[33.] Luttrell’s Diary; Evelyn’s Diary; Clarendon’s Diary, Dec. 18. 1688; Revolution Politics.
[34.] Fourth Collection of Papers relating to the present juncture of affairs in England, 1688; Burnet, I. 802, 803; Calamy’s Life and Times of Baxter, chap. XIV.
Es wird ihm gerathen, sich die Krone kraft des Eroberungsrechtes aufzusetzen. [Einige] von den Rathgebern des Prinzen drangen in ihn, daß er sich die Krone ohne weiteres kraft des Eroberungsrechtes aufsetzen und dann als König unter seinem großen Siegel Einberufungsschreiben zu einem Parlamente erlassen solle. Dieses Verfahren wurde ihm von einigen ausgezeichneten Juristen eifrig anempfohlen. Sie sagten, es sei der kürzeste Weg zu dem Ziele, welches außerdem nur mit zahllosen Schwierigkeiten und Streitigkeiten erreicht werden könne. Es stimme genau mit dem glückverheißenden Beispiele überein, das vor ihm Heinrich VII. nach der Schlacht von Bosworth gegeben. Auch werde es die Bedenken vieler achtbarer Personen wegen Statthaftigkeit der Übertragung des Unterthaneneides auf einen andren Regenten zerstreuen. Weder das englische Recht noch die englische Kirche gestehe den Unterthanen die Befugniß zu, ihren Landesherrn abzusetzen. Aber kein Jurist und kein Theolog habe je geleugnet, daß eine im Kriege überwundene Nation sich dem Beschlusse des Gottes der Schlachten unterwerfen dürfe, ohne eine Sünde zu begehen. So hätten nach der chaldäischen Eroberung die gottesfürchtigsten und patriotischesten Juden die Pflichten gegen ihren angestammten König nicht zu verletzen geglaubt, indem sie dem neuen Herrscher, den die Vorsehung ihnen gesandt, mit Treue dienten. Die drei Bekenner, welche im feurigen Ofen so wunderbar erhalten worden waren, hätten in der Provinz Babylon hohe Ämter begleitet. Daniel sei nacheinander Minister des Assyrers, welcher Juda, und des Persers, welcher Assyrien unterjochte, gewesen. Ja, Christus selbst, der seinem Blute nach ein Prinz aus dem Geschlechte David’s gewesen, habe dadurch, daß er seinen Landsleuten befahl, dem Kaiser Tribut zu zahlen, ausgesprochen, daß fremde Eroberung erbliche Rechte aufhebt und wohlbegründeten Anspruch auf Herrschaft giebt. Es sei daher wahrscheinlich, daß eine große Anzahl Tories, wenn sie auch nicht selbst mit gutem Gewissen einen König wählen könnten, doch unbedenklich einen durch den Ausgang des Kriegs ihnen gegebenen König annehmen würden.[35]
Auf der andren Seite standen jedoch Gründe, welche bei weitem überwiegend waren. Der Prinz konnte die Krone als mit dem Schwerte erobert nicht beanspruchen, ohne sich eines groben Wortbruches schuldig zu machen. In seiner Erklärung hatte er versichert, daß es nicht seine Absicht sei, England zu erobern, daß, wer ihn einer solchen Absicht beschuldige, nicht nur ihn persönlich, sondern auch die patriotischen Kavaliere und Gentlemen, die ihn herübergerufen, schändlich verleumde, daß die Streitmacht, die er mitgebracht habe, zu einem so schwierigen Unternehmen offenbar nicht genüge und daß es sein fester Entschluß sei, alle öffentlichen Beschwerden, wie alle seine eigenen Ansprüche einem freien Parlamente anheim zu geben. Um keines irdischen Zweckes willen konnte es recht oder klug sein, das im Angesicht von ganz Europa gegebene Wort zu brechen. Auch war es keineswegs ausgemacht, ob er, wenn er sich als Eroberer gerirte, dadurch die Bedenken zerstreute, welche die strengen Hochkirchenmänner ungeneigt machten, ihn als König anzuerkennen. Denn er mochte sich nennen wie er wollte, Jedermann wußte, daß er in Wirklichkeit kein Eroberer war. Es wäre notorisch eine bloße Fiction gewesen, hatte man sagen wollen, daß dieses große Königreich, mit einer mächtigen Flotte auf der See, einer regulären Armee von vierzigtausend Mann und einer Miliz von hundertdreißigtausend Mann, ohne eine einzige Belagerung oder Schlacht durch eine fünfzehntausend Mann starke Invasionsarmee in eine abhängige Provinz verwandelt worden sei. Es war nicht anzunehmen, daß eine solche Fiction wirklich empfindliche Gewissen beruhigen würde, aber es war kaum zu bezweifeln, daß sie den ohnehin schon gereizten Nationalstolz verwundete. Die englischen Truppen waren in einer Stimmung, welche die zarteste Schonung erheischte. Sie wußten, daß sie im letzten Feldzuge eben keine glänzende Rolle gespielt hatten. Die Anführer wie die Soldaten sehnten sich danach zu beweisen, daß sie nicht aus Mangel an Muth einer geringeren Streitmacht gewichen waren. Einige holländische Offiziere waren so unbesonnen gewesen, sich in einem Wirthshause beim Weine zu rühmen, daß sie die Armee des Königs vor sich her getrieben hätten. Diese Beleidigung hatte unter den englischen Truppen eine Gährung hervorgebracht, welche ohne das rasche Einschreiten des Prinzen wahrscheinlich mit einem furchtbaren Gemetzel geendet haben würde.[36] Welchen Eindruck mußte unter solchen Umständen eine Proklamation machen, welche verkündete, daß der Oberbefehlshaber der Fremden die ganze Insel als rechtmäßige Kriegsbeute betrachte?
