[1.] Brief von Lady Cavendish an Sylvia. Lady Cavendish hatte, wie die meisten jungen Damen jener Generation, beständig die Romane der Scudery im Kopfe. Sie selbst ist Dorinda, ihre Correspondentin, in der man ihre Cousine Johanna Allington vermuthete, ist Sylvia; Wilhelm ist Armanzor und Maria ist Phenixana. London Gazette, Febr. 14. 1688/89; Narcissus Luttrell’s Diary. Luttrell’s Tagebuch, das ich sehr oft citiren werde, befindet sich in der Bibliothek des Allerseelen-Collegiums, dessen Vorsteher ich zu großem Danke verpflichtet bin für die Bereitwilligkeit, mit der er mir die Benutzung dieses werthvollen Manuscripts gestattete.

Festlichkeiten durch ganz England. [Dem] Beispiele London’s folgten auch die Provinzialstädte. Drei Wochen lang waren die Spalten der Journale mit Berichten über die Festlichkeiten gefüllt, durch die sich die öffentliche Freude kund gab: Cavalcaden von Gentlemen und Freisassen, Prozessionen von Sheriffs und Bailiffs im scharlachnen Amtskleide, Umzüge eifriger Protestanten mit orangefarbenen Fahnen und Bändern, Geschützsalven, Freudenfeuer, Illuminationen, Musikfeste, Bälle, Gastmähler, Rinnen und Röhren in denen Ale und Claret flossen.[2]

[2.] Siehe die London Gazette vom Februar und März 1688/89. und N. Luttrell’s Tagebuch.

Festlichkeiten in Holland. [Noch] herzlicher war die Freude unter den Holländern, als sie erfuhren, daß der erste Beamte ihrer Republik auf einen Thron erhoben worden. Wilhelm hatte am Tage seines Regierungsantritts an die Generalstaaten geschrieben, daß die Veränderung in seiner Stellung die Liebe zu seinem Vaterlande nicht geschmälert und daß seine neue Würde ihn hoffentlich in den Stand setzen werde, seine älteren Pflichten wirksamer zu erfüllen als je. Die olicharchische Partei, welche den Lehren Calvin’s und dem Hause Oranien stets feindlich gesinnt gewesen, murmelte zwar leise, Sr. Majestät müsse das Statthalteramt niederlegen. Aber all’ dieses Gemurmel wurde von dem Zujauchzen eines Volks übertäubt, das stolz war auf das Genie und das Glück seines großen Landsmannes. Es ward ein Tag zu Dankesbezeigungen bestimmt, und in allen Städten der sieben Provinzen äußerte sich die allgemeine Freude in Festlichkeiten, deren Kosten hauptsächlich durch freiwillige Gaben bestritten wurden. Alle Klassen nahmen Theil daran; der ärmste Tagelöhner konnte sich betheiligen, indem er einen Triumphbogen errichten half oder Reisig zu einem Freudenfeuer trug. Selbst die ruinirten Hugenotten konnten durch ihre Geschicklichkeit und ihre Erfindungsgabe mitwirken. Eine Kunst, die sie mit sich in die Verbannung genommen, war die Feuerwerkerei, und so erleuchteten sie jetzt zu Ehren des siegreichen Vorkämpfers ihres Glaubens die Kanäle von Amsterdam durch prachtvolle Feuerwerke.[3]

Dem flüchtigen Beobachter konnte es scheinen, als hätte Wilhelm damals einer der beneidenswerthesten Menschen sein müssen; in der That aber war er einer der sorgenvollsten und unglücklichsten. Er wußte wohl, daß die Schwierigkeiten seiner Aufgabe erst begannen. Schon war die so glänzend angebrochene Morgenröthe seines Glücks umwölkt und viele Anzeichen verkündeten einen dunklen, stürmischen Tag.

[3.] Wagenaar, 61. Er führt die Protokolle der Generalstaaten vom 2. März 1689 an. London Gazette, April 11. 1689; Monthly Mercury, April 1689.

Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der Armee. [Man] machte die Bemerkung, daß zwei wichtige Stände wenig oder keinen Theil an den Festlichkeiten nähmen, durch welche in ganz England die Einsetzung der neuen Regierung gefeiert wurde. Nur sehr selten sah man einen Priester oder einen Soldaten unter den Leuten, die sich um die Marktsäulen versammelten, wo der König und die Königin ausgerufen wurden. Der Berufsstolz der Geistlichkeit und des Heeres war tief verletzt worden. Die Lehre vom Nichtwiderstande war den anglikanischen Geistlichen theuer gewesen; sie war ihr unterscheidendes Kennzeichen, sie war ihr Lieblingsthema. Wenn wir nach dem auf uns gekommenen Theile ihrer öffentlichen Vorträge urtheilen dürfen, so hatten sie über die Pflicht des passiven Gehorsams mindestens eben so oft und eifrig gepredigt, wie über die Dreieinigkeit und die Sühne.[4] Ihre Anhänglichkeit an ihren politischen Glauben war zwar hart geprüft und auf eine kurze Zeit erschüttert worden; aber mit Jakob’s Tyrannei waren auch die bittern Gefühle verschwunden, welche diese Tyrannei in ihnen geweckt hatte. Der Pfarrer eines Kirchspiels war natürlich nicht geneigt, sich einer Sache anzuschließen, die ein thatsächlicher Triumph über die Grundsätze war, die seine Gemeinde ihn an jedem Jahrestage des Märtyrertodes[5] und der Restauration hatte verkündigen hören.

Auch die Soldaten waren mißvergnügt. Sie haßten zwar den Papismus und hatten den verbannten König nicht geliebt; aber sie fühlten nur zu wohl, daß sie in dem kurzen Feldzuge, der das Schicksal ihres Vaterlandes entschieden, eine ruhmlose Rolle gespielt hatten. Vierzig schöne Regimenter, eine reguläre Armee, wie noch nie zuvor eine unter dem Banner England’s gefochten, hatten sich über Hals und Kopf vor einem Eindringling zurückgezogen und sich ihm dann ohne Schwertstreich unterworfen. Diese große Streitmacht war bei der jüngsten Veränderung von gar keinem Einflusse gewesen; sie hatte eben so wenig etwas gethan, Wilhelm abzuwehren, als ihn ins Land zu bringen. Die Bauern, welche mit Heugabeln bewaffnet und auf Karrengäulen reitend, im Gefolge Lovelace’s oder Delamere’s umhergezogen waren, hatten einen größeren Theil an der Revolution genommen als jene glänzenden Haustruppen, deren Federhüte, geflickte Röcke und curbettirende Schlachtrosse die Londoner so oft in Hyde Park bewundert. Die Verstimmung der Armee wurde noch vermehrt durch die Spötteleien der Fremden, welche weder durch Befehle noch durch Strafen völlig unterdrückt werden konnten.[6] An verschiedenen Orten äußerte sich der Unmuth, den man bei einer tapferen und von Ehrgefühl beseelten Gemeinschaft von Männern unter solchen Umständen wohl erwarten darf, in beruhigender Weise. Ein in Cirencester liegendes Bataillon löschte die Freudenfeuer aus, ließ den König Jakob hoch leben und trank auf den Untergang seiner Tochter und seines Neffen. Die Garnison von Plymouth störte die Festlichkeiten in der Grafschaft Cornwall, es kam zu Schlägereien, und ein Mann wurde dabei getödtet.[7]

[4.] „Ich kann mit Bestimmtheit behaupten,“ sagt ein Schriftsteller, der in der Westminsterschule erzogen war, „daß auf eine Predigt über die Buße, den Glauben und die Erneuerung des heiligen Geistes, die ich hörte, drei von der andern Art kamen, und es ist schwer zu sagen, ob Jesus Christus oder König Karl I. öfter erwähnt und gepriesen wurde.“ — Bisset’s Modern Fanatick, 1710.

[5.] Karl’s I. — D. Übersetzer.