[ Inhalt.]


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[Zustand Irland’s zur Zeit der Revolution][5]
[Die Civilgewalt in den Händen der Katholiken][5]
[Die Militärgewalt in den Händen der Katholiken][7]
[Gegenseitige Feindschaft zwischen den Engländern und Iren][7]
[Panischer Schrecken unter den Engländern][8]
[Geschichte der Stadt Kenmare][9]
[Enniskillen][12]
[Londonderry][13]
[Schließung der Thore von Londonderry][14]
[Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificiren][16]
[Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel][17]
[Die Temple werden zu Rathe gezogen][19]
[Richard Hamilton wird auf Temple’s Wort nach Irland gesandt][19]
[Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich][20]
[Tyrconnel ruft das irische Volk zu den Waffen][21]
[Verwüstung des Landes][22]
[Die Protestanten im Süden unfähig Widerstand zu leisten][26]
[Enniskillen und Londonderry halten sich][27]
[Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster][27]
[Jakob entschließt sich nach Irland zu gehen][28]
[Unterstützung, welche Jakob von Ludwig gewährt wird][29]
[Wahl eines französischen Gesandten zum Begleiter Jakob’s][30]
[Der Graf von Avaux][31]
[Jakob landet in Kinsale][32]
[Jakob’s Einzug in Cork][33]
[Reise Jakob’s von Cork nach Dublin][34]
[Unzufriedenheit in England][36]
[Parteispaltungen im Dubliner Schlosse][36]
[Jakob beschließt nach Ulster zu gehen][40]
[Jakob’s Reise nach Ulster][41]
[Der Fall Londonderry’s erwartet][43]
[Es kommt Succurs aus England][44]
[Verrätherei Lundy’s][45]
[Die Bewohner von Londonderry beschließen sich zu vertheidigen][45]
[Ihr Character][46]
[Londonderry belagert][50]
[Die Belagerung in eine Blokade verwandelt][52]
[Seegefecht in der Bantry-Bai][52]
[Ein von Jakob einberufenes Parlament tagt in Dublin][53]
[Es wird eine Toleranzacte erlassen][57]
[Acte zur Confiscation des Eigenthums der Protestanten][57]
[Prägung schlechten Geldes][61]
[Die große Verurtheilungsacte][62]
[Jakob prorogirt sein Parlament][65]
[Verfolgung der Protestanten in Irland][65]
[Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England][67]
[Thaten der Enniskillener][69]
[Noth in Londonderry][70]
[Ankunft des Expeditionscorps unter Kirke im Foylesee][70]
[Grausamkeit Rosen’s][71]
[Die Hungersnoth in Londonderry steigt aufs Höchste][73]
[Angriff auf den Sperrbaum][74]
[Die Belagerung von Londonderry aufgehoben][76]
[Operationen gegen die Enniskillener][79]
[Schlacht bei Newton-Butler][80]
[Bestürzung der Irländer][81]

Zustand Irland’s zur Zeit der Revolution. [Wilhelm] hatte zu gleicher Zeit mit dem Titel eines Königs von England auch den eines Königs von Irland angenommen. Denn alle unsere Juristen betrachteten damals Irland als eine bloße Colonie, zwar wichtiger als Massachusetts, Virginien oder Jamaika, aber, wie diese, abhängig vom Mutterlande und verpflichtet, den Souverain anzuerkennen, den das Mutterland auf den Thron berufen hatte.[1]

[1.] Die allgemeine Ansicht der Engländer über diesen Gegenstand spricht sich deutlich in einer kleinen Schrift aus, betitelt: „Aphorisms relating to the Kingdom of Ireland“, welche während der Erledigung des Thrones erschien.

Die Civilgewalt in den Händen der Katholiken. [Thatsächlich] aber hatte die Revolution Irland von der Oberherrschaft der englischen Colonie emancipirt gefunden. Schon im Jahre 1686 hatte Jakob beschlossen, diese Insel zu einem Waffenplatze, der Großbritannien Respect einflößen könnte, und zu einem Asyle zu machen, wo die Mitglieder seiner Kirche eine Zuflucht finden könnten, wenn in Großbritannien sich ein Unglück ereignete. Zu dem Ende hatte er Alles aufgeboten, um das Verhältniß zwischen den Eroberern und der eingebornen Bevölkerung umzukehren. Die Ausführung seines Planes hatte er, trotz der Gegenvorstellungen seiner englischen Rathgeber, dem Vicekönig Tyrconnel übertragen. Im Herbst des Jahres 1688 war der Prozeß vollendet. Die höchsten Ämter bei der Staatsverwaltung, der Armee und den Gerichtshöfen waren fast ohne Ausnahme mit Papisten besetzt. Ein Rabulist, Namens Alexander Fitton, der einer Fälschung überführt, wegen schlechter Aufführung vom Hause der Lords zu Westminster mit einer Geldstrafe belegt worden war und viele Jahre im Gefängniß zugebracht hatte, dem es eben so sehr an juristischen Kenntnissen fehlte wie an gesundem Verstande und Scharfsinn, welche den Mangel an juristischen Kenntnissen zuweilen ersetzt haben, war Lordkanzler. Sein einziges Verdienst bestand darin, daß er vom protestantischen Glauben abgefallen war, und dieses Verdienst wurde für hinreichend erachtet, um selbst den Flecken seiner sächsischen Abstammung zu verwischen. Er zeigte sich bald des Vertrauens seiner Gönner würdig. Er erklärte auf der Richterbank, daß es unter vierzigtausend Ketzern nicht einen gebe, der nicht ein Schurke sei. Oftmals, nachdem er einen Rechtsfall angehört, bei dem die Interessen seiner Kirche im Spiele waren, verschob er seinen Ausspruch, um, wie er selbst eingestand, seinen Seelsorger, einen spanischen Priester, der wahrscheinlich im Escobar wohl belesen war, zu Rathe zu ziehen.[2] Thomas Nugent, ein Katholik, der sich im Gerichtssaale durch nichts als durch seinen irischen Accent und durch seine Schnitzer ausgezeichnet hatte, war Oberrichter der King’s Bench.[3] Stephan Rice, ein Katholik, dessen Talente und Gelehrsamkeit selbst von den Feinden seiner Nation und Religion nicht bestritten wurden, dessen wohlbekannte Hostilität gegen die Ansiedlungsacte aber im Herzen aller Derjenigen, welche kraft dieser Acte Grundeigenthum besaßen, die ernstesten Besorgnisse erweckte, war erster Baron der Schatzkammer.[4] Richard Nagle, ein scharfsinniger und wohlbelesener Jurist, der in einem Jesuitencollegium erzogen war und der die Vorurtheile besaß, die man von seiner Erziehung erwarten konnte, war Generalfiskal.[5]

