Die Zufuhren wurden mehrere Wochen mit Ungeduld erwartet. Endlich war Tyrconnel genöthigt sich einzuschließen, denn sobald er sich öffentlich blicken ließ, liefen ihm die Soldaten nach und schrien um Nahrung. Selbst das Rindfleisch und Hammelfleisch, das, halb roh und halb verbrannt, ohne Zuspeise und ohne Salz, die Armee bisher erhalten hatte, war selten geworden und die Gemeinen bereits auf Pferdefleischrationen gesetzt, als endlich die verheißenen Segel in der Mündung des Shannon erschienen.[84]

Ankunft einer französischen Flotte in Limerick; Saint-Ruth.

Ein ausgezeichneter französischer General, Namens Saint-Ruth, war mit seinem Stabe an Bord. Er brachte ein Patent mit, das ihn zum Oberbefehlshaber der irischen Armee ernannte. Das Patent erklärte zwar nicht ausdrücklich, daß er von der viceköniglichen Autorität unabhängig sein sollte; aber Jakob hatte ihm versichert, daß Tyrconnel geheime Instructionen erhalten werde, sich nicht in die Kriegführung einzumischen. Saint-Ruth war ein andrer General, Namens D’Usson, zur Unterstützung beigegeben. Die französischen Schiffe brachten einige Waffen, etwas Munition, und einen reichen Vorrath von Getreide und Mehl mit. Der Muth der Irländer lebte wieder auf und das Te Deum wurde mit inbrünstiger Andacht in der Kathedrale von Limerick gesungen.[85]

Tyrconnel hatte noch keine Anstalten zu dem bevorstehenden Feldzuge getroffen. Saint-Ruth aber ging, sobald er gelandet war, mit Energie daran, die verlorne Zeit wieder einzubringen. Er war ein Mann von Muth, Thatkraft und Entschlossenheit, aber von barschem und gebieterischem Character. In seinem Lande war er als der unbarmherzigste Verfolger berühmt, der je mit seinen Dragonern die Hugenotten in die Messe getrieben hatte. Englische Whigs behaupteten, er sei in Frankreich unter dem Spottnamen des Henkers bekannt, in Rom hätten selbst die Cardinäle ihren Abscheu vor seinen Grausamkeiten geäußert, und sogar die Königin Christine, die gewiß wenig Ursache habe, über Blutvergießen zu erschrecken, habe sich mit Widerwillen von ihm abgewandt. Er hatte unlängst ein Commando in Savoyen bekleidet, die in französischen Diensten stehenden irischen Regimenter hatten einen Theil seiner Armee gebildet, und sie hatten sich ausgezeichnet benommen. Deshalb traute man ihm ein besonderes Talent zur Führung irischer Truppen zu. Aber es war ein großer Unterschied zwischen den gut gekleideten, gut bewaffneten und gut eingeübten Irländern, die er kannte, und den zerlumpten Räubern, die er in den Straßen von Limerick herumstreichen sah. Gewöhnt an den Glanz und die Disciplin französischer Lager und Garnisonen, sah er mit Ekel, daß in dem Lande, in das er gesandt worden war, ein Infanterieregiment einen Haufen Menschen bedeutete, so nackt, so schmutzig und so verwildert wie die Bettler, die auf dem Kontinent die Thüren eines Klosters belagerten oder einer bergauf fahrenden Diligence nachliefen. Mit schlecht verhehltem Widerwillen ging er indessen kräftig ans Werk, diese wunderlichen Soldaten zu discipliniren, und war Tag und Nacht im Sattel, um von Posten zu Posten, von Limerick nach Athlone, von Athlone nach dem nördlichen Ende des Reasees und vom Reasee nach Limerick zu galoppiren.[86]

Die Engländer rücken ins Feld.

Es war in der That auch nothwendig, daß er sich beeilte, denn wenige Tage nach seiner Ankunft erfuhr er, daß auf der andren Seite des sächsischen Gebiets Alles zur Action bereit war. Der größere Theil der englischen Truppen war vor Ende des Monats Mai in der Nähe von Mullingar zusammengezogen. Ginkell war Oberbefehlshaber. Er hatte unter sich die nächst Marlborough zwei besten Offiziere, deren sich unsre Insel damals rühmen konnte: Talmash und Mackay. Der Marquis von Ruvigny, der erbliche Anführer der Refugiés und ältere Bruder des tapferen Caillemot, der am Boyne gefallen war, hatte sich mit dem Range eines Generalmajors der Armee angeschlossen. Der Lord Justice Coningsby, obgleich kein Soldat von Profession, kam von Dublin, um den Eifer der Truppen zu beleben. Das Aussehen des Lagers bewies, daß das vom englischen Parlamente bewilligte Geld nicht gespart worden war. Die Uniformen waren neu, das glänzende Scharlachroth der Reihen blendete das Auge, und der Artillerietrain war so, wie man ihn in Irland noch nie gesehen hatte.[87]

Fall von Ballymore.

Am 6. Juni verlegte Ginkell sein Hauptquartier von Mullingar weg und am 7. erreichte er Ballymore. Zu Ballymore stand auf einer von einem sumpfartigen See umgebenen Halbinsel eine alte Festung, welche kürzlich unter Sarsfield’s Leitung verstärkt worden war und die von mehr als tausend Mann vertheidigt wurde. Die englischen Geschütze wurden sofort gegen dieselbe aufgefahren, und schon nach wenigen Stunden hatten die Belagerer die Freude, die Belagerten wie Kaninchen von einer Schutzwehr zur andren laufen zu sehen. Der Gouverneur, der zuerst eine sehr trotzige Sprache geführt hatte, bat demüthiglich um Pardon und erhielt ihn. Die ganze Garnison wurde nach Dublin dirigirt. Nur acht von den Siegern waren gefallen.[88]

Ginkell verwendete einige Tage auf die Ausbesserung der Vertheidigungswerke von Ballymore. Diese Arbeit war kaum beendigt, als die dänischen Hülfstruppen unter dem Commando des Herzogs von Würtemberg zu ihm stießen. Die ganze Armee marschirte hierauf westwärts und erschien am 19. Juni vor den Mauern von Athlone.[89]

Belagerung und Fall von Athlone.