Die Seemacht. [Wenn] aber das Mißtrauen des Parlaments und der Nation es dem Könige unmöglich machten, ein achtunggebietendes stehendes Heer zu unterhalten, so stand ihm kein ähnliches Hinderniß entgegen, England zur ersten Seemacht zu erheben. Whigs und Tories waren gleich bereit, jeden Schritt beifällig aufzunehmen, der darauf hinzielte, eine Macht zu verstärken, welche gegen die bürgerliche Freiheit nichts vermochte, während sie der beste Schutz für die Insel gegen auswärtige Feinde war. Die größten von englischen Soldaten verrichteten Heldenthaten, deren sich die damalige Generation erinnern konnte, waren im Kampfe gegen englische Fürsten ausgeführt worden. Unsere Seeleute dagegen hatten ihre Siege über fremde Feinde erfochten und den vaterländischen Boden vor Verwüstung und Plünderung bewahrt. Der Schlacht von Naseby erinnerte sich mindestens die Hälfte der Nation mit Abscheu, und selbst der von Dunbar nur mit einem Stolze, der nicht frei war von schmerzlichen Gefühlen; an die Niederlage der Armada aber und an die Seeschlachten Blake’s gegen die Holländer und Spanier dachten alle Parteien mit ungetrübter Begeisterung zurück. Seit der Restauration hatten sich die Gemeinen, selbst in Zeiten, wo sie höchst mißvergnügt und geizig waren, stets bis zur Verschwendung freigebig gezeigt, sobald es das Interesse der Seemacht galt. Während Danby Minister war, hatte man ihnen vorgestellt, daß viele Schiffe der königlichen Flotte alt und nicht mehr seetüchtig seien, und obgleich das Haus damals eben nicht in freigebiger Stimmung war, so bewilligte es doch eine Summe von nahe an sechsmalhunderttausend Pfund zum Bau von dreißig neuen Kriegsschiffen.
Die Freigebigkeit der Nation war jedoch durch die Sünden der Regierung fruchtlos gemacht worden. Die Liste der königlichen Kriegsfahrzeuge sah zwar ganz stattlich aus; sie zählte neun Linienschiffe ersten, vierzehn zweiten, neununddreißig dritten Ranges und viele kleinere. Allerdings waren die Linienschiffe erster Größe damals kleiner als in unseren Tagen die des dritten Ranges, und die der dritten Größe würden gegenwärtig nicht mehr für sehr große Fregatten gelten. Dessen ungeachtet würde diese Flotte, wenn sie wirklich vorhanden gewesen wäre, von den größten Machthabern als eine furchtbare betrachtet worden sein. Aber sie existirte nur auf dem Papiere. Gegen das Ende der Regierung Karl’s war seine Flotte in einem so schlechten, verfallenen Zustande, daß man es kaum glauben würde, wäre es nicht durch die ganz von einander unabhängigen und übereinstimmenden Aussagen von Zeugen bestätigt, deren Zuverlässigkeit über jeden Zweifel erhaben ist. Pepys, damals der ausgezeichnetste Admiral Englands, entwarf im Jahre 1684 für den König eine Denkschrift über den Stand seines Verwaltungszweiges. Einige Monate später legte Bonrepaux, der fähigste Kopf in der französischen Admiralität, der eigens zu dem Zwecke nach England gekommen war, um die Stärke seiner Seemacht zu untersuchen, Ludwig das Resultat seiner Nachforschungen vor. Beide Berichte stimmen im Wesentlichen mit einander überein. Bonrepaux erklärte, er habe Alles in Unordnung und in jämmerlichem Zustande gefunden, die Überlegenheit der französischen Seemacht werde in Whitehall mit Beschämung und Neid anerkannt und der Zustand unsrer Marine und unserer Schiffswerften biete schon an sich hinreichende Bürgschaft dafür, daß wir uns in die europäischen Streitigkeiten nicht mischen würden.[20] Pepys berichtete seinem Gebieter, daß die Verwaltung des Seewesens ein beispielloses Gewebe von Geldverschwendung, Bestechung, Unwissenheit und Sorglosigkeit sei, daß man keiner Schätzung trauen dürfe, daß kein Vertrag gehalten, kein Verbot durchgesetzt würde. Die Schiffe, zu deren Bau die kürzliche Freigebigkeit des Parlaments die Regierung in den Stand gesetzt und welche noch nie den Hafen verlassen hatten, waren von so schlechtem Holze gezimmert, daß sie weniger seetüchtig waren als die alten Wracks, welche vor dreißig Jahren durch die Kanonen der Holländer und Spanier zerschossen wurden. Einige von den neuen Kriegsschiffen waren wirklich schon so verfault, daß sie auf ihren Ankerplätzen sinken mußten, wenn sie nicht schleunigst reparirt wurden. Und dabei wurden die Matrosen so unpünktlich bezahlt, daß sie froh waren, wenn sie einen Wucherer fanden, der ihre Soldanweisungen mit vierzig Procent Abzug kaufte. Die Commandanten, welche keine mächtigen Freunde bei Hofe hatten, waren noch schlimmer daran, und mehrere Offiziere, welche bedeutende Rückstände zu fordern hatten, waren, nachdem sie die Regierung viele Jahre hindurch vergebens um Bezahlung angegangen, aus Mangel an einem Stück Brod gestorben.
