Berathungen und Beschlüsse der Lords. [Am] Montag versammelten sich die Lords wieder. Halifax wurde zum Präsidenten gewählt. Der Primas war abwesend, die Royalisten traurig und muthlos, die Whigs heiter und guter Dinge. Es war bekannt, daß Jakob einen Brief zurückgelassen hatte. Einige von seinen Freunden stellten in der schwachen Hoffnung, daß der Brief vielleicht Vorschläge enthielt, welche als Grundlage zu einem gütlichen Abkommen dienen konnten, den Antrag ihn vorzulegen. Über diesen Antrag wurde abgestimmt und er wurde angenommen. Godolphin, der keineswegs als ein Feind seines ehemaligen Gebieters bekannt war, sprach einige Worte, welche den Ausschlag gaben. „Ich habe das Schreiben gesehen,“ sagte er, „und muß Ihnen zu meinem Bedauern bemerken, daß es nichts enthält, was Eure Herrlichkeiten irgend zufriedenstellen könnte.“ Es enthielt in der That keine Äußerung von Bedauern über frühere Fehler; es gab keiner Hoffnung Raum, daß diese Fehler in Zukunft vermieden werden würden, und es wälzte die Schuld an allem Geschehenen auf die Böswilligkeit Wilhelm’s und auf die Blindheit des Volks, das sich durch die schimmernden Worte Religion und Eigenthum habe bethören lassen. Niemand wagte den Vorschlag zu machen, daß Unterhandlungen mit einem Fürsten eingeleitet werden möchten, den die härteste Schule des Unglücks nur hartnäckiger im Unrecht gemacht zu haben schien. Es war die Rede von einer Untersuchung der Geburt des Prinzen von Wales; aber die whiggistischen Peers behandelten diesen Vorschlag mit Geringschätzung. „Ich hätte nicht erwartet, Mylords,“ rief Philipp, Lord Wharton, ein alter Rundkopf, der bei Edgehill gegen Karl I. ein Regiment commandirt hatte, „daß unter den gegenwärtigen Umständen Jemand das Kind erwähnen würde, das Prinz von Wales genannt worden ist, und ich hoffe, es wird zum letzten Male von ihm die Rede gewesen sein.“ Nach langer Berathung wurden zwei Adressen an Wilhelm beschlossen. Die eine ersuchte ihn, die Leitung der Regierung provisorisch zu übernehmen; die andre rieth ihm, durch eigenhändig unterzeichnete Rundschreiben alle Wahlkörper des Reichs zur Absendung von Vertretern nach Westminster aufzufordern. Zu gleicher Zeit nahmen die Peers es auf sich, eine Verordnung zu erlassen, welche alle Papisten, mit Ausnahme einiger weniger bevorzugter Personen, aus London und dessen nächster Umgebung verwies.[43]
Die Lords überreichten ihre Adressen dem Prinzen am folgenden Tage, ohne den Ausgang der Berathungen der von ihm einberufenen Gemeinen zu erwarten. Es scheint in der That, als ob der erbliche Adel in diesem Augenblicke um die Aufrechthaltung seines Ansehens sehr besorgt gewesen wäre und keine Lust gehabt hätte, einer Versammlung, von der das Gesetz nichts wußte, eine ebenbürtige Autorität zuzugestehen. Sie hielten sich für ein ächtes Haus der Lords; die andre Kammer aber verachteten sie als ein bloß nachgemachtes Haus der Gemeinen. Wilhelm lehnte es jedoch wohlweislich ab einen Entschluß zu fassen, bevor er sich von der Ansicht derjenigen Gentlemen überzeugt haben würde, welche früher mit den Vertrauen der Grafschaften und Städte Englands beehrt worden waren.[44]
[43.] Halifax’s notes; Landsdown MS. 255; Clarendon’s Diary, Dec. 24. 1688; London Gazette, Dec. 31.
[44.] Citters, 25. Dec. (4. Jan.) 1688/89.
Verhandlungen und Beschlüsse der von dem Prinzen einberufenen Gemeinen. [Die] einberufenen Gemeinen kamen in der St. Stephanskapelle zusammen und bildeten eine zahlreiche Versammlung. Sie ernannten zu ihrem Präsidenten Heinrich Powle, welcher Cirencester in mehreren Parlamenten vertreten und sich unter den Vertheidigern der Ausschließungsbill hervorgethan hatte.