Keating, ein höchst ehrenwerther Protestant war noch Oberrichter der Common Pleas; aber zwei römisch-katholische Richter standen ihm zur Seite. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der eine von diesen Richtern, Daly, ein verständiger, gemäßigter und rechtschaffner Mann war. Aber die Klagsachen, welche vor die Schranken der Common Pleas kamen, waren nicht von großem Belang. Selbst die King’s Bench war damals fast verödet. Dagegen war das Schatzkammergericht mit Geschäften überhäuft, denn es war der einzige Gerichtshof in Dublin, von dem nicht nach England appellirt werden konnte, und folglich der einzige Gerichtshof, an welchem die Engländer ohne Hoffnung auf Abhülfe unterdrückt und ausgeplündert werden konnten. Rice sollte erklärt haben, daß sie von ihm genau das haben sollten, was das Gesetz nach strictester Auslegung ihnen gewähre, aber auch nicht mehr. Was aber seiner Ansicht nach das Gesetz nach strictester Auslegung ihnen gewährte, das konnten sie leicht aus einer Äußerung schließen, die er, bevor er Richter wurde, häufig im Munde führte. „Ich werde,“ pflegte er zu sagen, „mit Sechsen durch die Ansiedlungsacte fahren.“ Jetzt brachte er seine Drohung tagtäglich zur Ausführung. Alle Protestanten klagten, daß es gleichgültig sei, was für Beweise sie ihm vorlegten, daß die schamlosesten Lügen, die ehrlosesten Zeugenaussagen seines Schutzes gewiß sein könnten, wenn er sonst ihren Ansprüchen nicht gerecht werden wolle. Zu seinem Gerichtshofe drängten sich seine Landsleute in Masse mit Gesuchen um Vertreibung und Eigenthumsverletzung. Vor seinem Gerichtshofe griff die Regierung mit einem Male die Freibriefe alter irischen Städte und Landgemeinden an, und er fand ohne Mühe Vorwände, um alle diese Freibriefe für verwirkt zu erklären. Die Municipalcorporationen, etwa hundert an Zahl, waren als Bollwerke des reformirten Glaubens und des englischen Interesses eingeführt worden, und sie wurden daher von den irischen Katholiken mit einem Widerwillen betrachtet, den man nicht für unnatürlich oder unvernünftig halten kann. Wären diese Corporationen auf eine verständige und unparteiische Weise umgestaltet worden, so hätte die Unregelmäßigkeit des Verfahrens, durch welches ein so wünschenwerthes Resultat erzielt worden war, verziehen werden können. Aber es zeigte sich bald, daß ein exclusives System nur beseitigt worden war, um einem andren Platz zu machen. Die Burgflecken wurden der unumschränkten Autorität der Krone unterstellt. Städte, in denen fast jeder Hausvater ein englischer Protestant war, erhielten katholische Obrigkeiten. Viele von den neuen Aldermen hatten die Städte, zu deren Behörden sie ernannt werden, noch nie gesehen. Zu gleicher Zeit wurden die Sheriffs, denen die Vollziehung der richterlichen Befehle und die Ernennung der Juries zukam, fast immer aus der Kaste gewählt, welche bis vor ganz Kurzem von jedem öffentlichen Amte ausgeschlossen gewesen war. Man versicherte, daß einige von diesen wichtigen Beamten wegen Diebstahls in der Hand gebrandmarkt gewesen seien. Andere hatten im Dienste von Protestanten gestanden, und die Protestanten setzten mit bitterer Geringschätzung hinzu, daß die Grafschaft, der solche Beamte zu Theil würden, von Glück sagen könne, denn ein Diener, der das Geschirr eines englischen Gentleman gereinigt und sein Pferd geputzt habe, könne im Vergleich zu Vielen von der eingebornen Aristokratie, die ihr Leben mit Aufliegen und Marodiren hingebracht, für ein civilisirtes Geschöpf gelten. Solchen Sheriffs würde kein Colonist, selbst wenn er das unerhörte Glück gehabt hätte, einen ihm günstigen Ausspruch zu erlangen, eine Execution anzuvertrauen gewagt haben.[6]

[2.] King’s State of the Protestants of Ireland, II. 6, und III. 3.

[3.] King III. 3. Clarendon nennt Nugent in einem Briefe an Rochester (vom 1. Juni 1686) „einen höchst lästigen, impertinenten Menschen.“

[4.] King, III. 3.