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Zwistigkeiten im englischen Parlament[5]
Russell’s Todesurtheil umgestoßen[5]
Umstoßung anderer Verurtheilungen[7]
Das Erkenntniß gegen Samuel Johnson[7]
Das Erkenntniß gegen Devonshire[8]
Das Erkenntniß gegen Oates[8]
Rechtsbill[14]
Streitigkeiten wegen einer Indemnitätsbill[16]
Die letzten Tage Jeffreys’[18]
Die Whigs unzufrieden mit dem Könige[21]
Maßlose Heftigkeit Howe’s[22]
Angriff gegen Caermarthen[22]
Angriff auf Halifax[23]
Vorbereitungen zu einem Feldzuge in Irland[26]
Schomberg[27]
Unterbrechung der Parlamentssitzungen[28]
Zustand Irland’s — Rath Avaux’[28]
Entlassung Melfort’s[32]
Schomberg landet in Ulster[32]
Carrickfergus genommen[32]
Schomberg rückt weiter nach Leinster[33]
Die englische und die irische Armee campiren nahe bei einander[33]
Schomberg lehnt eine Schlacht ab[34]
Betrügereien des englischen Kriegscommissariats[34]
Verschwörung unter den in englischen Diensten stehenden französischen Truppen[36]
Pestilenz in der englischen Armee[36]
Die englische und die irische Armee beziehen ihre Winterquartiere[38]
Verschiedene Meinungen über Schomberg’s Verfahren[39]
Marineangelegenheiten[40]
Torrington’s schlechte Verwaltung[41]
Die festländischen Angelegenheiten[42]
Gefecht bei Walcourt[43]
Anschuldigungen gegen Marlborough[44]
Alexander VIII. folgt Innocenz XI. auf dem päpstlichen Stuhle[45]
Der Klerus der Hochkirche über die Angelegenheit der Eide gespalten[45]
Argumente für Leistung der Eide[46]
Argumente gegen die Eidesleistung[48]
Die große Mehrheit des Klerus leistet die Eide[52]
Die Eidverweigerer[53]
Ken[54]
Leslie[55]
Sherlock[56]
Hickes[57]
Collier[58]
Dodwell[59]
Kettlewell. Fitzwilliam[60]
Allgemeiner Character des eidverweigernden Klerus[61]
Der Comprehensionsplan. Tillotson[64]
Eine kirchliche Commission ernannt[65]
Maßregeln der Commission[66]
Die Convocation der Provinz Canterbury einberufen. Stimmung des Klerus[70]
Die Geistlichkeit unzufrieden mit dem König[70]
Der Klerus durch das Verhalten der schottischen Presbyterianer gegen die Dissenters erbittert[72]
Einrichtung der Convocation[74]
Wahl der Convocationsmitglieder[75]
Verleihung geistlicher Aemter[75]
Compton ist unzufrieden[76]
Zusammentritt der Convocation[77]
Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation überwiegend[78]
Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Häusern der Convocation[79]
Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam[80]
Die Convocation prorogirt[81]

Zwistigkeiten im englischen Parlament.

Vierundzwanzig Stunden vor dem Augenblicke, wo der Krieg in Schottland durch die Niederlage der celtischen Armee bei Dunkeld beendigt wurde, ging das Parlament zu Westminster auseinander. Die beiden Häuser waren seit dem Monat Januar ununterbrochen versammelt gewesen. Die in einen engen Raum eingepferchten Gemeinen hatten viel von der Hitze und Unbehaglichkeit zu leiden gehabt und die Gesundheit manches Mitgliedes war erschüttert worden. Das Ergebniß stand jedoch in keinem Verhältniß zu der gehabten Arbeit. Die letzten drei Monate der Session waren fast ganz mit Streitereien vergeudet worden, welche im Gesetzbuche keine Spur zurückgelassen haben. Das Fortschreiten heilsamer Gesetze war durch Häkeleien bald zwischen den Whigs und Tories, bald zwischen den Lords und den Gemeinen gehemmt worden.

Die Revolution war kaum vollbracht, so zeigte es sich auch schon, daß die Freunde der Ausschließungsbill ihre Leiden während des Uebergewichts ihrer Feinde nicht vergessen hatten und daß sie sowohl Genugthuung erlangen als Rache üben wollten. Schon vor der Wiederbesetzung des Thrones ernannten die Lords einen Ausschuß, um zu untersuchen, was an den grauenvollen Geschichten, welche über den Tod Essex’ circulirten, Wahres sei. Der aus eifrigen Whigs bestehende Ausschuß setzte seine Untersuchungen so lange fort, bis alle vernünftigen Männer die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß er durch seine eigne Hand gefallen war, und bis seine Gattin, seine Brüder und seine intimsten Freunde die Nachforschungen nicht weitergeführt zu sehen wünschten.[1]

Russell’s Todesurtheil umgestoßen.

