Operationen gegen die Enniskillener. [Drei] Wochen vor dieser Zeit hatte der Herzog von Berwick über eine Abtheilung der Enniskillener einen Vortheil errungen und, nach ihrem eignen Eingeständniß, mehr als funfzig von ihnen getödtet oder gefangen genommen. Sie hofften auf einige Unterstützung von Kirke, an den sie eine Deputation abgesandt hatten, und beharrten noch immer auf der Zurückweisung aller vom Feinde angebotenen Bedingungen. Es wurde daher in Dublin beschlossen, sie von mehreren Seiten zu gleicher Zeit anzugreifen, Macarthy, der für seine in Munster geleisteten Dienste mit dem Titel eines Viscount von Mountcashel belohnt worden war, marschirte von Osten her mit drei Regimentern Infanterie, zwei Regimentern Dragoner und einigen Reitertrupps gegen den Ernesee. Ein andres starkes Truppencorps, das unweit der Mündung des Flusses Drowes lagerte, sollte gleichzeitig vom Westen her vorrücken, und der Herzog von Berwick sollte mit soviel Reitern und Dragonern, als das Belagerungsheer von Londonderry entbehren konnte, von der Nordseite kommen. Die Enniskillener waren über den ganzen Plan, der zu ihrem Verderben angelegt worden, nicht vollständig unterrichtet; aber sie wußten, daß Macarthy mit einer größeren Streitmacht, als sie je in’s Feld stellen konnten, unterwegs war. Ihre Angst wurde einigermaßen gemildert durch die Zurückkunft der Deputation, die sie an Kirke abgeschickt hatten. Kirke konnte keine Soldaten entbehren, aber er sandte ihnen etwas Waffen und Munition nebst einigen erfahrenen Offizieren, unter denen der Oberst Wolseley und der Oberstleutnant Berry die vornehmsten waren. Diese Offiziere sollten zur See um die Küste von Donegal herum und den Ernesee heraufkommen. Am Sonntag, den 29. Juli erfuhr man, daß ihr Boot sich der Insel Enniskillen nähere. Die ganze männliche und weibliche Bevölkerung kam an’s Ufer, um sie zu bewillkommnen. Nur mit Mühe erreichten sie das Schloß durch die sich um sie drängenden Menschenmassen, welche Gott dafür dankten, daß das theure alte England die Engländer nicht ganz vergessen hatte, die im Herzen von Irland seine Sache gegen eine große Übermacht aufrecht erhielten.

Wolseley scheint für seinen Posten in jeder Hinsicht wohlbefähigt gewesen zu sein. Er war ein unerschütterlicher Protestant, hatte sich unter den Leuten von Yorkshire ausgezeichnet, welche für den Prinzen von Oranien und ein freies Parlament aufgestanden waren, und hatte, wenn anders dies auf Wahrheit beruht, seinen Eifer für die Freiheit und den reinen Glauben dadurch bethätigt, daß er den Mayor von Scarborough, der eine Rede zu Gunsten des Königs Jakob gehalten, auf den Marktplatz führen und hier in einem Betttuche tüchtig prellen ließ.[146] Dieser heftige Haß gegen den Papismus war in den Augen der Enniskillener die erste aller Qualificationen für das Commando, und Wolseley hatte deren noch andere und gewichtigere. Obgleich er eine regelmäßige militärische Ausbildung genossen hatte, scheint er doch vorzugsweise zur Führung irregulärer Truppen befähigt gewesen zu sein. Kaum hatte er das Obercommando übernommen, so erhielt er die Nachricht, daß Mountcashel das Schloß Crum belagert habe. Crum war die Grenzfeste der Protestanten von Fermanagh. Die Trümmer der alten Festungswerke gehören jetzt zu den Zierden eines schönen Parks, der auf einem den Ernesee beherrschenden waldigen Vorgebirge angelegt ist. Wolseley beschloß, den belagerten Platz zu entsetzen. Er schickte Berry mit soviel Truppen als augenblicklich aufbrechen konnten, voraus und versprach, baldigst mit einem stärkeren Corps nachzufolgen.

[146.] Bernardi’s Life of Himself, 1787.

