Und gehen und kommen wie’s uns gefällt.

Arbeit der Kinder in den Fabriken. [Es] mag hier erwähnt werden, daß der Gebrauch, Kinder frühzeitig zur Arbeit zu verwenden, ein Gebrauch, den der Staat als rechtmäßiger Beschützer Derer, die sich selbst noch nicht beschützen können, in unsrer Zeit mit weiser Menschenfreundlichkeit verboten hat, im siebzehnten Jahrhundert in einer Ausdehnung herrschte, welche bei Vergleichung mit dem Umfange des Fabrikwesens kaum glaublich erscheint. In Norwich, dem Hauptsitze der Tuchmanufactur, wurde ein sechsjähriges Kind schon für arbeitsfähig gehalten. Verschiedene Schriftsteller jener Zeit, darunter manche, die für große Menschenfreunde galten, erwähnen rühmend, daß in dieser Stadt allein Knaben und Mädchen von zartem Alter einen Reichthum erzeugten, der das zu ihrem Lebensunterhalt Erforderliche um zwölftausend Pfund Sterling jährlich übersteige.[175] Je sorgfältiger wir die Geschichte der Vergangenheit prüfen, um so mehr Grund finden wir, von der Meinung Derer abzuweichen, welche glauben, unsre Zeit sei fruchtbar an neuen socialen Übeln gewesen. Die Wahrheit ist, daß diese Übel, mit kaum einer Ausnahme, alt sind. Neu ist nur die Einsicht, welche dieselben erkennt, und die Humanität, die sie beseitigt.

[175.] Chamberlayne’s State of England; Petty’s Political Arithmetic, chap. VIII; Dunning’s Plain and Easy Method; Firmin’s Proposition for the Employing of the Poor. Es muß bemerkt werden, daß Firmin ein ausgezeichneter Philantrop war.

Löhne verschiedener Klassen von Handwerkern. [Wenn] wir von den Tuchwebern zu einer andren Klasse von Arbeitern übergehen, so werden unsere Untersuchungen zu den nämlichen Resultaten führen. Die Commissare des Greenwich-Hospitals zeichneten mehrere Generationen hindurch die Löhne auf, welche verschiedenen bei den Reparaturen des Gebäudes beschäftigten Handwerkern bezahlt wurden. Aus diesen werthvollen Aufzeichnungen ergiebt sich, daß im Laufe von hundertzwanzig Jahren der Tagelohn des Ziegeldeckers von einer halben Krone auf vier Schillinge zehn Pence, der des Maurers von einer halben Krone auf fünf Schillinge drei Pence, der des Zimmermanns von einer halben Krone auf fünf Schillinge fünf Pence, und der des Bleideckers von drei Schillingen auf fünf Schillinge sechs Pence gestiegen ist.

Daraus geht klar hervor, daß die Arbeitslöhne, nach dem Geldbetrage, im Jahre 1685 nur halb so hoch waren als gegenwärtig, und nur wenige für den Arbeiter wichtige Artikel waren 1685 nur halb so theuer als jetzt. Das Bier war allerdings damals viel wohlfeiler als jetzt. Auch das Fleisch war wohlfeiler, aber immer noch so theuer, daß Tausende von Familien kaum den Geschmack desselben kannten.[176] Der Preis des Weizens hat sich wenig geändert. Während der zwölf letzten Regierungsjahre Karl’s II. war der Durchschnittspreis des Quarters funfzig Schillinge. Daher war ein Brod, wie es gegenwärtig die Bewohner eines Zuchthauses bekommen, damals selbst auf dem Tische eines Freisassen oder eines Ladenkrämers eine Seltenheit. Die große Mehrzahl der Nation lebte von Roggen, Gerste und Hafer.

Die Erzeugnisse der tropischen Gegenden, die Erzeugnisse des Bergbaues und die Erzeugnisse des Maschinenwesens waren unzweifelhaft theurer als gegenwärtig. Zu den Bedürfnissen, welche der Arbeiter 1685 theurer bezahlen mußte als seine Nachkommen im Jahre 1848, gehörten unter anderen Zucker, Salz, Kohlen, Lichter, Seife, Schuhe, Strümpfe und überhaupt alle Bekleidungsstücke und alles Bettzeug. Man darf hinzusetzen, daß die Kleider und Bettdecken in früherer Zeit nicht nur theurer, sondern auch weniger haltbar waren als die neueren Fabrikate.