Es wurden ähnliche Adressen wie die von den Lords bereits überreichten beantragt und angenommen. In keiner wichtigen Frage zeigte sich eine Meinungsverschiedenheit und einige schwache Versuche, über formelle Punkte eine Debatte zu eröffnen, wurden durch die allgemeine Verachtung vereitelt. Sir Robert Sawyer erklärte, er könne nicht begreifen, wie der Prinz ohne einen unterscheidenden Titel, wie Regent oder Protektor, die Regierung verwalten könne. Der greise Maynard, der als Jurist seines Gleichen nicht hatte und dabei ein mit der Taktik der Revolutionen wohl vertrauter Staatsmann war, versuchte es gar nicht, seinen Unwillen über einen so kindischen Einwand zu verhehlen, der in einem Augenblicke erhoben wurde, wo einmüthiges und rasches Handeln von der größten Wichtigkeit waren. „Wir werden sehr lange hier sitzen,“ sagte er, „wenn wir warten wollen, bis Sir Robert begreifen kann, wie so etwas möglich ist.“ Die Versammlung hielt diese Antwort der Krittelei ganz entsprechend.[45]
[45.] Der Urheber dieses Einwandes wurde in damaligen Büchern und Pamphlets nur mit den Anfangsbuchstaben seines Namens bezeichnet und diese wurden zuweilen mißverstanden. Eachard schrieb die Krittelei Sir Robert Southwell zu; ich bin aber fest überzeugt, daß Oldmixon ganz Recht hat, wenn er sie Sawyer in den Mund legt.
Eine Convention berufen. [Die] Beschlüsse der Versammlung wurden dem Prinzen mitgetheilt. Er erklärte sogleich seinen Entschluß, dem vereinten Ansuchen der von ihm einberufenen beiden Kammern zu entsprechen, Ausschreiben zur Einberufung einer Convention der Stände des Reichs zu erlassen und bis zum Zusammentritt dieser Convention die ausübende Verwaltung selbst zu übernehmen.[46]
[46.] History of the Desertion; Life of William, 1703; Citters, 28. Dec. (7. Jan.) 1688/89.
Bemühungen des Prinzen zur Herstellung der Ordnung. [Er] hatte sich keine leichte Aufgabe vorgenommen. Die ganze Regierungsmaschine war in Unordnung. Die Friedensrichter hatten ihre Functionen eingestellt. Die Finanzbeamten hatten aufgehört, Steuern zu erheben. Die von Feversham aufgelöste Armee war noch immer in Verwirrung und zur Empörung bereit. Die Flotte befand sich in einem kaum weniger beunruhigenden Zustande. Die bürgerlichen und militairischen Diener der Krone hatten bedeutende Soldrückstande zu fordern und im Staatsschatze befanden sich nur noch vierzigtausend Pfund. Der Prinz ging mit Energie an die Wiederherstellung der Ordnung. Er erließ eine Proklamation, durch welche alle Magistratspersonen in ihren Ämtern bestätigt wurden, und eine andre, welche Anordnungen zur Erhebung der Staatseinkünfte enthielt.[47] Die Reorganisation der Armee wurde rasch betrieben. Viele von den Kavalieren und Gentlemen, welche Jakob des Kommandos englischer Regimenter enthoben hatte, wurden wieder angestellt. Auch wurden Mittel und Wege gefunden, um die Tausende von irländischen Soldaten, welche Jakob nach England hatte kommen lassen, zu verwenden. In einem Lande, wo sie dem religiösen und nationalen Hasse preisgegeben waren, konnten sie nicht bleiben. Eben so wenig durfte man sie in ihre Heimath zurücksenden, wo sie Tyrconnel’s Armee verstärkt haben würden. Man beschloß daher, sie auf den Continent zu schicken, wo sie unter den Fahnen des Hauses Österreich der englischen Verfassung und der protestantischen Religion indirecte, aber wirksame Dienste leisten konnten. Dartmouth wurde seines Commando’s enthoben und die Seemacht durch das bestimmte Versprechen gewonnen, daß jeder Matrose so bald als möglich seinen rückständigen Sold erhalten solle. Die City von London nahm es auf sich, den Prinzen aus seiner finanziellen Verlegenheit zu reißen. Der Gemeinderath verpflichtete sich durch ein einstimmiges Votum, ihm zweimalhunderttausend Pfund zu verschaffen. Es wurde als ein großer Beweis von dem Reichthume und dem Gemeinsinne der londoner Kaufmannschaft betrachtet, daß binnen achtundvierzig Stunden die ganze Summe ohne ein andres Unterpfand als das Wort des Prinzen eingezahlt wurde. Wenige Wochen zuvor war Jakob nicht im Stande gewesen, eine viel kleinere Summe aufzubringen, obgleich er höhere Zinsen bot und werthvolles Eigenthum verpfänden wollte.[48]