G. H. Friedlein.
Elftes Kapitel.
Wilhelm von Oranien.
[ Inhalt.]
Wilhelm und Marie. [Die] Revolution war vollendet und die Decrete der Convention allenthalben mit Unterwerfung aufgenommen worden. London, seit fünfzig ereignißvollen Jahren treu der Sache der bürgerlichen Freiheit und des reformirten Glaubens, erklärte zuerst den neuen Herrschern seine Ergebenheit. Nachdem der erste Wappenherold unter den Fenstern von Whitehall den neuen Herrscher ausgerufen, ritt er mit feierlichem Gepränge den Strand entlang bis Temple Bar. Ihm folgten die Scepterträger der beiden Häuser, die beiden Sprecher Halifax und Powle und ein langer Zug von Equipagen mit Cavalieren und Gentlemen. Die Magistratsbeamten der City hielten ihre Thore geöffnet und schlossen sich der Prozession an. Vier Regimenter Miliz bildeten durch Ludgate Hill, um die St. Paulskirche herum und Cheapside entlang Spalier. Die Straßen, die Fenster und selbst die Dächer waren mit Zuschauern gefüllt. Alle Glocken von der Westminsterabtei bis zum Tower ließen ihr fröhliches Geläute ertönen. Vor der Börse wurde die Proclamation unter dem Jubel der versammelten Bürger bei Trompetenschall zum zweiten Male verlesen.
Am Abend war jedes Fenster von Whitechapel bis Picadilly erleuchtet. Die Prunkgemächer des Palastes waren geöffnet und mit einer glänzenden Versammlung von Höflingen gefüllt, welche gekommen waren, dem Könige und der Königin die Hand zu küssen. Es waren die Whigs, die sich, von Glück und Siegesfreude strahlend, hier versammelt hatten. Einigen unter ihnen konnte man es wohl verzeihen, wenn sich ein Gefühl befriedigter Rache in ihre Freude mischte. Die am schwersten Gekränkte aber von Allen, welche die schlimmen Zeiten überlebt hatten, fehlte. Lady Russel war, während ihre Freunde sich in den Gallerien von Whitehall drängten, zu Haus geblieben, um an Den zu denken, der, wenn er noch gelebt hätte, bei der Feier dieses hochwichtigen Tages eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben würde. Ihre Tochter jedoch, welche einige Monate zuvor die Gemahlin des Lord Cavendish geworden, ließ sich durch dessen Mutter, die Gräfin von Devonshire, dem Königspaare vorstellen. Es existirt noch ein Brief, in welchem die junge Dame den Jubel der Bevölkerung, den Lichterglanz in den Straßen, das Gedränge in dem Empfangszimmer, die Schönheit Mariens und den Ausdruck, der die strengen Züge Wilhelm’s veredelte und milderte, mit großer Lebendigkeit schildert. Die interessanteste Stelle darin ist die, wo die Verwaiste die wehmüthige Freude gesteht, mit der sie die verspätete Bestrafung des Mörders ihres Vaters mit ansah.[1]