G. H. Friedlein.

Neuntes Kapitel.

Jakob II.


[ Inhalt.]


Seite
[Die Tories werden andrer Ansicht in Betreff der Rechtmäßigkeit des Widerstandes][5]
[Russell schlägt dem Prinzen von Oranien eine Landung in England vor][11]
[Heinrich Sidney][11]
[Devonshire][12]
[Shrewsbury. — Halifax][12]
[Danby und der Bischof Compton][13]
[Nottingham][14]
[Lumley][14]
[Absendung der Einladung an Wilhelm][14]
[Mariens Verhalten][15]
[Schwierigkeiten der Unternehmung Wilhelm’s][16]
[Jakob’s Benehmen nach dem Prozesse der Bischöfe][19]
[Entlassungen und Ernennungen][20]
[Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt aus][22]
[Unzufriedenheit des Klerus. — Vorgänge in Oxford][23]
[Unzufriedenheit der Gentry][23]
[Unzufriedenheit der Armee][24]
[Es werden irische Truppen herübergezogen. — Unwille des Volks][25]
[Lillibullero][39]
[Politische Zustände in den Vereinigten Provinzen][30]
[Fehler des Königs von Frankreich][31]
[Sein Streit mit dem Papste bezüglich der Vorrechte auswärtiger Gesandter][32]
[Das Erzbisthum Köln][33]
[Kluges Verfahren Wilhelm’s][33]
[Seine Rüstungen zu Lande und zur See][34]
[Er erhält zahlreiche Unterstützungszusagen aus England][35]
[Sunderland][36]
[Wilhelm’s Befürchtungen][39]
[Jakob wird gewarnt][40]
[Ludwig’s Bemühungen, um Jakob zu retten][41]
[Jakob vereitelt dieselben][42]
[Die französischen Armeen fallen in Deutschland ein][44]
[Wilhelm erlangt die Genehmigung der Generalstaaten für seine Expedition][45]
[Britische Abenteurer im Haag][46]
[Wilhelm’s Erklärung][47]
[Jakob fängt an die Gefahr zu ahnen][49]
[Seine Seemacht][49]
[Seine militairischen Mittel][50]
[Er versucht es, seine Unterthanen mit sich auszusöhnen][51]
[Er bewilligt den Bischöfen eine Audienz][51]
[Seine Zugeständnisse werden übel aufgenommen][53]
[Dem Geheimen Rath werden Beweise für die legitime Geburt des Prinzen von Wales vorgelegt][55]
[Sunderland’s Ungnade][56]
[Wilhelm nimmt Abschied von den holländischen Generalstaaten][57]
[Er schifft sich ein und segelt ab][58]
[Er wird durch einen Sturm zurückgeworfen][58]
[Seine Erklärung kommt in England an][58]
[Jakob befragt die Lords][58]
[Wilhelm geht zum zweiten Male unter Segel][60]
[Er passirt die Meerenge][61]
[Seine Landung bei Torbay][62]
[Sein Einzug in Exeter][65]
[Unterredung des Königs mit den Bischöfen][69]
[Ruhestörungen in London][71]
[Angesehene Männer fangen an zu dem Prinzen überzugehen][72]
[Lovelace][72]
[Colchester][73]
[Abingdon][73]
[Abfall Cornbury’s][74]
[Petition der Lords um Einberufung eines Parlaments][77]
[Der König begiebt sich nach Salisbury][79]
[Seymour][79]
[Wilhelm’s Hoflager in Exeter][79]
[Aufstand im Norden][80]
[Gefecht bei Wincanton][82]
[Churchill’s und Grafton’s Abfall][84]
[Rückzug der königlichen Armee von Salisbury][85]
[Abfall des Prinzen Georg und Ormond’s][85]
[Flucht der Prinzessin Anna][86]
[Jakob hält eine Berathung mit den Lords][88]
[Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit Wilhelm][91]
[Die Unterhandlung eine Finte][91]
[Dartmouth weigert sich, den Prinzen von Wales nach Frankreich zu senden][93]
[Aufregung in London][94]
[Falsche Proklamation][94]
[Aufstände in verschiedenen Theilen des Landes][95]
[Clarendon schließt sich in Salisbury dem Prinzen an][97]
[Spaltung im Lager des Prinzen][97]
[Ankunft des Prinzen in Hungerford][99]
[Gefecht bei Reading][100]
[Ankunft der königlichen Commissare in Hungerford][100]
[Unterhandlung][100]
[Die Königin und der Prinz von Wales werden nach Frankreich geschickt][104]
[Lauzun][104]
[Anstalten des Königs zur Flucht][107]
[Seine Flucht][108]

Die Freisprechung der Bischöfe war nicht das einzige Ereigniß, das den 13. Juni 1688 zu einem wichtigen Datum unsrer Geschichte macht. An dem nämlichen Tage, während auf hundert Kirchthürmen alle Glocken läuteten, während von Hydepark bis Mile-End das Volk beschäftigt war, für die Freudendemonstrationen in der Nacht Reisigbündel zusammenzutragen und Päpste anzuputzen, wurde ein Actenstück, das für die Freiheiten Englands kaum minder wichtig war, als die Magna Charta, von London nach dem Haag gesandt.

Die Tories werden andrer Ansicht in Betreff der Rechtmäßigkeit des Widerstandes. [Der] Prozeß der Bischöfe und die Geburt des Prinzen von Wales hatten in den Gesinnungen vieler Tories einen großen Umschwung herbeigeführt. In dem Augenblicke, wo ihrer Kirche eine so empörende Beleidigung und Verhöhnung widerfuhr, mußten sie die Hoffnung auf eine friedliche Lösung aufgeben. Bisher hatten sie gehofft, daß die Prüfung, welche ihre Loyalität zu ertragen hatte, wenn auch hart, doch nur vorübergehend sein werde und daß ihre Leiden ohne Verletzung der feststehenden Thronfolgeordnung bald gehoben werden würden. Jetzt aber eröffnete sich ihnen eine ganz andre Aussicht. So weit sie vorwärts blickten, sahen sie die verkehrte Regierung der letzten drei Jahre durch ganze Menschenalter sich fortspinnen. Die Wiege des präsumtiven Thronfolgers war von Jesuiten umgeben und es stand zu befürchten, daß dem kindlichen Gemüth des Prinzen ein tödtlicher Haß gegen die Kirche, deren Oberhaupt er dereinst werden sollte, eingeimpft, daß dieser Haß das leitende Prinzip seines Lebens werden und auf seine Nachkommenschaft übergehen würde. Und diese unheilvolle Aussicht hatte keine Grenze, sie reichte über die Lebenszeit des jüngsten Menschen, bis über das achtzehnte Jahrhundert hinaus. Niemand konnte sagen, wie viele Generationen protestantischer Engländer noch ein Joch zu tragen haben würden, das man selbst bei der Voraussicht einer kurzen Dauer schon für unerträglich hielt. Gab es denn gar kein Heilmittel? Eines gab es noch, ein rasches, heftiges und entscheidendes, ein Mittel, zu dem die Whigs nur zu bereitwillig gegriffen hätten, das aber von den Tories jederzeit und unter allen Umständen als verwerflich betrachtet worden war.