[45.] Barillon, 5.(15.), 8.(18.) u. 12.(22.) Dec. 1687; Citters, 29. Nov. (9. Dec.) u. 2.(12.) Dec.
An die Obrigkeiten gerichtete Fragen, und Antworten darauf. [Endlich] wurde die neue Maschinerie in Bewegung gesetzt und bald kam aus allen Gegenden des Landes die Nachricht von der vollständigen und hoffnungslosen Niederlage. Der Katechismus, nach welchem die Lordlieutenants die Gesinnungen der Landgentry erforschen sollten, bestand aus drei Fragen. Jeder Magistratsbeamte und jeder Stellvertreter des Lordlieutenants mußte gefragt werden, erstens ob er, im Fall er gewählt würde, um im Parlamente zu dienen, für eine im Sinne der Indulgenzerklärung gefaßte Bill stimmen wolle; zweitens ob er als Wähler seine Stimme solchen Candidaten geben wolle, die sich verpflichteten, für eine derartige Bill zu stimmen; und drittens ob er als Privatmann die wohlwollenden Zwecke des Königs fördern wolle, indem er mit Leuten jeder religiösen Überzeugung in Frieden lebte.[46]
Sobald diese Fragen bekannt geworden waren, wurde ein mit seltener Geschicklichkeit entworfenes Antwortformular im ganzen Lande verbreitet und allgemein angenommen. Es lautete folgendermaßen: „Im Fall mir die Ehre zu Theil werden sollte, einen Sitz im Hause der Gemeinen einzunehmen, werde ich als Mitglied dieses Hauses es für meine Pflicht halten, die Gründe, welche für und gegen eine Indulgenzbill im Laufe der Debatte geltend gemacht werden, sorgfältig zu erwägen, und dann nach meiner gewissenhaften Überzeugung zu stimmen. Als Wähler werde ich meine Stimme solchen Candidaten geben, deren Begriffe von den Pflichten eines Volksvertreters mit meinen eigenen übereinstimmen. Als Privatmann hege ich den Wunsch, mit Jedermann in Frieden und Eintracht zu leben.“
[46.] Citters, 28. Oct. (7. Nov.) 1687; Lonsdale’s Memoirs.
Scheitern der Pläne des Königs. [Diese] Antwort, die noch viel trotziger war als eine förmliche Weigerung, weil sie einen leichten Anflug von milder und anständiger Ironie hatte, über die man sich nicht wohl gereizt zeigen konnte, war Alles was die Emissäre des Hofes von den meisten Landgentlemen erlangen konnten. Gegenvorstellungen, Versprechungen und Drohungen wurden vergebens angewendet. Der Herzog von Norfolk, obgleich Protestant und mit dem Verfahren der Regierung unzufrieden, hatte sich zu ihrem Werkzeuge in zwei Grafschaften hergegeben. Er begab sich zuerst nach Surrey, wo er aber bald sah, daß er nichts ausrichten konnte.[47] Dann ging er nach Norfolk, von wo er ebenfalls bald zurückkehrte, um dem Könige zu melden, daß ihm von siebzig Gentlemen, welche in dieser großen Provinz öffentliche Ämter bekleideten, nur sechs Hoffnung gemacht hätten, die Politik des Hofes zu unterstützen.[48] Der Herzog von Beaufort, dessen Autorität sich über vier englische Grafschaften und über das ganze Fürstenthum Wales erstreckte, kam mit einem nicht minder niederschlagenden Berichte nach Whitehall.[49] Rochester war Lordlieutenant von Hertfordshire. Sein ganzer kleiner Schatz von Tugend war in dem Kampfe gegen die starke Versuchung, seine Religion für Geld zu verkaufen, aufgezehrt worden; er war noch durch einen Jahrgehalt von viertausend Pfund an den Hof gebunden, und zum Dank dafür war er zu jedem wenn auch noch so ungesetzlichen und erniedrigenden Dienste bereit, vorausgesetzt, daß man nicht die Formalität einer Aussöhnung mit Rom von ihm verlangte. Er hatte sich bereitwilligst der Aufgabe unterzogen, seine Grafschaft zu bearbeiten, und er ging dabei, wie immer, mit übereilter Heftigkeit und Gewaltthätigkeit zu Werke. Aber er verschwendete seinen Eifer vergebens an die starrsinnigen Squires, mit denen er es zu thun hatte. Sie erklärten ihm einstimmig, daß sie keinen Mann ins Parlament schicken wollten, der für die Beseitigung der Schutzwehren des protestantischen Glaubens stimmen würde.