Bald nachdem die Clans sich in Lochaber gesammelt hatten, machte Dundee einen Versuch sie zu überreden, daß sie sich der Disciplin einer regulären Armee unterwarfen. Er berief einen Kriegsrath zusammen, um diese Frage zu erörtern. Seine Ansicht wurde von allen denjenigen Offizieren unterstützt, welche aus dem Niederlande zu ihm gestoßen waren. Unter ihnen zeichneten sich Jakob Seton, Earl von Dunfermline, und Jakob Galloway, Lord Dunkeld, aus. Die celtischen Häuptlinge vertraten die entgegengesetzte Meinung. Lochiel, der talentvollste unter ihnen, war ihr Wortführer und verfocht die Sache mit großem Scharfsinn und natürlicher Beredtsamkeit. „Unser System,“ — so lautete der Hauptinhalt seines Raisonnements — „mag nicht das beste sein; aber wir sind von Kindheit auf dazu erzogen worden, wir verstehen es vollkommen und es steht mit unseren eigenthümlichen Institutionen, Gefühlen und Sitten im Einklange. Wenn wir auf unsre Art Krieg führen, so haben wir die Erfahrung und die Kaltblütigkeit von Veteranen. Führen wir auf andre Art Krieg, so werden wir rohe und unbeholfene Rekruten sein. Soldaten aus uns zu machen, wie die eines Cromwell und Turenne waren, dazu würden Jahre gehören, und wir haben nicht Wochen übrig. Wir haben hinreichend Zeit, unsre Disciplin zu verlernen, aber nicht Zeit genug, die eurige zu erlernen.“ Dundee erklärte sich unter großen Schmeicheleien für Lochiel überzeugt, und er war es vielleicht auch, denn die Gründe des verständigen alten Häuptlings waren durchaus nicht ohne Gewicht.[84]

Zwistigkeiten in der hochländischen Armee.

Einige celtische Kriegsgebräuche waren jedoch von der Art, daß Dundee sie nicht dulden konnte. So grausam er auch war, seine Grausamkeit hatte immer eine Methode und einen Zweck. Er hoffte noch immer, daß es ihm gelingen werde, einige neutral gebliebene Häuptlinge zu gewinnen und er vermied daher sorgfältig Alles was sie zu offener Feindseligkeit hätte aufstacheln können. Dies war allerdings ein Verfahren, von dem sich erwarten ließ, daß es dem Interesse Jakob’s förderlich sein würde; aber Jakob’s Interesse war den wilden Räubern, welche einzig und allein zu dem Zwecke ersprießliche Raubzüge unternehmen und alten Groll rächen zu können, seinen Namen gebrauchten und sich um sein Banner schaarten, sehr gleichgültig. Keppoch insbesondere, der die Mackintoshs weit mehr haßte, als er die Stuarts liebte, plünderte das Gebiet seiner Feinde nicht nur, sondern verbrannte auch Alles was er nicht mit fortnehmen konnte. Dundee gerieth beim Anblick der brennenden Wohnungen in heftigen Zorn. „Lieber möchte ich,“ sagte er, „in einem anständigen Regiment die Muskete tragen, als Anführer einer solchen Räuberbande sein.“ Von Bestrafung war natürlich keine Rede. Es darf in der That schon als ein auffallender Beweis von dem Einflusse des Generals angesehen werden, daß der Coll der Kühe es der Mühe werth hielt, sich wegen eines Benehmens zu entschuldigen, um dessentwillen er in einer wohldisciplinirten Armee erschossen worden wäre.[85]

Da die Grants für den König Wilhelm die Waffen ergriffen hatten, so wurde ihr Eigenthum als gute Prise betrachtet. Eine Abtheilung der Camerons fiel in ihr Gebiet ein, es kam zu einem Gefecht, es floß etwas Blut, und eine Menge Vieh wurde in Dundee’s Lager getrieben, wo man Lebensmittel sehr gut brauchen konnte. Dieser Streifzug gab Anlaß zu einem Streite, dessen Geschichte den Character einer Armee von Hochländern im richtigsten Lichte zeigt. Unter Denen, welche im Kampfe mit den Camerons fielen, befand sich ein Macdonald von der Seitenlinie der Glengarries, der lange unter den Grants gelebt hatte, in Gesinnungen und Ansichten ein Grant geworden und beim Aufgebot seines Stammes nicht erschienen war. Obgleich er sich gegen den gälischen Codex der Ehre und Moral schwer vergangen hatte, erinnerten sich doch seine Stammesgenossen der geheiligten Bande, die er vergessen. Mochte er gut oder schlecht sein, er war von ihrem Fleisch und Blut und er hätte daher ihrer Justiz aufgespart werden sollen. Der Name, den er trug, das Blut der Lords von den Inseln hätte ihn schützen sollen. Glengarry begab sich wüthend zu Dundee und verlangte Rache an Lochiel und dem ganzen Geschlecht Cameron. Dundee erwiederte, der unglückliche Gentleman, der gefallen sei, habe den Clan wie auch den König verrathen. Sei es im Kriege wohl erhört, daß die Person eines Feindes, eines unter den Waffen Kämpfenden wegen eines Namens und seiner Abkunft für unantastbar gehalten werden müsse? Und selbst wenn ein Unrecht geschehen sei, wie solle es wieder gut gemacht werden? Die halbe Armee müsse erst die andre Hälfte erschlagen, ehe Lochiel ein Haar gekrümmt werden könne. Glengarry entfernte sich wieder, tobend wie ein Besessener. Da seine Klagen von Denen, die ihm Recht verschaffen sollten, nicht beachtet würden, so wolle er sich selbst Recht verschaffen; er wolle seine Leute aufbieten und mit dem Schwert in der Hand über die Mörder seines Vetters herfallen. Eine Zeit lang wollte er auf keine Vorstellungen hören. Als man ihm zu bedenken gab, daß Lochiel’s Anhänger den Glengarryleuten an Zahl um das Doppelte überlegen seien, rief er aus: „Das thut nichts; ein Glengarry ist soviel werth als zwei Camerons.“ Wäre Lochiel eben so heftig und großsprecherisch gewesen, so ist es wahrscheinlich, daß die hochländische Insurrection der Regierung wenig mehr zu schaffen gemacht und daß die Rebellen ohne viel Aufhebens einander gegenseitig in ihren Wildnissen erschlagen haben würden. Aber die Natur hatte ihm in reichem Maße die Eigenschaften eines Staatsmannes verliehen, obwohl das Schicksal diese Eigenschaften in einem unbekannten Winkel der Erde verborgen hatte. Er sah ein, daß jetzt keine Zeit zur Zwietracht sei; sein Muth war längst anerkannt und sein Temperament verstand er vollkommen zu beherrschen. Glengarry’s Wuth, durch keine neuen Provokationen gereizt, legte sich bald. Allerdings vermutheten Manche, daß er niemals ganz so kampflustig gewesen sei, als er sich gestellt habe und daß er mit seinem Toben nichts weiter beabsichtigt habe, als sein eignes Ansehen in den Augen seiner Anhänger aufrecht zu erhalten. Wie dem auch sein möge, der Streit wurde geschlichtet und die beiden Häuptlinge begrüßten sich mit dem äußeren Schein von Artigkeit an der Tafel des Generals.[86]