Schlacht bei Newton Butler. [Nachdem] Berry einige Meilen weit marschirt war, stieß er auf dreizehn Compagnieen von Macarthy’s Dragonern unter dem Commando Anton Hamilton’s, des Glänzendsten und Gebildetsten von allen seines Namens, aber als Soldat viel weniger glücklich denn als Hofmann, als Liebesheld und als Schriftsteller. Hamilton’s Dragoner ergriffen beim ersten Feuer die Flucht; er wurde schwer verwundet, und sein Nachfolger im Commando wurde todtgeschossen. Macarthy eilte Hamilton sofort zu Hülfe und zu gleicher Zeit kam Wolseley zur Unterstützung Berry’s an. Die beiden feindlichen Armeen standen einander nun gegenüber. Macarthy hatte ungefähr fünftausend Mann und mehrere Geschütze. Die Enniskillener zählten nicht dreitausend Mann, und sie waren so eilig ausgerückt, daß sie nur auf einen Tag Lebensmittel mitgenommen hatten. Es war daher durchaus nothwendig, daß sie entweder sofort losschlugen oder sich zurückzogen. Wolseley beschloß, die Meinung seiner Leute darüber zu hören, und dieser Entschluß, der unter gewöhnlichen Verhältnissen eines Generals höchst unwürdig gewesen wäre, war vollkommen gerechtfertigt durch die eigenthümliche Zusammensetzung und Stimmung der kleinen Armee, welche aus Gentlemen und Freisassen bestand, die nicht um Sold, sondern für ihr Grundeigenthum, ihre Frauen, ihre Kinder und ihren Gott kämpften. Die Mannschaften wurden unter’s Gewehr gerufen und ihnen die Frage vorgelegt: „Vorrücken oder Zurückgehen?“ Die Antwort war der einstimmige Ruf: „Vorrücken!“ Hierauf gab Wolseley das Feldgeschrei: „Kein Papismus“, das mit lautem Beifall begrüßt wurde, und traf dann sofort seine Anstalten zum Angriff. Als er vorrückte, begann der Feind zu seinem großen Erstaunen sich zurückzuziehen. Die Enniskillener wollten ihn mit aller Hast verfolgen, aber ihr Anführer, der eine Schlinge vermuthete, zügelte ihren Eifer und verbot ihnen auf das Bestimmteste, ihre Reihen aufzulösen. So zog sich die eine Armee in guter Ordnung durch das Städtchen Newton Butler zurück und die andre folgte in eben so guter Ordnung. Ungefähr eine Meile jenseit dieser Stadt machten die Irländer Front und Halt. Ihre Stellung war gut gewählt. Sie waren auf einer Anhöhe aufgestellt, an deren Fuße sich ein tiefer Sumpf befand. Eine schmale gepflasterte Hochstraße war der einzige Weg, auf dem die Reiterei der Enniskillener vorgehen konnte, denn zur Rechten und Linken waren Sumpflachen und Torfgruben, welche den Pferden keinen festen Grund darboten. Macarthy postirte seine Kanonen so, daß ihr Feuer diesen Weg bestrich.

