[5.] King, II. 6, und III. 3. Clarendon spricht in einem Briefe an Ormond (vom 28. Sept. 1686) mit rühmender Anerkennung von Nagle’s Kenntnissen und Fähigkeiten; in seinem Tagebuche aber (31. Jan. 1686/87) nennt er ihn „einen habsüchtigen, ehrgeizigen Mann.“
[6.] King II. 5. 1.; III. 3. 5. A Short View of the Methods made use of in Ireland for the Subversion and Destruction of the Protestant Religion and Interests, by a Clergyman lately escaped from thence, licensed Oct. 17, 1689.
Die Militärgewalt in den Händen der Katholiken. [So] war die Civilgewalt in Zeit von wenigen Monaten von der sächsischen auf die celtische Bevölkerung übertragen worden. Die Übertragung der Militärgewalt war nicht minder vollständig gewesen. Die Armee, welche unter Ormond’s Befehlen das Hauptbollwerk des englischen Übergewichts gewesen war, existirte nicht mehr. Ganze Regimenter waren aufgelöst und neu organisirt worden. Sechstausend ihres Brodes beraubte protestantische Veteranen brüteten in ihrer Zurückgezogenheit über das ihnen zugefügte Unrecht, oder waren über den Kanal gegangen und hatten sich dem Banner Wilhelm’s angeschlossen. Ihre Stellen wurden durch Männer besetzt, welche, nachdem sie lange unterdrückt worden, sich plötzlich aus Sklaven in Herren verwandelt sahen und es nun nicht erwarten konnten, die schwere Schuld der Unbilden und Kränkungen mit Wucherzinsen zurückzuzahlen. Man sagte, die neuen Soldaten seien nie an einem Engländer vorübergegangen, ohne ihn zu verwünschen und ihm ein Schimpfwort anzuhängen. Sie waren der Schrecken jedes protestantischen Gastwirths, denn von dem Augenblicke an wo sie unter sein Dach kamen, aßen und tranken sie Alles weg, ohne zu bezahlen, und verscheuchten durch ihr rohes Bramarbasiren anständigere Gäste von seiner Thür.[7]
[7.] King, III. 2. Ich kann nicht finden, daß Karl Leslie, ein eifriger Vertheidiger der andren Partei, in seiner Antwort an King, einer dieser Thatsachen widersprochen hätte. Er verwirft sogar selbst Tyrconnel’s Verwaltung. „Ich wünsche einem Einwurfe zu begegnen, der sicherlich erhoben werden wird, daß ich nämlich Alles was Lord Tyrconnel und andere Minister Jakob’s, besonders vor dieser Revolution, gethan haben und was mehr als irgend etwas Andres dieselbe hervorgerufen hat, völlig rechtfertigen wolle. Nein, davon bin ich weit entfernt. Ich bin überzeugt, daß ihr Verfahren in vielen Punkten den Feinden König Jakob’s gegründetere Ursache zu klagen gab als alle anderen seiner Regierung zur Last gelegten Verwaltungsfehler.“ Leslie’s Answer to King, 1692.
Gegenseitige Feindschaft zwischen den Engländern und Iren. [So] war der Zustand Irland’s, als der Prinz von Oranien bei Torbay landete. Von diesem Augenblicke an, brachte jedes in Dublin anlangende Packetboot Nachrichten mit, welche die gegenseitige Furcht und Abneigung der feindlichen Stämme nur vermehren konnten. Sowohl der Colonist, der, nachdem er lange die Macht besessen und gemißbraucht, jetzt für einen Augenblick die Bitterkeit der Knechtschaft gekostet hatte, als auch der Eingeborne, der, nachdem er den bitteren Kelch der Knechtschaft bis zur Hefe geleert, endlich auf einen Augenblick die Macht besessen und gemißbraucht hatte, erkannten Beide, daß eine wichtige Krisis, eine Krisis wie die von 1641, bevorstehe. Die Mehrheit erwartete mit Ungeduld, in Tyrconnel einen Phelim O’Neil wieder erstehen zu sehen; die Minderheit erblickte in Wilhelm einen zweiten Oliver.
Auf welcher Seite der erste Schlag erfolgte, dies war eine Frage, über welche Wilhelmiten und Jakobiten nachher mit viel Schärfe debattirten. Doch keine Frage konnte gleichgültiger sein. Die Geschichte muß beiden Parteien die Gerechtigkeit widerfahren lassen, die keine von beiden der andren jemals zugestanden, und muß zugeben, daß beide triftige Beschwerden und heftige Provocationen zu ihrer Rechtfertigung anführen konnten. Beide waren durch ein Geschick, für welches keine von beiden verantwortlich war, in eine Lage versetzt worden, daß sie einander, da die menschliche Natur nun einmal so und nicht anders geschaffen ist, nothwendig als Feinde betrachten mußten. Drei Jahre lang hatte die Regierung, die sie hätte versöhnen können, systematisch Alles aufgeboten, ihre Feindschaft zu einer rasenden Wuth zu entflammen. Es war jetzt unmöglich, in Irland eine gerechte und wohlthätige Regierung herzustellen, eine Regierung, die keinen Racen- oder Sectenunterschied kannte, eine Regierung, welche die den neuen Grundeigenthümern durch das Gesetz gewährleisteten Rechte streng respectirte, zu gleicher Zeit aber durch eine vernünftige Liberalität das Mißgeschick der vorigen Gentry linderte. Eine solche Regierung hätte Jakob zur Zeit seiner Macht einsetzen können. Aber die günstige Gelegenheit war vorbei, ein gütlicher Vergleich war nicht mehr möglich, die beiden erbitterten Kasten waren gleichermaßen von der Nothwendigkeit überzeugt, daß sie entweder unterdrücken, oder unterdrückt werden müßten, und daß nur in Sieg, Rache und Herrschaft ihr Heil zu finden sei. Nur darin stimmten sie überein, daß sie jeden Vermittler, der es versuchen wollte, sie mit einander zu versöhnen, zurückwiesen.
