Die irischen Truppen werden aufgefordert, zwischen ihrem Vaterlande und Frankreich zu wählen.

Der Beistand des katholischen Klerus wurde angerufen. An dem Tage, an welchem Diejenigen, die sich entschlossen hatten nach Frankreich zu gehen, aufgefordert wurden, ihren Entschluß kund zu thun, waren die Priester unermüdlich in Ermahnungen. Vor jedem Regiment wurde eine Predigt gehalten über die Pflicht, der Sache der Kirche treu zu bleiben, und über die Sünde und Gefahr, sich mit Ungläubigen zu verbinden.[130] Jeder, wurde gesagt, der in den Dienst der Usurpatoren trete, würde dies bei Gefahr seines Seelenheils thun. Die Ketzer versicherten, daß dem Auditorium nach der Predigt eine tüchtige Ration Branntwein gereicht worden und daß, nachdem der Branntwein getrunken gewesen sei, ein Bischof den Segen gesprochen habe. So durch physische und moralische Stimulationsmittel gehörig vorbereitet, wurde die aus etwa vierzehntausend Mann Infanterie bestehende Besatzung auf der großen Wiese aufgestellt, die auf dem Clarer Ufer des Shannon lag. Hier wurden Abdrücke von Ginkell’s Proklamation in Masse vertheilt und englische Offiziere gingen durch die Reihen, um die Mannschaften zu beschwören, sich nicht dem Verderben preis zu geben, und um ihnen die Vortheile auseinanderzusetzen, welche die Soldaten König Wilhelm’s genössen. Endlich kam der entscheidende Augenblick. Die Truppen erhielten Befehl, die Revue zu passiren. Diejenigen, welche in Irland zu bleiben wünschten, mußten an einer bestimmten Stelle umkehren. Von allen denen, die über diese Stelle hinaus marschirten, nahm man an, daß sie sich für Frankreich entschieden hatten. Sarsfield und Wauchop sahen auf der einen Seite, Coningsby und Ginkell auf der andren Seite mit ängstlicher Spannung zu. D’Usson und seinen Landsleuten wurde es schwer, ihre ernste Miene zu bewahren, obgleich das Schauspiel nicht ohne Interesse für sie war. Die Confusion, der Lärm, das groteske Aussehen einer Armee, in der fast kein Hemd und kein Beinkleid, kein Schuh oder Strumpf zu erblicken war, bildete einen so lächerlichen Contrast mit dem geordneten und glänzenden Aussehen der Truppen ihres Gebieters, daß sie einander scherzend fragten, was wohl die Pariser sagen würden, wenn sie auf der Ebene von Grenelle eine solche Armee defiliren sähen.[131]

Die Mehrzahl der irischen Truppen erklärt sich für den Freiwilligendienst in Frankreich.

Zuerst marschirte das sogenannte Regiment Royal vierzehnhundert Mann stark. Alle bis auf Sieben überschritten den verhängnißvollen Punkt. Ginkell’s Gesicht verrieth einen heftigen Unmuth. Er tröstete sich indeß wieder, als er das nächste Regiment, das aus Eingebornen von Ulster bestand, wie ein Mann Kehrt machen sah. Es war trotz der Gemeinschaft des Bluts, der Sprache und der Religion zwischen den Celten von Ulster und denen der anderen drei Provinzen eine Antipathie entstanden; auch ist es nicht unwahrscheinlich, daß das Beispiel und der Einfluß Baldearg O’Donnel’s einigen Eindruck auf die Bevölkerung des Landes gemacht haben mag, das seine Vorfahren regiert hatten.[132] In den meisten Regimentern waren die Meinungen getheilt; aber die große Mehrheit erklärte sich für Frankreich. Heinrich Luttrell gehörte zu Denen, welche umkehrten. Er wurde für seinen Abfall und vielleicht für noch andere Dienste mit Verleihung der großen Güter seines älteren Bruders Simon, der fest zur Sache Jakob’s hielt, mit einem Jahrgelde von fünfhundert Pfund von Seiten der Krone, und mit dem Abscheu der katholischen Bevölkerung belohnt. Nachdem er ein Vierteljahrhundert in Reichthum, Luxus und Schande gelebt, wurde Heinrich Luttrell ermordet, als er sich in seiner Sänfte durch Dublin tragen ließ, und das irische Haus der Gemeinen erklärte, man habe Grund zu vermuthen, daß er als ein Opfer der Rache der Papisten gefallen sei.[133] Achtzig Jahre nach seinem Tode wurde sein Grab unweit Luttrellstown durch die Nachkommen Derer, die er verrathen, gewaltsam geöffnet und sein Schädel vermittelst einer Spitzhacke in Stücken zerschlagen.[134] Der tödtliche Haß, deren Gegenstand er war, ging auch auf seinen Sohn und auf seinen Enkel über und leider hatte weder der Character seines Sohnes noch der seines Enkels Seiten, welche das Gefühl, das der Name Luttrell erweckte, zu mildern geeignet gewesen wären.[135]

Als der lange Zug vorbeidefilirt war, ergab es sich, daß ungefähr tausend Mann bereit waren, in Wilhelm’s Dienste zu treten. Etwa zweitausend nahmen Pässe von Ginkell an und begaben sich ruhig in ihre Heimath. Ungefähr elftausend kehrten mit Sarsfield in die Stadt zurück. Einige Stunden nachdem die Besatzung die Revue passirt hatte, wurden auch die einige Meilen von der Stadt lagernden Reiter aufgefordert, ihre Wahl zu treffen, und die meisten von ihnen entschieden sich für Frankreich.[136]

Viele von den Irländern, die sich für Frankreich erklärt hatten, desertiren.

