel überrascht und gekränkt durch die Lauheit Derer, die ihn nach England eingeladen hatten. Das Volk von Devonshire hatte ihn zwar mit allen Zeichen der Freude empfangen, aber kein Adeliger, kein angesehener Gentleman war bis jetzt in sein Hauptquartier gekommen. Die Erklärung dieser auffallenden Erscheinung ist wahrscheinlich in dem Umstande zu suchen, daß er in einem Theile der Insel gelandet war, wo man ihn nicht erwartet hatte. Im Norden hatten seine Freunde alle Anstalten zu einem Aufstande getroffen, in der Voraussetzung, daß er bald mit einer Armee bei ihnen sein werde. Seine Freunde im Westen aber hatten gar nichts vorbereitet und waren natürlich betroffen, als sie plötzlich aufgefordert wurden, sich an die Spitze einer so wichtigen und gefährlichen Bewegung zu stellen. Dazu kam noch, daß sie die traurigen Folgen eines Aufstandes: Galgen, abgeschlagene Köpfe, zerrissene Glieder, Familien, die noch um tapfere Dulder trauerten, welche ihr Vaterland aufrichtig aber nicht mit Klugheit geliebt, frisch im Gedächtniß, ja dicht vor Augen hatten. Nach einer so schrecklichen und so neuen Warnung war einige Unschlüssigkeit natürlich. Ebenso natürlich aber war es auch, daß Wilhelm, der im Vertrauen auf die ihm aus England zugekommenen Versprechungen, nicht nur seinen eignen Ruf und sein persönliches Glück, sondern auch das Wohl und die Unabhängigkeit seines Vaterlandes aufs Spiel gesetzt hatte, sich bitter gekränkt fühlte. Er war in der That so aufgebracht, daß er schon davon sprach, sich nach Torbay zurückzuziehen, seine Truppen wieder einzuschiffen, nach Holland heimzukehren und Die, welche ihn verrathen hatten, ihrem verdienten Schicksale zu überlassen. Endlich am Montag, den 12. November, schloß sich ein in der Nähe von Crediton wohnender Gentleman, Namens Burrington, der Fahne des Prinzen an, und diesem Beispiele folgten bald mehrere von seinen Nachbarn.

Lovelace. [Schon] waren aber auch Männer von wichtigerer Bedeutung aus verschiedenen Theilen des Landes nach Exeter aufgebrochen. Der erste von diesen war Johann Lord Lovelace, ein Mann, der sich durch feinen Geschmack, durch Prachtliebe und durch die tollkühne und maßlose Heftigkeit seines Whiggismus auszeichnete. Er war fünf- oder sechsmal wegen politischer Vergehen in Haft gewesen. Das letzte ihm zur Last gelegte Verbrechen war, daß er die Rechtsgültigkeit eines von einem römisch-katholischen Friedensrichter angestellten Verhaftbefehls verächtlich geleugnet hatte. Er war vor den Geheimen Rathe gefordert und streng verhört worden, aber mit geringem Erfolge. Er weigerte sich entschieden, sich schuldig zu bekennen und die Zeugenbeweise gegen ihn waren ungenügend. Er wurde entlassen, aber ehe er sich entfernte, rief Jakob ihm mit großer Heftigkeit zu: „Mylord, dies ist nicht der erste Streich, den Sie mir gespielt haben.“ — „Sire,“ entgegnete Lovelace unerschrocken, „ich habe weder Eurer Majestät noch sonst Jemandem je einen Streich gespielt. Wer mich dessen bei Eurer Majestät angeklagt hat, ist ein Lügner.“ Bald darauf war Lovelace von Denen, welche den Plan zu einer Revolution entworfen hatten, ins Vertrauen gezogen worden.[106] Sein Schloß, das seine Vorfahren von der Beute indisch-spanischer Galleonen erbaut, stand auf den Trümmern eines Hauses Unserer Lieben Frau in dem schönen Thale, durch welches die Themse, noch nicht durch die Nähe einer großen Hauptstadt verunreinigt, noch mit der Ebbe und Fluth des Meeres fallend und steigend, unter Buchenwäldern zwischen den lieblichen Anhöhen von Berkshire dahin strömt. Unter dem von italienischen Malern decorirten Prunksaale befand sich ein gewölbtes Souterrain, in welchem hin und wieder Gebeine von vorzeitlichen Mönchen gefunden worden waren. In diesem finstren Gemache hatten eine Anzahl eifriger und verwegener Gegner der Regierung während der angstvollen Zeit, als England mit Ungeduld auf protestantischen Wind wartete, viele nächtliche Zusammenkünfte gehalten.[107] Jetzt war der Augenblick zum Handeln gekommen, Lovelace brach mit siebzig wohl bewaffneten und berittenen Begleitern nach dem Westen auf. Er erreichte ohne Schwierigkeit Gloucestershire. Aber Beaufort, der Statthalter dieser Grafschaft, verwendete sein hohes Ansehen und seinen ganzen Einfluß zu Gunsten der Krone. Die Miliz war aufgeboten und eine starke Abtheilung derselben nach Cirencester verlegt worden. Als Lovelace hier ankam, wurde er bedeutet, daß ihm der Durchzug nicht gestattet werden könne. Er mußte daher entweder von seinem Vorhaben abstehen, oder sich durchschlagen. Er beschloß das Letztere zu versuchen und seine Freunde und Untergebenen schlugen sich tapfer. Es fand ein hitziges Gefecht statt. Die Miliz verlor einen Offizier und sechs oder sieben Mann; endlich aber wurde Lovelace’s Truppe überwältigt und er selbst gefangen genommen und nach Gloucester Castle geschickt.[108]