[50] Dieselbe Antwort erhielt der Kanzler auch in Buckinghamshire.[51] Die Gentry von Shropshire weigerte sich in einer zu Ludlow veranstalteten Zusammenkunft einhellig, sich durch das von dem Könige verlangte Versprechen zu binden.[52] Der Earl von Yarmouth berichtete aus Wiltshire, daß von sechzig Magistratsbeamten und Statthaltersubstituten, mit denen er gesprochen, nur sieben eine günstige Antwort gegeben hätten und daß man selbst diesen nicht trauen könne.[53] Der Renegat Peterborough richtete eben so wenig in Northamptonshire aus.[54] Nicht glücklicher war sein Genosse Dover in Cambridgeshire.[55] Auch Preston brachte schlechte Nachrichten aus Cumberland und Westmoreland; Dorsetshire und Huntingdonshire waren von dem nämlichen Geiste beseelt. Der Earl von Bath kehrte nach langem Stimmenwerben mit trostlosen Nachrichten aus dem Westen zurück. Er war ermächtigt worden, den Bewohnern dieser Gegenden die verführerischesten Anerbietungen zu machen. Insbesondere hatte er versprochen, daß, wenn die Wünsche des Königs gebührend berücksichtigt würden, der Zinnhandel von den auf ihm lastenden drückenden Beschränkungen befreit werden solle. Aber dieser Köder, dem man zu einer andren Zeit nicht widerstanden haben würde, wurde jetzt mit Verachtung zurückgewiesen. Alle Friedensrichter und Statthaltersubstituten von Devonshire und Cornwall erklärten ohne eine einzige Ausnahme, daß sie Gut und Blut für den König opfern würden, daß aber die protestantische Religion ihnen noch theurer sei als Gut und Blut. „Und,“ setzte Bath hinzu, „wenn Eure Majestät alle diese Gentlemen absetzte, so würden ihre Nachfolger ganz die nämliche Antwort geben“.[56] Wenn es irgend einen Bezirk gab, in welchem die Regierung auf einen günstigen Erfolg hoffen durfte, so war es Lancashire. Man hatte starke Zweifel gehegt, ob das Resultat in dieser Provinz mit dem der meisten anderen Grafschaften übereinstimmen werde. In keinem Theile des Landes gab es so viele reiche und angesehene Familien, welche dem alten Glauben anhingen, und die Oberhäupter vieler dieser Familien waren kraft der Dispensationsgewalt zu Friedensrichtern und Commandanten der Miliz ernannt worden. Doch auch von dort meldete der neue Lordstatthalter, selbst ein Katholik, daß zwei Drittel seiner Substituten und der Magistratsbeamten dem Hofe feindlich gesinnt seien.[57] Noch viel schmerzlicher verletzte das Ergebniß in Hampshire den Stolz des Königs. Arabella Churchill hatte ihm vor mehr als zwanzig Jahren einen Sohn geboren, der späterhin als einer der geschicktesten Generäle Europa’s weit und breit berühmt wurde. Der junge Mann hieß Jakob Fitzjames und bis dahin hatte noch nichts in ihm vermuthen lassen, daß er sich einst zu hoher Auszeichnung emporschwingen würde; aber sein Character und sein Benehmen waren so sanft und herzgewinnend, daß er keinen Feind hatte, außer Marien von Modena, welche den Sohn der Concubine schon seit langer Zeit mit dem bitteren Ingrimm einer kinderlosen Gattin haßte. Ein kleiner Theil der jesuitischen Faction hatte, bevor die Schwangerschaft der Königin angekündigt wurde, ganz ernstlich daran gedacht, ihn als Kronprätendenten neben der Prinzessin von Oranien aufzustellen.