Die Zwischenzeit bis zur Montagssitzung war erwartungs- und ereignißvoll. Eine starke Partei unter den Peers nährte noch immer die Hoffnung, daß die Verfassung und die Kirche Englands auch ohne die Absetzung des Königs gesichert werden könnten. Diese Partei beschloß, eine feierliche Adresse an ihn zu beantragen, durch die er beschworen werden sollte, sich Bedingungen zu unterwerfen, welche die durch sein früheres Verfahren hervorgerufene Unzufriedenheit und Besorgniß beseitigen konnten. Sancroft, der seit der Rückkehr Jakob’s von Kent nach Whitehall keinen Theil an den öffentlichen Angelegenheiten genommen hatte, beschloß jetzt, aus seiner Zurückgezogenheit wieder ans Licht zu treten und sich an die Spitze der Royalisten zu stellen. Mehrere Boten wurden mit Briefen an den König nach Rochester gesandt. Es wurde ihm darin versichert, daß seine Interessen energisch in Schutz genommen werden sollten, wenn er sich nur in diesem Augenblicke entschließen könnte, Plänen zu entsagen, die sein Volk verabscheue. Einige angesehene Katholiken begaben sich persönlich zu ihm, um ihn im Namen ihres gemeinsamen Glaubens zu bitten, daß er den fruchtlosen Kampf nicht weiter treiben möchte.[40]
Der Rath war gut; Jakob aber war nicht in der Stimmung, um ihn anzunehmen. Sein Verstand war stets stumpf und schwach gewesen, jetzt aber verhinderten ihn weibische Befürchtungen und kindische Einbildungen an dem Gebrauche desselben. Er wußte, daß seine Flucht das war, was seine Anhänger am meisten fürchteten und seine Feinde am sehnlichsten wünschten. Selbst wenn sein Bleiben mit ernster persönlicher Gefahr verknüpft gewesen wäre, so hätte er es doch unter den obwaltenden Umständen für schimpflich halten müssen, das Feld zu räumen, denn es handelte sich jetzt darum, ob er und seine Nachkommen auf dem Throne seiner Ahnen regieren oder heimathlose Bettler werden sollten. Doch die feige Angst um sein Leben hatte jedes andre Gefühl aus seiner Brust verdrängt. Auf die eindringlichen Bitten und unverwerflichen Gründe der Bevollmächtigten, die seine Freunde nach Rochester gesandt, hatte er nur die eine Antwort: sein Kopf sei in Gefahr. Umsonst versicherte man ihm, daß er durchaus keine Ursache zu einer solchen Besorgniß habe, daß der Prinz von Oranien schon durch den gesunden Verstand, wenn nicht durch seine Grundsätze abgehalten werden würde, die Schuld und Schande eines Königsmordes und eines Verwandtenmordes auf sich zu laden, und daß Viele, welche niemals in die Absetzung ihres Souverains willigen würden, so lange er noch auf englischem Boden war, durch seine Flucht sich der Unterthanentreue gegen ihn entbunden erachten würden. Die Furcht unterdrückte jedes andre Gefühl. Er beschloß abzureisen, und die Ausführung dieses Entschlusses war leicht. Er wurde sehr nachlässig bewacht, Jedermann hatte Zutritt bei ihm, segelfertige Schiffe lagen in geringer Entfernung bereit, und ihre Böte konnten bis dicht an den Garten des Hauses herankommen, das er bewohnte. Wäre er klug gewesen, so würde schon der Umstand, daß seine Wächter sich bemühten, ihm die Flucht zu erleichtern, hingereicht haben, um ihn zu überzeugen, daß er bleiben mußte, wo er war. In der That, die Schlinge lag so offen zu Tage, daß nur ein durch die Angst geblendeter Thor sie nicht sehen konnte.
[37.] History of the Desertion; Clarendon’s Diary, Dec. 21. 1688; Burnet I. 803, und Onslow’s Note.
[38.] Sachwalter ersten und zweiten Ranges. — Der Übers.
[39.] Clarendon’s Diary, Dec. 21. 1688; Citters unter dem nämlichen Datum.
[40.] Clarendon’s Diary. Dec. 21, 22, 1688; Clarke’s Life of James, II. 268, 270. Orig. Mem.
Jakob’s Flucht von Rochester. [Die] Vorbereitungen wurden schleunigst getroffen. Am Samstag Abend, den Zweiundzwanzigsten, versicherte der König einigen von den Herren, welche von London aus mit Nachricht und gutem Rathe zu ihm gesandt worden, daß er sie am folgenden Morgen wiedersehen werde. Er legte sich zu Bett, stand mitten in der Nacht auf, stahl sich in Begleitung Berwick’s durch eine Hinterthür fort und ging durch den Garten bis ans Ufer des Medway. Hier erwartete ihn ein kleines Boot. Bald nach Tagesanbruch befanden sich die Flüchtlinge am Bord einer Schmacke, welche die Themse hinab fuhr.[41]
Am Nachmittag gelangte die Nachricht von der Flucht nach London. Die Anhänger des Königs waren ganz bestürzt, während die Whigs ihre Freude nicht verhehlen konnten. Die gute Nachricht ermuthigte den Prinzen zu einem kühnen und wichtigen Schritte. Er hatte erfahren, daß die französische Gesandtschaft mit der ihm feindlich gesinnten Partei fortwährende Communication unterhielt. Man wußte sehr wohl, daß diese Gesandtschaft sich vortrefflich auf alle Verführungskünste verstand, und es unterlag kaum einem Zweifel, daß bei einer solchen Gelegenheit weder Ränke noch Goldstücke gespart werden würden. Barillon wollte gar zu gern noch einige Tage in London bleiben, und zu dem Ende ließ er kein Mittel unversucht, um die siegreiche Partei zu versöhnen. Auf den Straßen beruhigte er den Pöbel, der zornige Blicke auf seine Equipage warf, dadurch, daß er ihm Geld zuwarf. An seiner Tafel trank er öffentlich auf das Wohl des Prinzen von Oranien. Wilhelm aber ließ sich dadurch nicht bethören. Er hatte zwar die Ausübung der königlichen Autorität noch nicht auf sich genommen, aber er war commandirender General und als solcher nicht verbunden, einen Mann, den er als einen Spion betrachtete, innerhalb des von ihm militairisch besetzten Gebietes zu dulden. Noch vor dem Ende des Tages erhielt Barillon die Weisung, daß er England binnen vierundzwanzig Stunden verlassen müsse. Er bat dringend um einen kurzen Aufschub, aber die Minuten waren kostbar, der Befehl wurde in noch bestimmteren Ausdrücken wiederholt und er reiste mit Widerstreben nach Dover ab. Um kein Zeichen von Geringschätzung und Trotz zu unterlassen, wurde er durch einen seiner protestantischen Landsleute, den die Verfolgung ins Exil getrieben, bis an die Küste begleitet. Der Ehrgeiz und die Anmaßung Frankreichs hatte so bitteren Groll erregt, daß selbst diejenigen Engländer, welche im Allgemeinen nicht geneigt waren, Wilhelm’s Verhalten mit günstigem Auge zu betrachten, ihm lauten Beifall dafür zollten, daß er dem Übermuth, mit dem Ludwig viele Jahre hindurch alle europäischen Höfe behandelt hatte, so herzhaft entgegentrat.[42]
[41.] Clarendon’s Diary. Dec. 23. 1638; Clarke’s Life of James, II. 271, 273, 274. Orig. Mem.
[42.] Citters, 1.(11.) Jan. 1689; Witsen’s Handschr. angeführt von Wagenaar, Buch 60.