Die meisten brauchbaren Kriegsschiffe wurden von Männern befehligt, welche nicht für den Seedienst erzogen und gebildet waren. Dies war allerdings kein Mißbrauch, den die Regierung Karl’s eingeführt hatte. Kein alter oder neuer Staat hatte bis dahin den Seedienst streng von dem Landkriegsdienste getrennt. Bei den großen civilisirten Nationen der alten Welt hatten Cimon und Lysander, Pompejus und Agrippa zur See so gut wie zu Lande Schlachten geliefert, und auch der Aufschwung, den die Schifffahrtskunde am Schlusse des fünfzehnten Jahrhunderts nahm, hatte keinen wesentlichen Fortschritt in der Theilung des Dienstes zur Folge gehabt. Bei Flodden wurde der rechte Flügel des siegreichen Heeres von dem englischen Admiral befehligt; bei Jarnac und Moncontour führte der französische Admiral die Reihen der Hugenotten. Weder Johann von Österreich, der Sieger von Lepanto, noch Lord Howard von Effingham, dessen Leitung die britische Seemacht anvertraut war, als die Spanier sich in feindseliger Absicht unseren Küsten näherten, hatte eine seemännische Erziehung genossen. Der als Schiffscommandant so hoch gerühmte und gefeierte Raleigh hatte mehrere Jahre in Frankreich, den Niederlanden und Irland als Soldat gedient. Blake hatte sich durch seine geschickte und tapfere Vertheidigung einer Binnenstadt ausgezeichnet, bevor er den übermüthigen Stolz Hollands und Castiliens zur See beugte. Das nämliche System war auch nach der Restauration noch befolgt worden, man hatte die Führung großer Flotten Ruprecht und Monk übertragen, von denen Ersterer vorzugsweise als ein feuriger und waghalsiger Reiteroffizier bekannt war und Letzterer die Heiterkeit seines Schiffsvolks erregte, wenn er, um die Richtung seines Schiffes verändern zu lassen, „links abgeschwenkt!“ commandirte.
Um diese Zeit aber kamen kluge Männer zu der Einsicht, daß die raschen Fortschritte in der Kriegskunst, wie in der Schifffahrtskunde es nöthig machten, zwischen diesen beiden bisher vermischten Berufsarten eine Scheidelinie zu ziehen. Das Commando eines Regiments sowohl wie eines Schiffes war jetzt eine Beschäftigung, welche die ganze Thätigkeit eines Mannes in Anspruch nahm. Die französische Regierung beschloß daher im Jahre 1672, junge Männer aus guter Familie von früher Jugend an ausschließlich für den Seedienst heranbilden zu lassen. Anstatt aber dieses treffliche Beispiel nachzuahmen, verlieh die englische Regierung nicht nur nach wie vor hohe Schiffscommando’s an Offiziere des Landheeres, sondern wählte dazu sogar solche Leute, denen man auch zu Lande einen wichtigen Posten nicht mit Ruhe hätte übertragen können. Jeder junge Laffe von adeliger Abkunft, jeder sittenlose Höfling, für den eine der Maitressen des Königs ein gutes Wort einlegte, durfte hoffen, daß ein Linienschiff und mit demselben die Ehre des Landes und das Leben von Hunderten wackerer Seeleute seiner Obhut anvertraut werden würde. Daß er in seinem Leben noch keine andre Reise zu Wasser als auf der Themse gemacht, daß er sich bei einem Sturme nicht auf den Füßen erhalten und die Längengrade nicht von den Breitengraden unterscheiden konnte, war Nebensache. Eine vorhergehende Ausbildung für seinen Beruf wurde nicht für nöthig erachtet, oder man schickte ihn höchstens auf kurze Zeit auf ein Kriegsschiff, wo er keiner Disciplin unterworfen, mit ausgezeichneter Achtung behandelt wurde und seine Zeit unter