Die ungerechte Geringschätzung, mit der die schottischen Staatsräthe Mackay betrachteten, verleitete sie zu einem großen Fehler, der leicht ein großes Unglück hätte nach sich ziehen können. Das Cameron’sche Regiment wurde nach Dunkeld in Garnison gelegt. Diese Maßregel mißbilligte Mackay entschieden. Er wußte, daß diese Truppen in Dunkeld dem Feinde nahe, daß sie von jedem Beistande entfernt, daß sie in einer offenen Stadt und von einer feindlichen Bevölkerung umgeben sein würden, daß sie, obgleich unzweifelhaft tapfer und voll Eifers, doch sehr unvollkommen disciplinirt waren, daß sie von der ganzen jakobitischen Partei in Schottland mit besonderem Mißfallen betrachtet wurden und daß aller Wahrscheinlichkeit nach große Anstrengungen gemacht werden würden, sie zu beschimpfen und zu vernichten.[118]
Die Ansicht des Generals wurde nicht beachtet und die Camerons besetzten den ihnen angewiesenen Posten. Es zeigte sich bald, daß seine Ahnungen gegründet waren. Die Bewohner der Umgegend von Dunkeld versahen Cannon mit Kundschaft und drangen in ihn einen kühnen Schlag zu versuchen. Das beutelustige Landvolk von Athol schloß sich in großer Anzahl seiner Armee an. Das Regiment erwartete stündlich angegriffen zu werden, und wurde mißmuthig und unruhig. Die Mannschaften, welche von Natur sowohl wie aus Enthusiasmus unerschrocken, aber noch nicht an militärische Subordination gewöhnt waren, beschwerten sich über Cleland, der sie befehligte. Sie glaubten rücksichtslos, wenn nicht arglistigerweise einem sicheren Untergange entgegengeschickt worden zu sein. Sie seien, meinten sie, durch keine Wälle geschützt, hätten nur geringen Munitionsvorrath und seien von Feinden umgeben. Ein Offizier könne aufsitzen und in einer Stunde außer dem Bereiche der Gefahr sein; der gemeine Soldat aber müsse bleiben und sich niedermachen lassen. „Weder ich,“ sagte Cleland, „noch irgend ein andrer meiner Offiziere wird Euch verlassen, was auch geschehen möge. Führt mein Pferd vor, führt alle unsere Pferde vor, sie sollen todtgeschossen werden.“ Diese Worte bewirkten eine vollständige Sinnesänderung. Die Mannschaften erwiederten darauf, daß die Pferde nicht todtgeschossen werden sollten, daß das Wort ihres tapferen Obersten die beste Bürgschaft für sie sei und daß sie mit ihm das Aeußerste wagen würden. Sie hielten ihr Versprechen treulich. Das puritanische Blut war jetzt gründlich aufgeregt, und was dieses Blut vermochte, wenn es aufgeregt war, hatte es auf vielen Schlachtfeldern bewiesen.
Die Hochländer greifen das Regiment Cameron an.
Das Regiment blieb diese Nacht unter den Waffen, und am Morgen des folgenden Tages, des 21. August, wimmelte es auf allen Anhöhen um Dunkeld von schottischen Mützen und Plaids. Cannon’s Armee war viel stärker als die, welche Dundee befehligt hatte. Mehr als tausend Bagagepferde begleiteten ihn auf dem Marsche. Die Pferde sowohl, wie das Gepäck, welches sie trugen, waren wahrscheinlich ein Theil der Kriegsbeute von Killiecrankie. Die Gesammtmacht der Hochländer wurde von Augenzeugen auf vier bis fünftausend Mann geschätzt. Sie kamen wüthend herangestürmt, warfen die Vorposten des Cameron’schen Regiments zurück und drangen von allen Seiten in die Straßen. Die Kirche hielt sich jedoch hartnäckig. Der größere Theil des Regiments aber stand hinter einer Mauer, welche ein dem Marquis von Athol gehörendes Haus umgab. Diese Mauer, welche einige Tage zuvor mit Holz und losen Steinen eiligst ausgebessert worden war, vertheidigten die Soldaten tapfer mit Muskete, Pike und Hellebarde. Ihr Kugelvorrath war bald erschöpft, aber einige von der Mannschaft mußten das Blei vom Dache des Hauses des Marquis losschneiden und es zu Geschossen formen. Mittlerweile wurden alle benachbarten Häuser von oben bis unten mit Hochländern besetzt, welche aus den Fenstern ein wirksames Feuer unterhielten. Cleland wurde getödtet, während er seine Leute anfeuerte, und Major Henderson übernahm das Commando. In der nächsten Minute fiel auch Henderson, von drei Kugeln getroffen. Hauptmann Munro trat an seine Stelle und der Kampf ward mit unverminderter Wuth fortgesetzt. Eine Abtheilung des Cameron’schen Regiments machte einen Ausfall, steckte die Häuser, aus denen die verderblichen Schüsse kamen, in Brand und verschloß die Thüren. In einem einzigen Hause verbrannten sechzehn Mann lebendig. Theilnehmer an dem Gefecht schilderten es als eine furchtbare Feuertaufe für Rekruten. Die halbe Stadt stand in Flammen und mit dem unaufhörlichen Knattern der Schüsse vermischte sich das durchdringende Geschrei der Unglücklichen, welche im Feuer umkamen. Der Kampf dauerte vier Stunden. Das Cameron’sche Regiment war jetzt fast bis auf das letzte Pulverhorn reducirt, aber der Muth der Leute wankte nicht. „Der Feind wird bald die Mauer erstürmen. Es sei. Wir werden uns dann in das Haus zurückziehen, es bis aufs Aeußerste vertheidigen und, wenn sie hereindringen sollten, es über ihren und unseren Köpfen anzünden.“ Während sie jedoch mit diesen verzweifelten Plänen umgingen, bemerkten sie, daß die Heftigkeit des Angriffs nachließ. Die Hochländer begannen bald zurückzuweichen, es verbreitete sich sichtbare Unordnung unter ihnen und ganze Schaaren marschirten dem Gebirge zu. Umsonst befahl ihnen ihr General zum Angriff zurückzukehren; Beharrlichkeit gehörte nicht zu ihren militärischen Tugenden. Die Camerons luden inzwischen Amalek und Moab mit herausforderndem Geschrei ein zurückzukommen und noch einmal gegen das auserwählte Volk ihr Heil zu versuchen. Aber diese Aufforderungen hatten ebenso wenig Erfolg wie die Cannon’s. In kurzer Zeit war die ganze gälische Armee in vollem Rückzuge gegen Blair. Jetzt wirbelten die Trommeln, die siegreichen Puritaner warfen ihre Mützen in die Luft, stimmten aus einem Munde einen Psalm des Triumphes und des Dankes an und schwenkten ihre Fahnen, welche an diesem Tage zum ersten Male angesichts eines Feindes entrollt wurden, die aber seitdem stolz nach allen Welttheilen getragen worden und die jetzt mit einer Sphinx und einem Drachen, den Emblemen der in Egypten und China vollbrachten Heldenthaten, geschmückt sind.[119]
Auflösung der hochländischen Armee.