Panischer Schrecken unter den Engländern. [Seit] einigen Wochen waren Excesse, Insulten, schlimme Gerüchte und panische Schrecken, die natürlichen Vorläufer des herannahenden furchtbaren Zusammenstoßes, an der Tagesordnung. Durch die ganze Insel verbreitete sich das Gerücht, daß am 9. December eine allgemeine Niedermetzelung der Engländer stattfinden solle. Tyrconnel ließ die vornehmsten Protestanten Dublin’s in’s Schloß kommen und rief in seiner gewohnten kräftigen Redeweise die ganze Rache des Himmels auf sich herab, wenn jenes Gerücht nicht eine verfluchte, niederträchtige Lüge wäre. Aus Wuth darüber, daß seine Flüche nicht die erwartete Wirkung hervorriefen, soll er seinen Hut und seine Perrücke vom Kopfe gerissen und ins Feuer geworfen haben.[8] Aber man kannte den lügenhaften Dick Talbot so genau, daß seine Verwünschungen und Gestikulationen die Besorgniß, die sie vermindern wollten, nur noch vermehrten. Seit Clarendon’s Zurückberufung hatte fortwährend eine starke Auswanderung ängstlicher und friedliebender Leute aus den irischen Häfen nach England stattgefunden. Diese Auswanderung nahm jetzt zu. Es war nicht leicht, auf einem gutgebauten und bequemen Schiffe einen Platz zu erlangen. Aber viele Leute, deren Muth das Übermaß der Furcht bis zur Kühnheit steigerte, wollten sich lieber Wind und Wellen als den erbitterten Iren anvertrauen und setzten sich daher allen Gefahren einer Seereise über den St. Georgskanal und die Küste von Wales entlang in offenen Fahrzeugen und mitten im Winter aus. Die zurückbleibenden Engländer begannen sich in fast jeder Grafschaft eng aneinander anzuschließen. Jedes große Landhaus wurde eine Festung. Jeder, der nach Einbruch der Dunkelheit Einlaß begehrte, wurde durch ein Schießloch oder durch ein verrammeltes Fenster angerufen und wenn er ohne Parole und Erklärungen einzudringen versuchte, ward ihm eine Blunderbüchse vorgehalten. In der gefürchteten Nacht des 9. Decembers gab es von der Riesen-Chaussee bis zur Bantry-Bay kaum ein protestantisches Landhaus, in welchem vom frühen Untergang bis zum späten Aufgang der Sonne nicht bewaffnete Männer gewacht und Lichter gebrannt hätten.[9]
[8.] A True and Impartial Account of the most material Passages in Ireland since December 1688, by a Gentleman who was an Eyewitness; licensed July 22, 1689.
[9.] A True and Impartial Account etc. 1689; Leslie’s Answer to King, 1692.
Geschichte der Stadt Kenmare. [Über] die damaligen Vorgänge in einem Districte ist ein ausführlicher Bericht auf uns gekommen, nach dem man sich ein Bild von dem allgemeinen Zustande des Königreichs machen kann. Der südwestliche Theil von Kerry ist jetzt als die schönste Gegend der britischen Inseln bekannt. Die Berge, die Schluchten, die sich weit ins Meer hinaus erstreckenden Vorgebirge, die Felsen, auf denen Adler horsten, die Bäche, welche von den Gebirgspässen herniederrauschen, die Seen, von dichten Wäldern umsäumt, in denen das Hochwild Schutz findet, ziehen jeden Sommer Schaaren von Touristen herbei, welche des Treibens und der Vergnügungen der großen Städte überdrüssig sind. Die Schönheiten dieses Landes werden zwar nur zu häufig durch Nebel und Regen verschleiert, welche der Westwind von dem unermeßlichen Ocean herbeiführt. An den seltenen Tagen aber wo die Sonne in ihrem vollen Glanze strahlt, zeigt die Landschaft eine Frische und eine Wärme des Colorits, die man in unseren Breitengraden selten findet. Die Myrthe liebt den Boden, der Erdbeerbaum gedeiht hier besser als selbst an den sonnigen Gestaden Calabrien’s.[10] Die Wiesen haben eine saftigere Färbung als anderwärts, die Hügel erglühen in prächtigerem Purpur, die Blätter der Stechpalme und des Epheus zeigen einen höheren Glanz, und Beeren von feurigerem Roth schimmern durch Laub von schönerem Grün. Aber während der größeren Hälfte des 17. Jahrhunderts war dieses Paradies der civilisirten Welt noch so wenig bekannt wie Spitzbergen oder Grönland. Wenn es ja einmal erwähnt wurde, sprach man davon als von einer traurigen Wüste, einem Chaos von Sümpfen, Dickichten und Abgründen, wo die Wölfe noch hausten und wo einige halbnackte Wilde, die kein Wort Englisch sprachen, sich unterirdische Baue in den Schlamm gruben und von Wurzeln und saurer Milch lebten.[11]