Wolseley commandirte seine Infanterie zum Angriff. Sie arbeitete sich durch den Sumpf, gewann wieder festen Boden und warf sich auf die Geschütze. Hier entspann sich nun ein kurzer und verzweifelter Kampf. Die irischen Kanoniere hielten tapfer bei ihren Feldstücken aus, bis sie sämmtlich niedergehauen waren. Jetzt kamen die Enniskillener Reiter, welche nicht mehr Gefahr liefen, durch das Feuer der Artillerie niedergemäht zu werden, rasch den Dammweg herauf. Die irischen Dragoner, welche schon am Morgen Reißaus genommen hatten, wurden abermals von einem panischen Schrecken ergriffen und galoppirten, ohne einen Schlag gethan zu haben, vom Schlachtfelde. Die schwere Reiterei folgte ihrem Beispiele. Das Entsetzen der Fliehenden war so groß, daß viele von ihnen ihre Pferde so lange spornten, bis sie stürzten und dann die Flucht zu Fuß fortsetzten, nachdem sie Carabiner, Säbel und selbst Waffenröcke als beim Laufen hinderlich weggeworfen hatten. Als die Infanterie sich so verlassen sah, warf sie ebenfalls Piken und Gewehre fort und suchte ihr Heil in der Flucht. Die Sieger gaben sich nun der blutdürstigen Wildheit hin, welche gewöhnlich die Bürgerkriege Irland’s befleckt hat. Das Gemetzel war fürchterlich. Nahe an funfzehnhundert der Besiegten wurden niedergemacht. Etwa fünfhundert Andere schlugen, da sie die Gegend nicht kannten, einen Weg ein, der nach dem Ernesee führte. Der See war vor ihnen, der Feind im Rücken; sie sprangen in’s Wasser und ertranken. Macarthy, von seinen Truppen verlassen, stürzte sich mitten unter die Verfolger und war nahe daran, den Tod zu finden, den er suchte. Er war an mehreren Stellen verwundet und zu Boden geschlagen; noch einen Augenblick, und ein Flintenkolben würde ihm das Lebenslicht ausgeblasen haben, wäre er nicht erkannt und gerettet worden. Die Colonisten hatten nur zwanzig Todte und fünfzig Verwundete. Sie machten vierhundert Gefangene und erbeuteten sieben Kanonen, vierzehn Fässer Schießpulver, sowie sämmtliche Trommeln und Fahnen des besiegten Feindes.[147]

[147.] Hamilton’s True Account; Mac Cormick’s Further Account; London Gazette, Aug. 22. 1689; Life of James; Avaux an Ludwig vom 4.(14.) August, und an Lourois von dem nämlichen Datum. Story erwähnt eines Gerüchts, daß der panische Schrecken unter den Irländern durch das Versehen eines Offiziers verursacht worden sei, welcher „Rechts um kehrt Euch!“ (Right about face) anstatt „Augen rechts!“ (Right face) commandirte. Weder Avaux noch Jakob hatten etwas von diesem Versehen erfahren. In der That, die Dragoner, welche das Beispiel der Flucht gegeben hatten, waren nicht gewohnt, erst das Commando zu erwarten, ehe sie einem Feinde den Rücken kehrten. Sie waren schon einmal an dem nämlichen Tage davon gelaufen. Avaux giebt eine sehr einfache Erzählung der Niederlage. „Ces mesmes dragons qui avoient fuy le matin laschèrent le pied avec lout le reste de la cavalerie, sans tirer un coup de pistolet; et ils s’enfuirent tous avec une telle épouvante qu’ils jettèrent mousquetons, pistolets, et espées; et la plupart d’eux, ayant erevé leurs chevaux, se deshabillèrent pour aller plus viste à pied.“

Bestürzung der Irländer. [Die] Schlacht bei Newton Butler wurde an demselben Nachmittage gewonnen, an welchem die durch den Foyle geworfene Barrikade durchbrochen wurde. In Strabane traf die Nachricht die auf dem Rückzuge von Londonderry begriffene celtische Armee. Der Schrecken und die Verwirrung waren groß; die Zelte wurden abgebrochen, ganze Wagenladungen Kriegsvorräthe wurden in den Mourne geworfen, und die entsetzten Irländer flohen unter Zurücklassung vieler Kranker und Verwundeter, die sie der Gnade der siegreichen Protestanten preisgaben, nach Omagh und von da weiter nach Charlemont. Sarsfield, welcher in Sligo commandirte, sah sich gezwungen, diese Stadt aufzugeben, welche alsbald von einer Abtheilung Kirke’scher Truppen besetzt wurde.[148] Dublin war in großer Bestürzung. Jakob ließ Äußerungen fallen, welche seine Absicht verriethen, nach dem Continent zu fliehen. Schlimme Nachrichten stürmten in der That rasch hintereinander auf ihn ein. Fast zu der nämlichen Zeit, als er erfuhr, daß eine seiner Armeen die Belagerung von Londonderry aufgehoben hatte und daß eine andre bei Newton Butler geschlagen worden war, empfing er kaum minder entmuthigende Botschaften aus Schottland.

Es wird jetzt nöthig, den Gang der Ereignisse zu erzählen, denen Schottland seine politische und religiöse Freiheit, seinen Aufschwung und seine Civilisation verdankt.

[148.] Hamilton’s True Account.