[38.] Que sea unido con su reyno, y en todo buena intelligencia con el parlamento. Depesche des Königs von Spanien an Don Pedro Ronquillo vom 16.(26.) März 1685. Diese Depesche ist in den Archiven von Simancas aufbewahrt, welche eine Menge Papiere enthalten, die sich auf englische Angelegenheiten beziehen. Copieen der interessantesten derselben besitzt Herr Guizot, welche er mir geliehen hat. Es macht mir ein besonderes Vergnügen, heute diesen Beweis der Freundschaft eines so großen Mannes erwähnen zu können.

[39.] Wenige englische Leser werden ein tieferes Eingehen in die Geschichte dieses Handels beanspruchen. Übersichten finden sich in Cardinal Bausset’s Leben, Bossuet’s und in Voltaire’s Zeitalter Ludwig’s XIV.

[40.] Burnet, I. 661 und Brief von Rom; Dodd’s Church History, part. VIII, book I, art. 1.

Innerer Kampf Jakob’s II. [In] Jakob’s Seele fand ein heftiger Kampf statt. Man würde ihm Unrecht thun, wollte man glauben, daß ein Abhängigkeitszustand seiner Gemüthsart zugesagt hätte. Er liebte Ansehen und Beschäftigung und besaß einen hohen Begriff von seiner persönlichen Würde, ja es fehlte ihm nicht gänzlich eine Empfindung, welche Ähnlichkeit mit Vaterlandsliebe hatte. Tief quälte ihn der Gedanke, daß das von ihm beherrschte Königreich weit weniger Bedeutung in der Welt habe, als viele Staaten, welche geringere natürliche Vortheile besaßen, und er hörte mit Eifer auf die Rede der fremden Gesandten, wenn sie in ihn drangen, die Würde seines Ranges zu behaupten, sich an die Spitze eines großen Bündnisses zu stellen, der Schutzherr gekränkter Nationen zu werden und den Stolz jener Macht zu demüthigen, welche der Schrecken des Continents war. Solche Ermahnungen erregten in seiner Brust Regungen, wie sie sein leichtfertiger und üppiger Bruder nie gefühlt hatte. Jedoch wurden diese Regungen gar bald durch ein stärkeres Gefühl verdrängt. Eine kräftige, auswärtige Politik setzte natürlich eine versöhnliche innere voraus. Es war nicht denkbar, der Macht Frankreichs entgegentreten und zugleich die Freiheiten Englands angreifen zu wollen. Die ausübende Gewalt war nicht im Stande, ohne den Beistand der Gemeinen etwas Wichtiges zu unternehmen, und dieser Beistand war nur dadurch zu erreichen, daß sie in Übereinstimmung mit der Ansicht des Hauses handelte. So fand Jakob, daß die zwei Dinge, nach denen er vorzugsweise strebte, sich nicht zu gleicher Zeit besitzen ließen.

Schwankungen seiner Politik. [Sein] andrer Wunsch war, im Auslande gefürchtet und geachtet, sein erster aber im eigenen Lande unumschränkter Gebieter zu sein. Zwischen den nicht zu vereinigten Zielpunkten, nach denen sein Sinn strebte, schwankte er lange unentschlossen hin und her. Der Kampf, der ihm am Herzen nagte, gab seinen öffentlichen Handlungen einen seltsamen Anstrich von Unentschlossenheit und Falschheit. Wer ohne nähere Kenntniß der Sache die Irrgänge seiner Politik zu durchschauen versuchte, war nicht im Stande, sich zu erklären, wie derselbe Mann in der nämlichen Woche so hochmüthig und so erniedrigend sich betragen konnte. Selbst Ludwig wurde durch das wunderliche Benehmen eines Bundesgenossen, der in wenigen Stunden von Huldigungen zu Trotz und von Trotz zu Huldigungen überging, aus der Fassung gebracht. Jetzt aber, wo das ganze Verfahren Jakob’s klar vor uns liegt, scheint diese Unschlüssigkeit eine ganz einfache Deutung zuzulassen.