Außerdem war zu berücksichtigen, daß der Prinz durch Erlassung einer solchen Proklamation mit einem Male alle die Rechte vernichtet haben würde, zu deren Vertheidiger er sich erklärt hatte. Denn die Autorität eines fremden Eroberers wird nicht durch die Gebräuche und Gesetze der besiegten Nation beschränkt, sondern sie ist ihrem Wesen nach despotisch. Wilhelm war also entweder nicht berechtigt, sich zum Könige zu erklären, oder er war auch berechtigt, die Magna Charta und die Bitte um Recht für null und nichtig zu erklären, die Geschwornengerichte abzuschaffen und ohne Zustimmung des Parlaments Steuern zu erheben. Allerdings konnte er die alte Verfassung des Reichs wiederherstellen; aber wenn er dies that, so that er es ebenfalls kraft eines willkürlichen Beschlusses. Von diesem Augenblicke an würde die englische Freiheit auf eine niedere Stufe herabgesunken sein. Sie wäre dann nicht mehr ein uraltes Erbtheil gewesen, sondern ein neues Geschenk, welches der großmüthige Gebieter, der es verliehen, auch wieder entziehen konnte, wenn es ihm sonst beliebte.
[35.] Burnet, I. 803.
[36.] Gazette de France 26. Jan. (5. Febr.) 1689.
Er beruft die Lords und die Mitglieder der Parlamente Karl’s II. zusammen. [Wilhelm] beschloß daher rechtschaffener und kluger Weise, die in seiner Erklärung gegebenen Versprechungen zu erfüllen und die Aufgabe der Einsetzung der Regierung der gesetzgebenden Gewalt zu überlassen. Er vermied Alles was für Usurpation hätte erklärt werden können, so sorgfältig, daß er es ohne einen Schein von parlamentarischer Autorität nicht über sich nehmen wollte, nur die Stände des Reichs einzuberufen oder während der Wahlen die ausübende Gewalt zu handhaben. Eine eigentlich parlamentarische Autorität gab es nicht im Staate; aber es war möglich, in einigen Stunden eine Versammlung zusammenzubringen, der die Nation wenigstens einen großen Theil der einem Parlamente gebührenden Achtung zollte. Die eine Kammer konnte aus den vielen geistlichen und weltlichen Lords, welche damals in London waren, die andre aus ehemaligen Mitgliedern des Unterhauses und den Magistratsbeamten der City gebildet werden. Dieser Plan war höchst sinnreich und er wurde rasch ins Werk gesetzt. Die Peers wurden auf den 21. December in den St. Jamespalast beschieden. Es erschienen etwa siebzig. Der Prinz forderte sie auf, die Lage des Landes in Erwägung zu ziehen und ihm das Ergebniß ihrer Berathungen vorzulegen. Bald darauf erschien eine Bekanntmachung, welche alle Gentlemen, die während der Regierung Karl’s II. einen Sitz im Unterhause gehabt hatten, aufforderte, am Morgen des Sechsundzwanzigsten vor Seiner Hoheit zu erscheinen. Die Aldermen von London wurden ebenfalls entboten und auch der Gemeinderath ersucht, eine Deputation zu schicken.[37]
Man hat oft in tadelndem Tone gefragt, warum diese Einladung nicht auf die Mitglieder des im vorhergehenden Jahre aufgelösten Parlaments ausgedehnt worden sei. Die Antwort darauf liegt sehr nahe. Einer der Hauptmißstände, über welche die Nation klagte, war die Art und Weise der Erwählung jenes Parlaments. Die meisten Abgeordneten der Boroughs waren durch Wahlkörper gewählt worden, welche in einer allgemein als gesetzwidrig betrachteten und von dem Prinzen in seinem Manifeste für verwerflich erklärten Weise reorganisirt worden waren. Jakob selbst hatte unmittelbar vor seinem Sturze eingewilligt, die früheren municipalen Freiheiten wieder herzustellen. Es würde gewiß von Seiten Wilhelms die größte Inconsequenz gewesen sein, wenn er, nachdem er zur Vertheidigung der angetasteten Freibriefe der Corporationen die Waffen ergriffen, Personen, welche jenen Freibriefen zuwider gewählt worden waren, als rechtmäßige Vertreter der Städte Englands anerkannt hätte.
Am Sonnabend den 22. versammelten sich die Lords in ihrem Sitzungslokale. Dieser Tag wurde damit hingebracht, die Geschäftsordnung festzusetzen. Es wurde ein Schriftführer ernannt, und da man keinem der zwölf Richter Vertrauen schenken konnte, so wurden einige von den angesehendsten Sergeants und Barristers[38] eingeladen, um über juristische Punkte ihren Rath abgeben zu können. Es wurde hierauf beschlossen, daß am nächsten Montag die Lage des Königreichs in Erwägung gezogen werden sollte.[39]