[58] Wenn man bedenkt, wie vollständig dem Herzoge von Monmouth, obgleich das niedere Volk ihn für legitim hielt und obgleich er der Vorkämpfer des nationalen Glaubens war, ein ähnlicher Versuch mißlang, so muß es unbegreiflich erscheinen, wie ein Mann durch den Fanatismus so ganz verblendet sein konnte, daß er nur auf die Idee kam, einen jungen Menschen, der allgemein als ein papistischer Bastard bekannt war, auf den Thron erheben zu wollen. Es läßt sich nicht mit Gewißheit sagen, ob der König diesem albernen Plane seinen Beifall zollte. Der junge Mann war übrigens als Prinz anerkannt und wurde mit allen Auszeichnungen überschüttet, welche ein nicht aus königlichem Blute entsprossener Unterthan nur irgend zu erlangen hoffen konnte. Er war zum Herzog von Berwick erhoben worden und bekleidete jetzt mehrere ehrenvolle und einträgliche Stellen, welche Edelleuten, die sich den königlichen Befehlen nicht hatten fügen wollen, abgenommen worden waren. Er war der Nachfolger des Earls von Oxford als Oberst der Blauen und des Earls von Gainsborough als Lordlieutenant von Hampshire, Wildmeister des Neuen Forstes und Gouverneur von Portsmouth. Berwick erwartete, daß ihn an der Grenze von Hampshire, der Sitte gemäß, ein langer Zug von Baronets, Rittern und Squires empfangen werde; aber nicht eine einzige angesehene Person hatte sich zu seiner Begrüßung eingefunden. Er sendete Schreiben aus, durch welche er die Gentry zu sich entbot, aber nur fünf oder sechs beachteten diese Einladung. Die Übrigen warteten ihre Entlassung gar nicht ab; sie erklärten im voraus, daß sie keinen Theil an der Civil- oder Militairverwaltung ihrer Grafschaft haben möchten, so lange der König daselbst durch einen Papisten vertreten sei, und legten ihre Stellen freiwillig nieder.[59]
Sunderland, der an die Stelle des Earls von Northampton zum Lordlieutenant von Warwickshire ernannt worden war, fand eine Ausflucht, um nicht in diese Grafschaft zu gehen und die Entrüstung und Verachtung der dortigen Gentry auf sich zu laden, und seine Entschuldigung wurde um so bereitwilliger angenommen, da der König endlich einzusehen begann, daß sich der Sinn der Landgentry nicht beugen ließ.[60]
Es muß bemerkt werden, daß Diejenigen, welche diesen trotzigen Sinn an den Tag legten, nicht die alten Feinde des Hauses Stuart waren. Die Listen der Friedensrichter und Statthaltersubstituten waren schon längst von allen republikanischen Namen sorgfältig gesäubert. Die Männer, denen die Regierung vergebens das Versprechen der Unterstützung abzuzwingen versucht hatte, waren fast ohne Ausnahme Tories. Die älteren von ihnen konnten noch Narben, welche von den Schwertern der Rundköpfe herrührten, und Empfangsbescheinigungen über Silbergeschirr aufweisen, das sie Karl I. in seiner Noth geschickt hatten. Die Jüngeren hatten gegen Shaftesbury und Monmouth fest zu Jakob gehalten. Dies waren die Männer, welche jetzt von dem nämlichen Fürsten, dem sie so glänzende Beweise von treuer Anhänglichkeit gegeben hatten, in Masse ihrer Ämter entsetzt wurden. Die Entlassung machte sie aber nur noch entschlossener; es war bei ihnen zu einer heiligen Ehrensache geworden, in dieser Krisis fest zusammenzuhalten. Es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn bei der Stimmenzählung ehrlich zu Werke gegangen wurde, nicht ein einziger der Regierungspolitik günstiger Grafschaftsabgeordneter gewählt werden würde. Die Leute fragten einander daher mit nicht geringer Besorgniß, ob man wohl erwarten könne, daß bei der Stimmenzählung ehrlich zu Werke gegangen werden würde.
[47.] Citters, 22. Nov. (2. Dec.) 1687.
[48.] Citters, 27. Dez. (6. Jan.) 1687/88.
[49.] Ibid.