[79.] Avaux, 17.(27.) April 1689. Die Geschichte dieses sonderbaren Planwechsels ist in Life of James, II. 330—332. Orig Mem. ganz unrichtig erzählt.

[80.] Life of James, II. 334, 335. Orig. Mem.

[81.] Memoiren Saint-Simon’s. Einige englische Schriftsteller sind der irrigen Meinung, Rosen sei damals schon Marschall von Frankreich gewesen. Dies wurde er erst 1703. Er war lange Maréchal de Camp gewesen, was etwas ganz Andres ist, und war kürzlich zum Generalleutnant befördert worden.

Der Fall Londonderry’s erwartet. [Man] erwartete im Lager allgemein, daß Londonderry ohne Schwertstreich fallen werde. Rosen prophezeite mit großer Zuversicht, der bloße Anblick der irischen Armee werde die Besatzung zur Übergabe bestimmen. Richard Hamilton aber, der den Character der Colonisten besser kannte, hatte schlimme Ahnungen. Eines wichtigen Bundesgenossen innerhalb der Mauern der Stadt waren die Belagerer gewiß. Der Gouverneur Lundy bekannte sich zwar zum protestantischen Glauben und hatte an der Proklamirung Wilhelm’s und Mariens Theil genommen, aber er stand in geheimer Communication mit den Feinden seiner Kirche und der Souveraine, denen er Treue geschworen. Einige haben vermuthet, daß er ein verkappter Jakobit gewesen sei, und sich die Revolution nur deshalb zum Schein habe gefallen lassen, um desto leichter eine Restauration herbeiführen zu helfen, doch ist es wahrscheinlich, daß sein Verhalten eher der Zaghaftigkeit und Geistesarmuth als dem Eifer für irgend eine öffentliche Sache zuzuschreiben ist. Er scheint den Widerstand für hoffnungslos gehalten zu haben, und in der That mußten die Vertheidigungsmittel Londonderry’s einem militärischen Auge kläglich vorkommen. Die Festungswerke bestanden aus einem mit Gras und Unkraut bewachsenen einfachen Walle; selbst vor den Thoren war kein Graben; die Zugbrücken waren seit langer Zeit vernachlässigt, die Ketten waren verrostet und kaum noch zu gebrauchen; die Brustwehren und Thürme waren nach einem Systeme erbaut, das Schülern Vauban’s wohl ein Lächeln abzwingen konnte, und diese schwachen Vertheidigungswerke waren fast auf jeder Seite von Anhöhen beherrscht. Die Erbauer der Stadt hatten allerdings nie daran gedacht, daß sie eine regelmäßige Belagerung auszuhalten haben würde, und hatten sich damit begnügt, Werke anzulegen, welche hinreichten, die Einwohner gegen einen tumultuarischen Angriff der celtischen Bauern zu schützen. Avaux versicherte Louvois, daß ein einziges französisches Bataillon solche Vertheidigungswerke leicht erstürmen werde. Und selbst wenn der Platz trotz aller dieser Nachtheile im Stande sein sollte, eine Armee zurückzuschlagen, welche von der Kenntniß und Erfahrung von Generälen, die unter Condé und Turenne gedient hatten, geführt würde, so müsse doch der Hunger den Kampf bald beendigen. Die Lebensmittelvorräthe seien gering und die Bevölkerung sei durch eine Menge von Colonisten, welche vor der Wuth der Eingebornen geflohen, um das Sieben- bis Achtfache der gewöhnlichen Zahl vermehrt worden.[82]

Lundy scheint daher von dem Augenblicke an, wo die irische Armee in Ulster einrückte, jeden Gedanken an einen ernsthaften Widerstand aufgegeben zu haben. Er sprach in einem so verzagten Tone, daß die Bürger und seine eignen Soldaten gegen ihn murrten. Er scheine es, sagten sie, darauf abgesehen zu haben, sie zu entmuthigen. Inzwischen rückte der Feind mit jedem Tage näher heran, und man erfuhr, daß Jakob selbst das Commando seiner Truppen zu übernehmen gedenke.