Dundee sucht bei Jakob um Unterstützung nach.

Die Erfahrungen, welche Dundee an seinen celtischen Bundesgenossen machte, mußten es ihm wünschenswerth erscheinen lassen, in seiner Armee einige Truppen zu haben, auf deren Gehorsam er sich verlassen konnte und welche nicht auf einen Wink von ihrem Obersten die Waffen gegen ihren General und ihren König kehren würden. In Folge dessen schrieb er während der Monate Mai und Juni mehrere Briefe nach Dublin, worin er dringend um Beistand bat. Wenn sechstausend, viertausend, dreitausend reguläre Soldaten jetzt nach Lochaber geschickt würden, könne Se. Majestät darauf rechnen, daß er bald in Holyrood ein Hoflager halten werde. Daß ein solches Truppencorps entbehrlich war, unterlag kaum einem Zweifel. Jakob’s Autorität war damals in allen Theilen Irland’s anerkannt, außer an den Ufern des Ernesees und hinter den Mauern von Londonderry. Er hatte in diesem Königreiche eine Armee von vierzigtausend Mann. Ein Achtel von dieser Armee wäre dort kaum vermißt worden und hätte in Verbindung mit den aufständischen Clans in Schottland große Dinge ausrichten können.

Die Antworten, welche Dundee auf seine Ansuchen erhielt, berechtigten ihn zu der Hoffnung, daß ihm bald ein starkes und wohlausgerüstetes Corps aus Ulster zugeschickt werden würde. Vor der Ankunft dieser Verstärkungen wollte er nicht das Glück einer Schlacht versuchen.[87] Mackay auf der andren Seite war es müde, in einer Wildniß umherzumarschiren. Seine Leute waren erschöpft und entmuthigt; er hielt es für wünschenswerth, daß sie die Gebirgsgegend verließen, und Wilhelm war der nämlichen Meinung.

Unterbrechung des Kriegs in den Hochlanden.

So wurde im Juni der Bürgerkrieg wie auf Verabredung zwischen den beiderseitigen Generälen völlig eingestellt. Dundee blieb in ungeduldiger Erwartung der Truppen und Zufuhren aus Irland in Lochaber. Es war ihm indessen unmöglich, seine Hochländer in einem Zustande der Unthätigkeit beisammenzuhalten, denn es bedurfte eines großen Gebiets von Sumpf- und Gebirgsland, um eine so zahlreiche Mannschaft zu unterhalten. Die Clans kehrten daher in ihre Schluchten zurück, nachdem sie versprochen hatten, sich auf den ersten Aufruf wieder zu sammeln.

Inzwischen erholten sich die durch harte Strapatzen und Entbehrungen erschöpften Soldaten Mackay’s in Quartieren, welche über das ganze Niederland von Aberdeen bis Stirling zerstreut waren. Mackay selbst war in Edinburg und drang in die dortigen Minister, ihm die Mittel zur Errichtung einer Fortifikationskette in den Grampians zu bewilligen. Die Minister hatten sich, wie es scheint, in ihren militärischen Hülfsmitteln verrechnet. Man hatte erwartet, daß die Campbells eine Streitmacht ins Feld stellen würden, welche hinreichend war, um die ganze Stärke der unter Dundee marschirenden Clans aufzuwiegen. Ebenso hatte man erwartet, daß die westlichen Covenanters sich beeilen würden, die Reihen der Armee König Wilhelm’s zu verstärken. Beide Erwartungen wurden getäuscht. Argyle hatte sein Fürstenthum verwüstet und seinen Stamm entwaffnet und desorganisirt gefunden. Es mußte eine beträchtliche Zeit darüber hingehen, ehe sein Banner von einer Streitmacht umgeben sein würde, wie seine Väter sie in den Kampf geführt hatten.