[176.] King veranschlagt in seinen National and Political Conclusions das gemeine Volk Englands auf ungefähr achthundertachtzigtausend Familien. Nur die Hälfte von diesen Familien genoß seiner Aussage nach zweimal wöchentlich animalische Nahrung, die andre Hälfte gar keine, oder höchstens einmal die Woche.

Zahl der Armen. [Man] darf nicht vergessen, daß diejenigen Arbeiter, welche im Stande waren, sich und ihre Familien durch ihrer Hände Arbeit zu ernähren, nicht die bedürftigsten Mitglieder des Gemeinwesens waren. Unter ihnen stand noch eine zahlreiche Klasse, welche ohne fremde Unterstützung nicht leben konnte. Es wird kaum einen besseren Maßstab für die Lage des gemeinen Volks geben als das Verhältniß, in welchem die erwähnte Klasse zu der Einwohnerzahl steht. Aus den amtlichen Armenlisten geht hervor, daß gegenwärtig die Männer, Frauen und Kinder, welche Unterstützung erhalten, in schlechten Jahren ein Zehntel und in guten ein Dreizehntel der Bewohner Englands bilden. Gregor King schätzte sie zu seiner Zeit auf mehr als ein Fünftel; und diese Schätzung, die wir bei aller Achtung vor seiner Autorität kaum anders als übertrieben nennen können, wurde von Davenant für höchst verständig erklärt.

Wir sind nicht ganz ohne die Mittel, um selbst eine Schätzung zu machen. Die Armensteuer war unzweifelhaft die drückendste Abgabe, die zu jener Zeit auf unseren Vorfahren lastete. Sie wurde unter Karl II. auf nahe an siebenhunderttausend Pfund Sterling jährlich berechnet; das war weit mehr als der Ertrag der Accise und Zölle und nicht viel weniger als die Hälfte des Gesammteinkommens der Krone. Die Armensteuer nahm mit reißender Schnelligkeit zu und stieg in kurzer Zeit auf acht- bis neunhunderttausend Pfund, das heißt auf ein Sechstel ihres jetzigen Betrags. Die Einwohnerzahl war damals nur ein Drittel so stark als gegenwärtig. Das Minimum des Arbeitslohnes, in Gelde geschätzt, war die Hälfte von dem was es jetzt ist, und wir dürfen daher kaum annehmen, daß die einem Armen gewährte Unterstützung im Durchschnitt mehr als die Hälfte von dem betrug, was ihm gegenwärtig zu Theil wird. Daraus scheint zu folgen, daß damals ein größerer Theil des englischen Volks Gemeindeunterstützung erhielt als jetzt. Man muß gegen solche Schätzungen immer mißtrauisch sein, jedenfalls aber ist es noch durch nichts bewiesen worden, daß der Pauperismus während des letzten Viertels des siebzehnten Jahrhunderts eine minder drückende Last oder ein kleineres sociales Übel war als er es in unsrer Zeit ist.[177]

In einem Punkte muß man indessen zugestehen, daß der Fortschritt der Civilisation das physische Wohlsein eines Theils der ärmsten Klasse vermindert hat. Es ist schon erwähnt worden, daß viele tausend Quadratmeilen, die jetzt eingehegt und angebaut sind, damals Sumpf, Wald und Heide waren. Von diesem wilden Land war ein großer Theil rechtliches Gemeingut, und vieles von dem, was nicht Gemeingut war, hatte einen so geringen Werth, daß die Eigenthümer es factisch Gemeingut sein ließen. Auf solchen Landstrecken wurden unbefugte Ansiedler in einer jetzt nicht gekannten Ausdehnung geduldet. Der dort wohnende Landmann konnte sich mit wenig oder gar keinen Kosten zuweilen eine schmackhafte Zuspeise zu seiner harten Kost verschaffen und sich für den Winter mit Brennholz versorgen. Auf dem Platze, der gegenwärtig ein Obstgarten mit blühenden Äpfelbäumen ist, hielt er eine Heerde Gänse. Er fing wildes Geflügel auf dem Sumpfe, der jetzt schon längst ausgetrocknet und in Korn- und Rübenfelder abgetheilt ist. Er stach Torf unter den Ginsterbüschen auf dem Moore, der jetzt eine Wiese mit blühendem Klee ist, berühmt durch ihre Butter und ihrem Käse.