Eine Neuerung ernsterer Art folgte. Die Charwoche kam heran, und der König faßte den Entschluß, die Messe mit derselben Pracht zu hören, welche seine Vorgänger zur Schau gestellt hatten, wenn sie sich in die Gotteshäuser der Landeskirche verfügten. Er theilte seine Absicht den drei Mitgliedern des inneren Kabinets mit und beanspruchte ihre Begleitung. Sunderland, bei welchem alle Religionen gleiche Geltung hatten, willigte ohne Weiteres ein; Godolphin als Kammerherr der Königin war daran gewöhnt, derselben den Arm zu bieten wenn sie nach der Kapelle ging, und deshalb trug er kein Bedenken von Amtswegen sich in dem Hause Rimmon’s zu demüthigen. Aber Rochester war in großer Verlegenheit. Sein Einfluß im Lande gründete sich auf die vom Klerus und der Partei der Tories gefaßte Meinung, daß er ein eifriger unbeugsamer Anhänger der Landeskirche sei, und seine Rechtgläubigkeit galt als ein vollkommener Ersatz für Fehler, welche ihn außerdem zum mißliebigsten Manne im Reiche gemacht hätten: für grenzenlosen Hochmuth, übertriebene Heftigkeit und Brutalität.[44] Er hegte die Besorgniß, daß durch Fügsamkeit in das königliche Verlangen er die Achtung seiner Partei verlieren würde. Nach einigen Debatten bekam er die Erlaubniß, die Festtage außerhalb der Hauptstadt zu verleben; alle übrigen hohen Staatsbeamten erhielten die Aufforderung, am Ostersonntag auf ihrem Posten zu sein. Die Gebräuche der römischen Kirche wurden wiederum nach einem Zeitraum von einhundert und siebenundzwanzig Jahren zu Westminster mit königlicher Pracht ausgeübt. Die Garden standen in Parade, die Ritter des Hosenbandes trugen die großen Bänder. Der Herzog von Somerset, unter den weltlichen Großen des Reiches im Range der zweite, hielt das Staatsschwert. Ein langer Zug hoher Lords geleitete den König nach seinem Sitze, doch bemerkte man, daß Ormond und Halifax im Vorzimmer zurückblieben. Noch vor wenigen Jahren hatten sie die Sache Jakob’s muthig gegen einige von Denen beschützt, welche sich jetzt an ihnen vorüberdrängten. Ormond hatte sich bei den Hinopferungen der Katholiken nicht betheiligt, Halifax hatte den Muth gehabt, Stafford für unschuldig zu erklären. Während Diejenigen, welche den Mantel nach dem Winde hingen, einst vorgaben, schon bei dem Gedanken an einen katholischen König sich zu entsetzen, und unbarmherzig das unschuldige Blut eines katholischen Peers vergossen, stießen sie jetzt einander zur Seite, um sich dem katholischen Altar zu nähern. Wohl hatte der vollkommene Trimmer einiges Recht, sich mit geheimem Stolze seines unpopulären Spottnamens zu freuen.[45]
[43.] Clarke’s Life of James de Second, II. 5.; Barillon, 19. Febr. (1. März) 1685; Evelyn’s Diary, March 5. 1684—85.
Und wird von ihm etwas begehrt
So schimpft und flucht er unerhört,
Als wärs ein Löffeldieb, der bei ihm eingekehrt.
Lamentable Lory, a Ballad, 1684.
[45.] Barillon, April 20.(30.) 1685.