Das Gedächtniß und die Familien, einiger anderer Opfer, welche dem Bereiche menschlicher Macht entrückt waren, wurden ebenfalls, ohne Opposition von Seiten der Tories, rehabilitirt. Bald nachdem die Convention in ein Parlament verwandelt worden war, wurde den Peers eine Bill zur Umstoßung des Todesurtheils Lord Russell’s vorgelegt, rasch von ihnen angenommen, in’s Unterhaus geschickt und hier mit ungewöhnlichen Zeichen von Bewegung begrüßt. Viele von den Mitgliedern hatten mit Russel in dieser Kammer gesessen. Er hatte darin lange einen Einfluß ausgeübt, ähnlich dem, welchen der wackere und menschenfreundliche Althorpe, dessen sich Leute dieser Generation noch erinnerten, einst ausübte, einen Einfluß, der seinen Grund nicht in überlegener Gewandtheit in der Debatte oder im Vortrage, sondern in einer makellosen Rechtschaffenheit, in einem schlichten gesunden Verstande und in jener Freimüthigkeit, Einfachheit und Gutherzigkeit hatte, welche bei einem durch Geburt und Vermögen hoch über seinen Nebenmenschen stehenden Manne ganz besonders einnehmend und gewinnend sind. Die Whigs hatten in Russell ein Oberhaupt verehrt und seine politischen Gegner hatten zugegeben, daß er, wenn er nicht durch minder achtungswerthe und schlauere Genossen als er irregeleitet würde, ein so braver und gutherziger Gentleman sei wie irgend einer in England. Die männliche Festlichkeit und christliche Ergebung, womit er in den Tod gegangen war, die Trauer seines edlen Hauses, der Schmerz seines der Stütze beraubten Vaters, die vernichtete Zukunft seiner verwaisten Kinder,[2] und vor Allem der Verein von weiblicher Zärtlichkeit und engelgleicher Geduld in der Frau, die dem wackeren Dulder das Theuerste gewesen war, die vor den Schranken des Gerichts mit der Feder in der Hand an seiner Seite gesessen, die düstre Einsamkeit seines Kerkers erheitert und an seinem letzten Tage die Denkwürdigkeit des großen Opfers mit ihm getheilt, hatten die Herzen vieler gerührt, welche sonst nicht gewohnt waren, einen Gegner zu bemitleiden. Daß Russell viele gute Eigenschaften besessen, daß er den besten Willen gehabt hatte und daß man hart gegen ihn verfahren war, wurde jetzt selbst von höfischen Juristen, welche sein Blut hatten vergießen helfen, und von höfischen Theologen zugegeben, welche ihr Möglichstes gethan hatten, um seinen Ruf zu verunglimpfen. Als daher das Pergament, welches sein Todesurtheil annullirte, auf den Tisch der Versammlung gelegt wurde, in der noch vor acht Jahren seine Züge und seine Stimme so wohl bekannt gewesen, war die Aufregung groß. Ein bejahrtes whiggistisches Mitglied versuchte zu sprechen, wurde aber von seinen Gefühlen überwältigt. „Ich kann,“ sagte er, „den Namen Mylord Russell’s nicht aussprechen, ohne tief ergriffen zu werden. Es genügt ihn zu nennen. Mehr vermag ich nicht zu sagen.“ Viele Blicke richteten sich nach der Gegend des Saales, wo Finch saß. Die höchst ehrenwerthe Art und Weise, wie er ein einträgliches Amt niedergelegt, sobald er sich überzeugt hatte, daß er es nicht behalten konnte, ohne das Dispensationsrecht zu unterstützen, und die bedeutende Rolle, die er bei der Vertheidigung der Bischöfe gespielt, hatten viel dazu beigetragen, seine Fehler wieder gut zu machen. Doch an diesem Tage konnte man sich der Erinnerung nicht erwehren, daß er eifrig bemüht gewesen war als Kronanwalt das Urtheil auszuwirken, das jetzt feierlich widerrufen werden sollte. Er erhob sich und versuchte sein Verfahren zu rechtfertigen, aber weder sein juristischer Scharfsinn, noch der fließende und wohlklingende Vortrag, der eine erbliche Gabe in seiner Familie war und dessen sich kein Mitglied seiner Familie in reicherem Maße erfreute als er, halfen ihm bei dieser Gelegenheit etwas. Das Haus war nicht in der Stimmung ihn anzuhören und unterbrach ihn mehrmals mit dem Rufe „zur Ordnung.“ Er sei, sagte man ihm, mit großer Nachsicht behandelt und nicht in Anklagestand versetzt worden. Warum versuche er jetzt, unter dem Vorwande, sich zu rechtfertigen, entehrende Beschuldigungen auf einen berühmten Namen zu werfen und einen Justizmord zu entschuldigen? Er mußte sich wieder setzen, nachdem er erklärt hatte, daß er sich nur von der Anschuldigung habe reinigen wollen, die Grenzen seiner Amtspflicht überschritten zu haben, daß er jede Absicht, das Gedächtniß Lord Russell’s zu verunglimpfen, zurückweise, und daß ihn die Umstoßung des Urtels aufrichtig freuen werde. Ehe das Haus auseinanderging, wurde die Bill noch einmal verlesen, und sie würde auf der Stelle zum dritten Male verlesen und angenommen worden sein, wären nicht einige Zusätze und Auslassungen vorgeschlagen worden, von denen man glaubte, daß sie die Genugthuung vollständiger machen würden. Die Amendements wurden mit großer Eil entworfen, die Lords stimmten denselben bei, und der König gab mit Freuden seine Genehmigung.[3]

Umstoßung anderer Verurtheilungen.

Dieser Bill folgten bald drei andere, welche drei abscheuliche und empörende Todesurtheile annullirten: das Todesurtheil Sidney’s, das Todesurtheil Cornish’s und das Todesurtheil der Alice Lisle.[4]

Das Erkenntniß gegen Samuel Johnson.