Sarsfield betrachtete die Truppen, welche bei ihm blieben, als unwiderruflich verpflichtet, außer Landes zu gehen, und damit sie sich nicht versucht fühlen möchten, ihre Zusage zurückzunehmen, hielt er sie innerhalb der Wälle und ließ die Thore schließen und streng bewachen. Obwohl Ginkell in seinem Aerger einige Drohungen murmelte, scheint er doch eingesehen zu haben, daß eine Einmischung seinerseits nicht gerechtfertigt war. Aber die Vorsichtsmaßregeln des irischen Generals erreichten ihren Zweck bei weitem nicht vollkommen. Es war durchaus nicht zu verwundern, daß ein abergläubischer und reizbarer Kerne, mit einer Predigt und einem Glas Branntwein im Kopfe, bereit war Alles zu versprechen was seine Priester verlangten; eben so wenig war es zu verwundern, daß, als er seinen Rausch ausgeschlafen hatte und keine Anathemen ihm mehr in den Ohren klangen, er peinliche Besorgnisse empfand. Er hatte sich verpflichtet, vielleicht auf Lebenszeit ins Exil zu gehen, weit weg von den traurigen Wasserflächen, die seinem ungebildeten Geiste ein geheimnißvolles Grauen einflößten. Alles was er verlassen sollte, zog an seinen Gedanken vorüber, der wohlbekannte Torfhaufen und das Kartoffelfeld und die Lehmhütte, die bei aller ihrer Aermlichkeit doch immer seine Heimath war. Nie sollte er die wohlbekannten Gesichter wieder um das Torffeuer sitzen sehen, nie die traulichen Klänge der alten celtischen Lieder hören. Der weite Ocean sollte zwischen ihm und dem Herde seiner greisen Eltern und seines blühenden Liebchens wogen. Einige, die den quälenden Gedanken einer solchen Trennung nicht zu ertragen vermochten und die Unmöglichkeit vor Augen sahen, bei den Schildwachen, welche die Thore hüteten, vorbeizukommen, sprangen in den Fluß und erreichten das entgegengesetzte Ufer. Doch war die Zahl dieser kühnen Schwimmer nicht groß, und die Armee würde wahrscheinlich vollzählig über den Kanal gebracht worden sein, wenn sie bis zum Einschiffungstage in Limerick geblieben wäre. Aber viele von den Schiffen auf denen die Ueberfahrt bewerkstelligt werden sollte, lagen in Cork und Sarsfield mußte mit einigen seiner besten Regimenter dahin abgehen. Dies war ein Marsch von nicht weniger als vier Tagen durch eine öde Gegend. Es war unmöglich, gewandte junge Männer, die mit allen Schlichen eines unsteten und räuberischen Lebens vertraut waren, zu verhindern, daß sie sich unter dem Schutze der Dunkelheit nach den Sümpfen und Wäldern fortstahlen. Viele Soldaten waren sogar dreist genug, am hellen Tage davonzulaufen, noch ehe die Kathedrale von Limerick ihren Blicken entschwunden war. Das Regiment Royal, das am Tage der Revue ein so auffallendes Beispiel von treuer Anhänglichkeit an die Sache Jakobs’ gegeben hatte, schmolz von vierzehnhundert auf fünfhundert Mann zusammen. Noch vor der Abfahrt des letzten Schiffes kam die Nachricht, daß die mit den ersten Schiffen Abgegangenen in Brest unfreundlich empfangen worden seien. Sie waren kärglich mit Lebensmitteln versehen worden, hatten weder Sold noch Kleidung erlangen können und mußten ohne andres Obdach als Hecken und Zäune auf freiem Felde schlafen, obgleich der Winter vor der Thür war. Man hatte Viele von ihnen äußern hören, es würde weit besser gewesen sein, in Alt-Irland zu sterben als in dem ungastlichen Lande zu leben, in das sie verbannt wären. Die Wirkung dieser Berichte war, daß Hunderte, welche lange in der Absicht auszuwandern beharrt hatten, sich im letzten Augenblicke weigerten an Bord zu gehen, ihre Waffen wegwarfen und in ihre heimathlichen Dörfer zurückkehrten.[137]

Die letzte Division der irischen Armee segelt von Cork nach Frankreich ab.