Vergnügungen und Lustbarkeiten hinbrachte. Lernte er in den wenigen Stunden zwischen Schmausen, Trinken und Spielen die Bedeutung einiger technischer Ausdrücke und die Benennungen der Compaßstriche, so war er vollkommen befähigt, um das Commando eines Dreideckers zu übernehmen. Diese Schilderung ist durchaus nicht übertrieben. Im Jahre 1666 diente der siebzehnjährige John Sheffield, Earl von Mulgrave, als Freiwilliger zur See gegen die Holländer. Er brachte sechs Wochen auf seinem Schiffe zu, amüsirte sich nach Möglichkeit in Gesellschaft einiger junger vornehmer Wüstlinge und kehrte dann nach Hause zurück, um das Commando einer Reitertruppe zu übernehmen. Hierauf ging er nicht wieder zur See bis zum Jahre 1672, wo er abermals in die Marine eintrat und fast sogleich zum Kapitain eines Schiffes von vierundachtzig Kanonen, das für das schönste der ganzen Flotte galt, ernannt wurde. Er war damals dreiundzwanzig Jahr alt und hatte im Ganzen keine drei Monate auf der See zugebracht. Sobald er wieder ans Land zurückkam, wurde er zum Obersten eines Infanterieregiments ernannt. Dies ist ein Beispiel von der Art und Weise, wie zur damaligen Zeit die höchsten Befehlshaberposten in der Marine vergeben wurden, und zwar ist es noch ein günstiges Beispiel, denn es fehlte Mulgrave allerdings an Erfahrung, aber wenigstens nicht an Talent und Muth. Auf dieselbe Art wurden jedoch auch Andere befördert, welche nicht nur keine guten Offiziere waren, sondern denen es selbst an der geistigen und sittlichen Befähigung fehlte, jemals gute Offiziere zu werden und deren einzige Empfehlung darin bestand, daß sie sich durch thörichte Verschwendung und Lasterhaftigkeit zu Grunde gerichtet hatten. Der Hauptköder, der diese Leute in den Seedienst lockte, war der Gewinn, den sie durch die Beförderung edler Metalle und anderer werthvoller Waaren von einem Hafen zum andern ziehen konnten, denn das Atlantische wie das Mittelländische Meer wurden damals durch Seeräuber aus der Barbarei so unsicher gemacht, daß die Kaufleute werthvolle Ladungen nicht gern einem anderen als einem Kriegsschiffe anvertrauten. Auf diese Weise verdiente ein Kapitain zuweilen mehrere Tausend Pfund Sterling durch eine kurze Seereise, und über dieses einträgliche Geschäft vernachlässigte er nur zu oft das Interesse seines Landes und die Ehre seiner Flagge, erniedrigte sich fremden Mächten gegenüber, mißachtete die bestimmtesten Befehle seiner Vorgesetzten, lag unthätig in einem Hafen, während er auf einen Seeräuber von Salleh Jagd machen sollte, oder segelte mit einer Geldladung nach Livorno, während seine Instructionen ihn nach Lissabon riefen. Und dies Alles konnte er ungestraft thun. Der nämliche Einfluß, der ihm den Posten, für den er ganz untauglich war, verschafft hatte, erhielt ihn auch auf demselben. Ein Admiral, der von diesen verderbten und leichtsinnigen Palastgünstlingen zum Besten gehalten wurde, wagte es kaum, ihnen schüchtern mit dem Kriegsgericht zu drohen. Zeigte ein Offizier mehr Pflichtgefühl als seine Kameraden, so gelangte er bald zu der Einsicht, daß er dadurch Geld verlor, ohne Ehre zu gewinnen. Zu einem Kapitain, der durch strenge Befolgung der Admiralitätsbefehle sich eine Ladung entgehen ließ, die ihm viertausend Pfund Sterling eingebracht haben würde, sagte Karl mit unedler Leichtfertigkeit, er sei ein rechter Narr, daß er so gewissenhaft gehandelt habe.
