Entlassung Melfort’s.
Die Irländer verlangten vom Könige zum Lohn für die energischen Anstrengungen in seinem Interesse ein Zugeständniß, das ihm durchaus nicht angenehm war. Melfort’s Unpopularität hatte in einem solchen Grade zugenommen, daß er kaum noch seines Lebens sicher war, und er besaß keinen Freund, der ein Wort zu seinen Gunsten hätte sprechen können. Die Franzosen haßten ihn. In jedem Briefe, der aus England oder Schottland in Dublin ankam, wurde er als der böse Genius des Hauses Stuart bezeichnet. Es war um seiner selbst willen nothwendig ihn zu entlassen. Man fand einen ehrenvollen Ausweg. Er erhielt Befehl, sich nach Versailles zu begeben, den Stand der Dinge in Irland dort darzulegen und die französische Regierung um schleunige Zusendung eines Hülfscorps von sechs- bis siebentausend Mann gedienter Infanterie zu bitten. Er legte die Siegel nieder und sie wurden zur großen Freude der Irländer den Händen eines Irländers Sir Richard Nagle anvertraut, der sich als Generalfiskal und als Sprecher des Hauses der Gemeinen hervorgethan hatte. Melfort reiste unter dem Schutze der Dunkelheit ab, denn die Wuth des Volks gegen ihn war so groß, daß er sich am Tage nicht ohne Gefahr in den Straßen von Dublin zeigen konnte. Am andren Morgen verließ Jakob seine Hauptstadt in entgegengesetzter Richtung, um Schomberg entgegenzurücken.[55]
Schomberg landet in Ulster.
Schomberg war in Antrim gelandet. Die Streitmacht, die er mitbrachte, überstieg nicht zehntausend Mann. Aber er erwartete, daß die bewaffneten Colonisten und die von Kirke commandirten Regimenter zu ihm stoßen würden. Die Kaffeehauspolitiker von London waren fest überzeugt, daß ein solcher General mit einer solchen Armee die Insel rasch wiedererobern werde. Leider aber zeigte es sich bald, daß die ihm gewährten Mittel für das Werk, das er durchzuführen hatte, bei weitem nicht hinreichten; den größeren Theil dieser Mittel verlor er bald durch eine Reihe unvorhergesehener Unfälle, und der ganze Feldzug war nichts als ein langer Kampf seiner Klugheit und Entschlossenheit gegen die äußerste Tücke des Schicksals.
Carrickfergus genommen.
Er marschirte zuerst nach Carrickfergus. Diese Stadt wurde durch zwei Regimenter Infanterie für König Jakob vertheidigt. Schomberg beschoß die Mauern, und nachdem die Irländer sich eine Woche gehalten hatten, capitulirten sie. Er versprach sie ungehindert abziehen zu lassen; aber es wurde ihm nicht leicht, sein Wort zu halten. Die Bewohner der Stadt und Umgegend waren größtentheils Protestanten schottischer Abkunft. Sie hatten während des kurzen Uebergewichts des eingebornen Stammes viel zu leiden gehabt und brannten vor Begierde, für die erduldeten Leiden Rache zu üben. Sie rotteten sich zu zahlreichen Haufen zusammen und riefen, daß sie sich an die Capitulation nicht kehrten, sondern gerächt sein wollten. Von Worten gingen sie bald zu Schlägen über. Die entwaffneten, ausgezogenen und hin und her gestoßenen Irländer suchten Schutz bei den englischen Offizieren und Soldaten. Mit Mühe gelang es Schomberg, dem Blutvergießen vorzubeugen, indem er mit dem Pistol in der Hand durch die Haufen der wüthenden Colonisten sprengte.[56]
Von Carrickfergus marschirte Schomberg weiter nach Lisburn und von da durch gänzlich verlassene Städte und über Ebenen, auf denen weder eine Kuh, noch ein Schaf, noch ein Getreidefehm zu sehen war, nach Loughbrickland. Hier stießen drei Regimenter Enniskillener zu ihm, deren Kleidung, Pferde und Waffen einem an den Glanz von Revuen gewohnten Auge wunderlich vorkamen, die aber an natürlichem Muthe keinen Truppen der Welt nachstanden und die sich während mehrerer Monate beständigen Wachtdienstes und Scharmützelns viele wesentliche Eigenschaften regulärer Soldaten erworben hatten.[57]
Schomberg rückt weiter nach Leinster.
Schomberg setzte seinen Marsch durch eine Wüste gegen Dublin fort. Die wenigen noch im Süden von Ulster befindlichen irischen Truppen zogen sich vor ihm zurück, indem sie Alles auf ihrem Wege zerstörten. Newry, einst ein hübsch gebauter und wohlhabender protestantischer Flecken, fand er als einen Haufen rauchender Trümmer. Carlingford war ebenfalls zerstört. Die Stelle, wo die Stadt einst gestanden, war nur noch durch die massiven Ruinen des alten normännischen Schlosses bezeichnet. Diejenigen, welche es wagten, Ausflüge aus dem Lager zu machen, berichteten, daß die Gegend, soweit sie dieselbe durchstreift hätten, eine Wildniß sei. Es gäbe wohl Hütten, aber sie seien unbewohnt; es gebe üppige Weiden, aber weder Rinder- noch Schafherden; es gebe Getreidefelder, aber die Ernte liege, vom Regen durchnäßt, auf dem Boden.[58]