[88.] Es entspann sich nachher ein müßiger Streit über die Frage, ob Walker wirklich Gouverneur gewesen sei oder nicht. Mir scheint es vollkommen unzweifelhaft, daß er es war.

[89.] Mackenzie’s Narrative; Funeral Sermon on Bishop Hopkins, 1690.

[90.] Walker’s True Account, 1689. Siehe auch The Apology for the True Account und The Vindication of the True Account, beide in dem nämlichen Jahre erschienen. Ich habe diesen Mann mit dem Namen bezeichnet, unter welchem er in Irland bekannt war. Sein wirkliche Name aber war Houstoun. Er wird häufig in dem wunderlichen Buche, betitelt: Faithful Contendings Displayed, erwähnt.

[91.] A View of the Danger and Folly of being publicspirited, by William Hamill, 1721.

[92.] Siehe Walker’s True Account und Mackenzie’s Narrative.

Londonderry belagert. [Die] Operationen begannen nun ernstlich. Die Belagerer fingen damit an, daß sie die Stadt beschossen, und bald brannte sie an mehreren Stellen. Dächer und obere Stockwerke stürzten ein und erschlugen die Hausbewohner. Eine kurze Zeit lang schien die Besatzung, von der Viele noch niemals die Wirkung eines Bombardements gesehen, durch das Gekrach der einstürzenden Schornsteine und durch den Anblick der mit entstellten Leichnamen vermischten Trümmerhaufen entmuthigt zu werden. Aber das Vertrautwerden mit Gefahr und Greueln brachte binnen wenigen Stunden die natürliche Wirkung hervor. Der Muth des Volks steigerte sich bis zu einem solchen Grade, daß seine Anführer es für zweckmäßig hielten, die Offensive zu ergreifen. Am 21. April wurde unter Murray’s Commando ein Ausfall gemacht. Die Irländer hielten ihrerseits entschlossen Stand und es kam zu einem heftigen und blutigen Kampfe. Maumont eilte an der Spitze eines Reitertrupps nach der Stelle, wo das Gefecht wüthete. Eine Flintenkugel traf ihn am Kopfe und streckte ihn todt nieder. Die Belagerer verloren außerdem noch mehrere andere Offiziere und ungefähr zweihundert Mann, bevor es gelang, die Colonisten in die Stadt zurückzuwerfen. Murray entkam mit knapper Noth. Sein Pferd war ihm unter dem Leibe getödtet worden und er war von Feinden umringt, aber er vertheidigte sich noch so lange gegen dieselben, bis einige von seinen Freunden, mit dem greisen Walker an der Spitze, aus dem Thore heraus stürzten und ihn befreiten.[93]

Da Maumont gefallen war, übernahm Hamilton wieder das Commando der irischen Armee. Seine Thaten als Befehlshaber trugen keineswegs zur Erhöhung seines Ruhmes bei. Er war ein eleganter Cavalier und ein tapferer Soldat, aber auf den Titel eines großen Feldherrn konnte er keinen Anspruch machen; auch hatte er noch nie in seinem Leben eine Belagerung gesehen.[94] Pusignan besaß mehr Kenntniß und Energie, aber er überlebte Maumont um wenig mehr als vierzehn Tage. Am 6. Mai um vier Uhr Morgens unternahm die Besatzung einen zweiten Ausfall, eroberte mehrere Fahnen und tödtete viele von den Belagerern. Pusignan, welcher tapfer focht, wurde durch den Leib geschossen; die Wunde war von der Art, daß ein geschickter Chirurg sie wohl hätte heilen können; aber einen solchen gab es im irischen Lager nicht und die Verbindung mit Dublin war langwierig und unregelmäßig. So starb der Unglückliche unter bitteren Klagen über die rohe Unwissenheit und Nachlässigkeit, die seine Tage abgekürzt hatten. Ein Arzt, der expreß aus der Hauptstadt abgesandt worden, traf erst nach der Beerdigung ein. Wahrscheinlich in Folge dieses beklagenswerthen Unglücks richtete Jakob eine tägliche Postverbindung zwischen dem Schlosse von Dublin und Hamilton’s Hauptquartier ein. Doch selbst auf diese Art wurden die Briefe nicht rasch befördert, denn die Couriere gingen zu Fuß und machten, wahrscheinlich aus Furcht vor den Enniskillenern, einen Umweg von einem Militärposten zum andren.[95]

Der Mai verging, der Juni kam heran, und Londonderry hielt sich noch immer. Es hatten viele Ausfälle und Scharmützel mit verschiedenem Erfolge stattgehabt; im Ganzen aber war der Vortheil auf Seiten der Garnison gewesen. Mehrere hohe Offiziere waren als Gefangene in die Stadt gebracht worden, und zwei französische Fahnen, welche den Belagerern nach hartem Kampfe entrissen worden, waren als Trophäen in der Altarstätte der Kathedrale aufgehängt. Es schien nothwendig, die Belagerung in eine Blockade zu verwandeln. Ehe man aber die Hoffnung aufgab, die Stadt durch Waffengewalt zu nehmen, beschloß man noch einen energischen Versuch zu machen. Der zum Sturm ausersehene Punkt war ein Außenwerk, nicht weit vom südlichen Thore, welches der Windmühlenhügel hieß. Religiöse Anfeuerungsmittel wurden angewendet, um den gesunkenen Muth zu beleben. Viele Freiwillige verpflichteten sich eidlich in die Festungswerke einzudringen oder bei dem Versuche umzukommen. Kapitain Buttler, ein Sohn Lord Mountgarret’s, übernahm es, die Eidgenossen zum Angriff zu führen. Die Colonisten waren in drei Reihen auf den Wällen aufgestellt. Die Hinteren hatten nur die Musketen der Vorderen zu laden. Die Irländer rückten kühn und mit einem entsetzlichen Geschrei heran, wurden aber nach einem langen und heißen Kampfe zurückgeschlagen. Im dichtesten Kugelregen sah man die Frauen von Londonderry, ihren Gatten und Brüdern Wasser und Munition reichend. An einer Stelle, wo der Wall nur sieben Fuß hoch war, gelang es Buttler und einigen seiner Eidgenossen, das Plateau zu erreichen; aber sie wurden sämmtlich getödtet oder gefangen genommen. Endlich, nachdem vierhundert Irländer gefallen waren, ließen ihre Anführer zum Rückzug blasen.[96]

[93.] Walker; Mackenzie; Avaux, 26. April (6. Mai) 1689. Unter den Protestanten von Ulster herrscht die traditionelle Meinung, Maumont sei von Murray’s Hand gefallen; allein über diesen Punkt ist der Bericht des französischen Gesandten an seinen Gebieter entscheidend. In der That existiren über die Belagerung von Londonderry fast eben so viele märchenhafte Geschichten wie über die Belagerung von Troja. Die Sage von Murray und Maumont datirt von 1689. In The Royal Voyage, welches Stück in jenem Jahre aufgeführt wurde, wird der Kampf zwischen den beiden Helden in folgenden wohlklingenden Strophen geschildert:

„Sie trafen sich, und auf den ersten Streich