[82.] Avaux, 4.(14.) April 1689. Unter den Manuscripten im britischen Museum befindet sich ein interessanter Bericht über die Vertheidigungsmittel Londonderry’s, der 1705 von einem französischen Ingenieur, Namens Thomas, für den Herzog von Ormond abgefaßt wurde.

Es kommt Succurs aus England. [Gerade] in diesem Augenblicke zeigte sich ein Schimmer von Hoffnung. Am 14. April gingen englische Schiffe in der Bai vor Anker. Sie hatten zwei Regimenter an Bord, welche unter den Befehlen eines Obersten, Namens Cunningham, zur Verstärkung der Garnison abgesandt worden waren. Cunningham und mehrere von seinen Offizieren kamen ans Land, um sich mit Lundy zu besprechen. Dieser rieth ihnen davon ab, ihre Mannschaften landen zu lassen, indem die Stadt sich nicht halten könne. Noch mehr Truppen hineinzuwerfen, würde daher schlimmer als nutzlos sein, denn je zahlreicher die Besatzung sei, um so mehr Gefangene würden dem Feinde in die Hände fallen. Die beiden Regimenter könnten nichts besseres thun als nach England zurückzukehren. Er gedenke, sagte er, heimlich auf und davon zu gehen, und die Einwohner müßten dann zusehen, wie sie unter möglichst vortheilhaften Bedingungen kapituliren könnten.

Verrätherei Lundy’s. [Er] ließ sich die Formalität eines Kriegsraths gefallen, von dem er aber alle diejenigen Offiziere ausschloß, deren Gesinnungen er als von den seinigen abweichend kannte. Einige, die sonst immer zu solchen Berathungen gezogen worden waren und die deshalb jetzt unaufgefordert kamen, wurden aus dem Zimmer gewiesen. Was der Gouverneur sagte, wurde von seinen Creaturen bestätigt. Cunningham und seine Kameraden durften es kaum wagen, ihre Ansicht der eines Mannes entgegenzusetzen, der natürlich viel bessere Lokalkenntniß hatte als sie und dem sie überdies zu gehorchen angewiesen waren. Einer der wackeren Soldaten erhob jedoch Einwürfe. „Bedenken Sie,“ sagte er, „Londonderry aufgeben heißt Irland aufgeben.“ Aber seine Einwendungen wurden mit Verachtung zurückgewiesen.[83] Der Kriegsrath ging auseinander, Cunningham kehrte mit seinen Offizieren auf die Schiffe zurück und traf Anstalten zur Abreise. Unterdessen schickte Lundy heimlich einen Boten ins Hauptquartier des Feindes, mit der Versicherung, daß die Stadt auf die erste Aufforderung ohne Kampf übergeben werden würde.

[83.] Commons’ Journals, Aug. 12. 1689.

Die Bewohner von Londonderry beschließen sich zu vertheidigen. [Sobald] aber das was im Kriegsrathe vorgegangen, in der Stadt ruchbar wurde, empörte sich der Geist der Soldaten und Bürger gegen den feigen und treulosen Anführer, der sie verrathen hatte. Viele von seinen eigenen Offizieren erklärten, daß sie sich nicht länger für verpflichtet hielten, ihm zu gehorchen. Drohende Stimmen ließen sich vernehmen, bald daß ihm der Hirnschädel eingeschlagen, bald daß er auf den Wällen der Stadt aufgehängt werden solle. Es wurde eine Deputation an Cunningham abgesandt, um ihn flehentlich zu bitten, das Commando der Stadt zu übernehmen. Er entschuldigte sich jedoch mit dem plausiblen Grunde, daß er Ordre habe, in allen Stücken den Befehlen des Gouverneurs Folge zu leisten.[84] Inzwischen ging das Gerücht, daß Einer nach dem Andren von Lundy’s Vertrauten sich aus der Stadt stehle. Am Abend des 17. fand man, daß lange nach Einbruch der Dämmerung die Thore noch offen und die Schlüssel verschwunden waren. Die Offiziere, welche diese Entdeckung machten, nahmen es auf sich, die Parole zu ändern und die Wachen zu verstärken. Die Nacht ging jedoch ohne einen Angriff vorüber.[85]