Die Disciplin der Flotte war durchgängig in allen Rangverhältnissen gleich. Wie der höfische Kapitain die Admiralität verachtete, so wurde er wieder von seiner Mannschaft verachtet. Es ließ sich nicht verhehlen, daß er in seemännischen Kenntnissen jedem Matrosen an Bord nachstand, und man konnte daher nicht erwarten, daß alte Seeleute, die mit den Stürmen der Tropengegenden und mit den Eisbergen der Polarmeere vertraut waren, einem Vorgesetzten, der von Wind und Wellen nicht mehr wußte, als man auf einer Fahrt in vergoldeter Barke zwischen Whitehall-Stairs und Hampton-Court lernen konnte, pünktlichen und ehrerbietigen Gehorsam leisten sollte. Einem solchen Neuling die Leitung eines Schiffes anzuvertrauen, war geradezu unmöglich. Diese wurde demnach dem Kapitain entzogen und dem ersten Leutnant übertragen; aber diese Theilung der Autorität hatte unzählige Nachtheile in ihrem Gefolge. Eine strenge Grenzlinie war nicht gezogen und konnte vielleicht auch nicht gezogen werden; daher gab es beständig Streit und Zank. Der Kapitain, der um so gebieterischer auftrat, je unwissender er war, behandelte seinen Leutnant mit vornehmer Geringschätzung, und der Leutnant, der wohl wußte, wie gefährlich es für ihn werden konnte, wenn er sich seinen mächtigen Vorgesetzten zum Feinde machte, gab nur zu oft gegen seine Überzeugung nach kurzem Widerstreben nach, und man konnte noch von Glück sagen, wenn Schiff und Mannschaft nicht dabei zu Grunde gingen. In der Regel waren die unschädlichsten unter den hochadeligen Kapitainen diejenigen, welche die Leitung ihres Schiffes ganz und gar anderen Händen überließen und sich nur damit beschäftigten, Geld zu verdienen und zu verschwenden. Diese Herren führten indeß ein so glänzendes und üppiges Leben, daß sie bei all’ ihrer Habgier doch nur selten reich wurden. Sie kleideten sich beständig wie zu einer Galacour in Versailles, speisten von Silbergeschirr, tranken die feinsten Weine und hielten förmliche Harems auf ihren Schiffen, während Hunger und Skorbut unter der Mannschaft wütheten und täglich Leichname über Bord geworfen wurden.
Dies war der gewöhnliche Character derjenigen, welche damals Gentlemen-Kapitaine genannt wurden. Zum Glück für unser Vaterland gab es jedoch unter ihnen auch Schiffscommandeure ganz anderer Art, Männer, die ihr ganzes Leben auf dem Meere zugebracht und sich von der niedrigsten Stufe zu Rang und Auszeichnung emporgearbeitet und gekämpft hatten. Einer der vorzüglichsten von diesen Offizieren war Sir Christoph Mings, der als Kajütenjunge in den Dienst trat, im tapferen Kampfe gegen die Holländer fiel und von seiner Mannschaft unter Thränen und Rachegelübden zu Grabe getragen ward. Von ihm stammten gewissermaßen durch eine eigenthümliche Art von Nachkommenschaft eine Reihe tapferer und erfahrener Seeleute ab. Sein Kajütenjunge war Sir John Narborough, und dessen Kajütenjunge wieder Sir Cloudesley Shovel. Dem ausgezeichneten natürlichen Verstande und dein unerschrockenen Muthe dieser Klasse von Männern ist England zu großem Danke verpflichtet, den es nie vergessen darf. Durch solche energische Charactere wurden trotz schlechter Verwaltung und trotz der Mißgriffe höfischer Admiräle, viel traurige und gefahrvolle Jahre hindurch unsere Küsten beschützt und der gute Ruf unserer Flagge aufrecht erhalten. Dem Nichtseemanne erschienen diese „Theerjacken“, wie man sie nannte, als ein ganz sonderbares und halb wildes Geschlecht. Ihre Kenntnisse beschränkten sich lediglich auf ihren Beruf, und auch diese waren mehr praktischer als theoretischer Art. Außerhalb ihres Elements waren sie einfältig wie Kinder; ihr Benehmen war unbeholfen, selbst in ihrer Treuherzigkeit lag etwas Rauhes und wo ihre Rede nicht mit Seemannsausdrücken durchflochten war, strotzte dieselbe nur zu häufig von Flüchen und Schwüren. Dies waren die Befehlshaber, unter deren strenger Zucht jene rauhen Krieger gebildet wurden, nach denen Smollet im folgenden Jahrhundert den Leutnant Bowling und den Commodore Trunnion zeichnete. Es scheint jedoch unter keinem der Stuarts einen einzigen Flottenoffizier gegeben zu haben, wie er nach den Begriffen unserer Zeit sein soll, das heißt ein Mann, der in der Theorie wie in der Praxis seines Berufs gleich erfahren, gegen alle Gefahren des Kampfes und des Sturmes abgehärtet ist und dabei doch einen gebildeten Geist und feine Manieren besitzt. Es gab in der Flotte Karl’s II. Gentlemen und Seemänner; aber die Seemänner waren keine Gentlemen und die Gentlemen keine Seemänner.