Jakob’s Krönung. [Eine] Woche nach dieser Ceremonie brachte Jakob seinen eigenen religiösen Vorurtheilen ein bedeutenderes Opfer, als er jemals von einem seiner protestantischen Unterthanen beansprucht hatte. Er wurde am 23. April, dem Tage des heiligen Schutzpatrons des Reiches gekrönt. Die Abtei und die Halle waren prachtvoll geschmückt, und die Anwesenheit der Königin, umgeben von den Damen der Peers, gab der Festlichkeit einen Glanz, welcher bei der prachtvollen Inauguration des vorigen Königs gefehlt hatte. Diejenigen aber, die sich derselben noch erinnerten, meinten doch, daß der jetzigen Feierlichkeit etwas äußerst Erhebliches mangle. Es war eine alte Sitte, daß der Souverain vor seiner Krönung umgeben von den Herolden, Richtern, Geheimen Räthen, Lords und Großwürdenträgern im glänzenden Zuge vom Tower nach Westminster ritt. Die letzte und prachtvollste dieser Cavalcaden war die, welche sich durch die Hauptstadt bewegte, als die durch die Restauration hervorgerufenen Empfindungen noch in voller Kraft waren. Triumphbögen überragten die Straßen, ganz Cornhill, Cheapside, der St. Paulskirchhof, Fleet Street und der Strand waren mit Schaugerüsten umgeben, und die ganze City eingeladen, das Königthum in der prachtvollsten und feierlichsten Gestalt zu bewundern, in der es sich zeigen kann. Jakob ließ die Kosten berechnen, welche eine solche Procession erfordern würde, und da sich herausstellte, daß dieselben ungefähr die Hälfte der Summe betragen würde, welche er zur Anschaffung von Schmuck für seine Gemahlin bestimmt hatte, so faßte er den Entschluß, da verschwenderisch zu sein, wo Sparsamkeit an ihrem Orte, und geizig, wo Verschwendung zu entschuldigen gewesen wäre. Der Putz der Königin wurde mit hunderttausend Pfund bezahlt, und der Festzug vom Tower unterblieb. Die Thorheit dieses Verfahrens ist einleuchtend. Wenn Prunk im Staatsleben von Vortheil ist, so kann er es nur als Mittel sein, um auf die Phantasie der Menge einzuwirken. Es verräth einen hohen Grad von Beschränktheit, das gemeine Volk von einem glänzenden Schauspiel zurückzuweisen, dessen Zweck eben darin besteht, einen Eindruck auf den großen Haufen zu machen. Jakob hätte eine weit vernünftigere Freigebigkeit und weisere Sparsamkeit gezeigt, wenn er London mit der gewohnten Pracht von Ost nach West durchzogen und die Staatskleider seiner Gemahlin etwas weniger reich mit Perlen und Diamanten hätte besetzen lassen. Seine Nachfolger ahmten übrigens sein Beispiel noch lange Zeit nach, und Geldsummen, welche vernünftig angewendet einem großen Theile des Volkes einen außerordentlichen Genuß verursacht haben würden, verschwendete man zu Schaustellungen, welchen nur drei- bis viertausend bevorzugte Personen beiwohnen durften. Schließlich trat der altehrwürdige Gebrauch wieder ins Leben. An dem Tage, wo die Königin Victoria gekrönt wurde, fand ein Festzug statt, bei welchem zwar nicht wenig Mängel zu bemerken waren, der aber mit theilnehmender Freude von einer halben Million ihrer Unterthanen betrachtet ward, und ohne Zweifel weit größeres Vergnügen machte und höhere Begeisterung hervorrief, als das kostbarere Schauspiel, dessen Zeuge ein auserwählter Kreis im Innern der Abtei war.
Jakob hatte Sancroft den Auftrag ertheilt, das Ritual abzukürzen. Öffentlich führte man als Ursache an, daß der Tag zur Durchführung alles dessen, was zu thun sei, zu kurz wäre, aber wer die Abänderungen, welche getroffen wurden, genauer prüft, wird finden, daß man die Beseitigung einiger, die religiösen Gefühle eines Katholiken verletzenden Dinge beabsichtigte. Der Dienst beim Abendmahl wurde nicht verlesen, die Ceremonie, dem Souverain ein prachtvoll gebundenes Exemplar der englischen Bibel zu überreichen, und ihn zu ermahnen, höher als alle Reichthümer der Erde ein Buch zu schätzen, welches er, als von falschen Lehren entstellt betrachten gelernt hatte — kam in Wegfall. Was aber alle diese Abkürzungen noch übrig ließen, hätte wohl in dem Herzen eines Mannes, welcher überzeugt war, daß die englische Kirche eine ketzerische Genossenschaft sei, in deren Schooße man auf keine Seligkeit zu hoffen habe, Bedenklichkeiten erregen können. Der König legte ein Opfer auf dem Altar nieder, schien in die Bitten der Litanei einzustimmen, welche die Bischöfe absangen, erhielt von den falschen Propheten die eine göttliche Ausgießung darstellende Salbung und sank mit dem Ausdruck der Demuth auf die Knie, während sie den heiligen Geist auf ihn herabriefen, dessen böse und hartnäckige Feinde sie nach seiner Meinung waren. So groß zeigen sich die Widersprüche in der menschlichen Natur, daß dieser Mann, der aus fanatischem Eifer für seinen Glauben drei Königreiche von sich warf, lieber eine Handlung beging, die einer Apostasie sehr ähnlich sah, als daß er das kindische Vergnügen entbehrte, mit dem symbolischen Tand der königlichen Gewalt geschmückt zu werden.[46]