Das Cameron’sche Regiment hatte guten Grund, erfreut und dankbar zu sein, denn es hatte dem Kriege ein Ende gemacht. Im Lager der Rebellen herrschte nichts als Uneinigkeit und Entmuthigung. Die Hochländer tadelten Cannon, Cannon tadelte die Hochländer, und das Heer, welches der Schrecken Schottland’s gewesen war, ging rasch seiner Auflösung entgegen. Die verbündeten Häuptlinge unterzeichneten einen gemeinschaftlichen Vertrag, durch den sie sich für treue Unterthanen König Jakob’s erklärten und sich verpflichteten, später wieder zusammenzutreten. Nachdem sie diese Formalität — denn weiter war es nichts — beobachtet hatten, begab sich jeder in seine Heimath. Cannon kehrte mit seinen Irländern auf die Insel Mull zurück, und die Niederländer,[120] welche Dundee ins Gebirge begleitet hatten, sorgten für sich so gut sie konnten. Am 24. August, gerade vier Wochen nachdem die gälische Armee die Schlacht von Killiecrankie gewonnen, hatte diese Armee aufgehört zu existiren. Sie hatte aufgehört zu existiren wie die Armee Montrose’s über vierzig Jahre früher aufhörte zu existiren, nicht in Folge eines vernichtenden Schlages von Außen, sondern durch eine natürliche Auflösung, das Resultat innerer Mißbildung. Die Besiegten ernteten alle Früchte des Sieges. Das Schloß Blair, welches das unmittelbare Streitobject gewesen war, öffnete Mackay seine Thore, und eine Kette von Militärposten, die sich nördlich bis Inverneß erstreckte, schützte die Landleute in der Ebene gegen die räuberischen Einfälle der Gebirgsbewohner.
Intriguen des Clubs, Zustand des Niederlandes.
Während des Herbstes machten die Whigs des Niederlandes der Regierung viel mehr zu schaffen, als die Jakobiten des Hochlandes. Der Club, der zur Zeit der letzten Parlamentssession das Land in eine oligarchische Republik zu verwandeln versucht und die Stände dazu vermocht hatte, Geldzuschüsse zu verweigern und die Justizverwaltung zu sistiren, hielt auch während der Suspension des Parlaments nach wie vor seine Sitzungen und peinigte die Minister der Krone durch systematische Agitation. So verächtlich die Organisation dieses Vereins der Generation erscheinen mag, welche die römischkatholische Association und die Ligue gegen die Korngesetze gesehen hat, damals galt sie für ausgezeichnet und furchtbar. Die Häupter der Verbindung rühmten sich laut, daß sie den König zwingen würden, ihnen gerecht zu werden. Sie brachten Petitionen und Adressen zu Stande, suchten mit Hülfe der Presse und der Kanzel die Waffen aufzuregen, bearbeiteten die Soldaten durch Emissäre und sprachen davon, ein starkes Heer Covenanters aus dem Westen herbeizuziehen, um den Geheimen Rath einzuschüchtern. Trotz aller Kunstgriffe aber legte sich die Gährung des Volks allmälig. Nach kurzem Zaudern wagte es die Regierung, die von den Ständen geschlossenen Gerichtshöfe wieder zu öffnen, die vom König ernannten Sessionslords nahmen ihre Plätze ein, und Sir Jakob Dalrymple präsidirte. Der Club bemühte sich nun, die Advokaten von der Barre zurückzuhalten und hegte einige Hoffnung, daß der Pöbel die Richter von der Bank verjagen werde. Allein es zeigte sich sehr bald deutlich, daß eher Mangel an Gebühren als an Anwälten, um dieselben einzustreichen, zu erwarten stand; das Volk sah sehr gern wieder ein Tribunal fungiren, das in seinen Augen ein nothwendiges Attribut des Ansehens und Gedeihens seiner Stadt war, und aus vielen Anzeichen ließ sich erkennen, daß die falsche und habgierige Partei, welche die Majorität der Legislatur beherrscht hatte, nicht auch die Majorität der Nation beherrschte.[121]
[1] Act. Parl. Scot., Aug. 31. 1689.