[106.] Johnstone, 27. Febr. 1688; Citters unter demselben Datum.

[107.] Lyson’s Magna Britannia, Berkshire.

[108.] London Gazette, Nov. 15. 1688; Luttrell’s Diary.

Colchester. [Andere] waren glücklicher. An dem Tage, an welchem das Scharmützel bei Circencester stattfand, kam Richard Savage, Lord Colchester, Sohn und Erbe des Earls Rivers und durch eine unerlaubte Liebe Vater jenes unglücklichen Dichters[109], dessen Verbrechen und Mißgeschicke eine der dunkelsten Seiten der Literaturgeschichte füllen, mit sechzig bis siebzig Reitern in Exeter an. Mit ihm zugleich traf der kühne und unruhige Thomas Wharton ein. Wenige Stunden später kam Eduard Russell, Sohn des Earls von Bedford und Bruder des tugendhaften Edelmanns, dessen Blut auf dem Schaffot geflossen war. Kurz darauf wurde die Ankunft eines andren noch wichtigeren Mannes gemeldet.

[109.] Richard Savage. — Der Übers.

Abingdon. [Colchester,] Wharton und Russell gehörten der Partei an, welche dem Hofe von jeher opponirt hatte. Jakob Bertin, Earl von Abingdon dagegen war stets als eine Stütze der Willkürherrschaft betrachtet worden. Er war in den Tagen der Ausschließungsbill Jakob treu geblieben, war als Lordlieutenant von Oxfordshire mit Energie und Strenge gegen die Anhänger Monmouth’s verfahren und hatte zur Feier der Niederlage Argyle’s Freudenfeuer angezündet. Aber die Furcht vor dem Papismus hatte ihn zur Opposition und Empörung getrieben. Er war der erste Peer des Reichs, der im Hauptquartier des Prinzen von Oranien erschien.[110]

Doch von Denen, die sich offen gegen seine Autorität auflehnten, hatte der König weniger zu befürchten, als von der im Dunklen schleichenden Verschwörung, deren Verzweigungen sich durch seine Armee und bis in seine Familie erstreckten. Als die Seele dieser Verschwörung muß Churchill betrachtet werden, der in Bezug auf Scharfblick und Gewandtheit seines Gleichen nicht hatte, den die Natur mit einer gewissen kaltblütigen Unerschrockenheit ausgestattet, die sich weder im Kampfe noch im Lügen je verleugnete, und welcher dabei einen hohen militairischen Rang einnahm und sich der Gunst der Prinzessin Anna in hohem Grade erfreute. Für ihn war jedoch die Zeit zu dem entscheidenden Schlage noch nicht gekommen. Indessen brachte er doch schon jetzt durch die Vermittelung eines untergeordneten Werkzeugs der Sache des Königs eine gefährliche, wenn nicht tödtliche Wunde bei.

[110.] Burnet, I. 790; Life of William, 1703.