Die englische Seemacht hatte nach den genauesten Schätzungen, welche auf uns gekommen sind, mit einem Aufwande von dreihundertachtzigtausend Pfund jährlich in gutem Zustande erhalten werden können. In Wirklichkeit aber wurden vierhunderttausend Pfund für dieselbe ausgegeben, und mit wie geringem Nutzen, haben wir eben gesehen. Die französische Marine kostete ungefähr eben so viel zu unterhalten, die holländische dagegen bedeutend mehr.[21]
[20.] Ich beziehe mich hier auf eine Depesche von Bonrepaux an Seignelay vom 8—18. Februar 1680. Sie wurde während des Friedens von Amiens für Fox aus den französischen Archiven abgeschrieben und mir nebst anderen Materialien, welche dieser große Mann zusammengetragen hat, durch die Gefälligkeit der verstorbenen Lady Holland und des gegenwärtigen Lord Holland zur Benutzung anvertraut. Ich muß noch bemerken, daß ich selbst inmitten der Unruhen, welche vor kurzem Paris bewegten, keine Schwierigkeiten fand, um durch die Liberalität der dortigen Beamten Auszüge zu erlangen, die einige Lücken in Fox’ Sammlung ausfüllen.
[21.] Meine Angaben über den damaligen Zustand der Marine sind hauptsächlich aus Pepys geschöpft. Der Bericht, den er Karl II. im Mai 1684 vorlegte, ist, wie ich glaube, nie gedruckt worden. Die Handschrift befindet sich im Magdalenen-Collegium zu Cambridge. Ebendaselbst befindet sich auch ein werthvolles Manuscript, das eine ausführliche Abhandlung über das Seewesen des Landes im December 1684 enthält. Pepys’ Memoirs relating to the State of the Royal Navy for Ten Years, determined December 1688, sowie sein Tagebuch und sein Briefwechsel während seines Aufenthalts in Tanger, sind gedruckt, und ich habe diese Schriften vielfach benutzt. Man sehe außerdem Sheffield’s Memoirs, Teonge’s Diary, Aubrey’s Life of Monk, The Life of Sir Cloudesley Shovel, 1708, und Commons’ Journal vom 1. und 20. März 1688—89.
Die Artillerie. [Die] Kosten der britischen Artillerie waren im siebzehnten Jahrhundert im Vergleich mit den Ausgaben für andere Bedürfnisse des Heeres und der Flotte, weit geringer als gegenwärtig. Wohl befanden sich bei allen Besatzungen Geschütze und an diesem und jenem wichtigen Platze auch ein Ingenieur; aber es gab kein besonderes Artillerieregiment, keine Brigade Sappeurs und Mineurs und keine Anstalt, in der junge Leute die wissenschaftliche Seite der Kriegführung lernen konnten. Die Schwierigkeit, Feldstücke zu transportiren, war außerordentlich groß. Als Wilhelm einige Jahre später aus Devonshire nach London marschirte, erregte der Kriegsapparat, den er mit sich führte, obgleich ein solcher auf dem Festlande schon längst in Gebrauch war und derselbe gegenwärtig in Woolwich als roh und schwerfällig gelten würde, bei unseren Vorfahren die nämliche Bewunderung, mit der die Indianer Amerika’s die kastilianischen Büchsen betrachteten. Von dem Pulvervorrathe, welcher damals in den britischen Festungen und Zeughäusern aufbewahrt wurde, sagen patriotische Schriftsteller der damaligen Zeit, daß derselbe den Nachbarvölkern wohl Respect einflößen werde. Er belief sich auf vierzehn- bis fünfzehntausend Fässer, ungefähr ein Zwölftel des Quantums, das man in unseren Tagen immer vorräthig zu halten für nöthig erachtet. Die Ausgaben für die Artillerie betrugen im Durchschnitt etwas über sechzigtausend Pfund jährlich.[22]