Als Jakob die Regierung antrat, war er in Ungewißheit, ob das Königreich sich gutwillig seiner Gewalt fügen werde. Die Ausschließungsmänner, welche vor kurzer Zeit noch so große Macht besaßen, konnten die Waffen gegen ihn ergreifen, er konnte französisches Geld und französische Truppen sehr nothwendig brauchen müssen, und so ließ er sich bestimmen, einige Tage lang die Rolle eines Schmeichlers und Bettlers zu spielen. Er bat demüthig um Verzeihung, daß er sich erlaubt habe, sein Parlament ohne Genehmigung der französischen Regierung zusammen zu berufen. Er bat dringend um französische Subsidiengelder, vergoß Freudenthränen über die französischen Wechsel und schickte eine außerordentliche Gesandtschaft nach Versailles, welche die Versicherung seiner Dankbarkeit, Ergebenheit und Unterwerfung überbringen sollte. Die Gesandtschaft war jedoch kaum abgegangen, als auch schon seine Gesinnungen sich änderten. Man hatte ihn aller Orten ohne einen einzigen Aufstand, ohne jede aufrührerische Kundgebung zum König ausgerufen, aus jedem Winkel der Insel kamen Nachrichten, daß das Volk ruhig und gehorsam sei, und sein Muth nahm überhand. Das unwürdige Verhältniß, in welchem er zu einer fremden Macht stand, schien ihm jetzt unerträglich, er wurde anmaßend, rechthaberisch, großprahlerisch und streitsüchtig. Er sprach in einem so hohen Tone über die Würde seiner Krone und das Gleichgewicht der Macht, daß sein ganzer Hof nichts Geringeres vermuthete, als eine vollständige Revolution in der auswärtigen Politik des Königreichs. Er gab Churchhill Befehl, eine genaue Darstellung des Ceremoniells in Versailles einzusenden, damit der französische Gesandte zu Whitehall nur dieselben Ehren empfangen möchte, welche der englischen Gesandtschaft am französischen Hofe zu Theil geworden waren. Die Kunde von dieser Sinnesänderung wurde zu Madrid, Wien und im Haag mit großer Freude aufgenommen.[41] Anfänglich fand Ludwig die Sache nur spaßhaft. „Mein guter Bundesgenosse spricht stolz“, sagte er, „aber er hat eben so große Liebe zu meinen Pistolen, wie sein Bruder sie jemals hatte.“ Bald jedoch erregte das veränderte Betragen Jakob’s, und die Erwartungen, welche daraus für die beiden Zweige des Hauses Österreich hervorgingen, ernstere Aufmerksamkeit. Ein interessanter Brief des französischen Königs ist auf unsre Zeiten gekommen, worin derselbe den starken Verdacht ausspricht, daß er betrogen sei, und daß die Summen, welche er nach Westminster gesandt, gegen ihn benutzt werden könnten.[42]

Zu dieser Zeit hatte sich England von der Bestürzung und den Befürchtungen erholt, welche durch den Tod des gutmüthigen Karl hervorgerufen worden waren. Die Tories bekannten offen ihre Anhänglichkeit an den neuen Herrscher und die Whigs wagten nicht, ihren Haß zu zeigen. Die große Masse, welche nicht bleibend einer Partei angehört, sondern heute dem Whiggismus, morgen dem Toryismus huldigt, stand noch immer auf Seiten der Tories. Die Reaction, welche nach der Auflösung des Oxfordparlaments eintrat, hatte ihre Kraft noch nicht erschöpft.

[41.] Berathungen des spanischen Staatsraths am 2.(12.) und 16.(26.) April 1685, in den Archiven von Simancas.

[42.] Ludwig an Barillon vom 22. Mai (1. Juni) 1685; Burnet, I. 623.

Öffentliche Ausübung des katholischen Ritus in Jakob’s Palaste. [Der] König unterwarf die Loyalität seiner protestantischen Freunde sehr bald einer Prüfung. So lange er noch Unterthan war, hatte er die Gewohnheit, die Messe bei verschlossenen Thüren in einer kleinen Kapelle zu hören, welche für seine Gemahlin hergestellt worden; jetzt gab er Befehl, die Thüren zu öffnen, damit Alle, welche in der Absicht ihm ihre Ehrfurcht zu bezeigen nach Hofe kamen, die Ceremonie mit ansehen möchten. Bei der Erhebung der Hostie entstand im Vorzimmer eine heillose Verwirrung. Die Katholiken sanken auf die Knie, die Protestanten verließen das Zimmer. Es wurde bald darauf im Palaste eine neue Kanzel hergestellt, und während der Fastenzeit eine Reihe von Predigten durch katholische Geistliche vorgetragen, zur größten Entrüstung der eifrigen Anhänger der Landeskirche.[43]