Franz Turner, Bischof von Ely, hielt die Predigt. Er gehörte zu jenen Schriftstellern, welche noch immer den veralteten Styl des Erzbischofs Williams und des Bischofs Andrews nachahmten. Die Predigt bestand aus gezierten Künsteleien, wie sie siebzig Jahre früher Bewunderung hervorgerufen haben würden, die aber den Spott einer Generation erregten, welche an die reinere Beredtsamkeit eines Sprat, South und Tillotson gewöhnt war. König Salomo war König Jakob, Adonia war Monmouth. Joab war ein Roggenhaus-Verschwörer, Simei ein whiggistischer Pasquillant, Ab Jathar ein redlicher, aber der Verführung erlegener Kavalier. Eine Stelle in den Büchern der Chronik wurde dergestalt interpretirt, daß der König über dem Parlament stehe, und eine andre als Beweis citirt, daß blos der König das Recht habe, die Miliz zu commandiren. Am Ende des Vortrags deutete der Prediger äußerst schüchtern auf die neue und schwierige Situation hin, in der sich die Kirche hinsichtlich des Souverains befand, und erinnerte seine Zuhörer, daß Kaiser Constantius Chlorus, obgleich kein Christ, doch diejenigen Christen hoch geachtet, welche ihrer Religion treu blieben, diejenigen aber mit Verachtung behandelt habe, welche sein Wohlwollen durch Abfall zu erwerben suchten. Nach dem Gottesdienste fand ein großes Banket in der Halle statt, dem Banket folgte ein Feuerwerk, und dem Feuerwerke eine Menge schlechte poetische Ergüsse.[47]
[46.] Aus Adda’s Depesche vom 22. Jan. (1. Febr.) 1686 und aus den Worten des Paters d’Orleans (Histoire des Revolutions d’Angleterre liv. XI) geht hervor, daß die strengen Katholiken das Verfahren des Königs für unverantwortlich hielten.
[47.] London Gazette; Gazette de France; Clarke’s Life of James the Second, II. 10; History of the Coronation of King James the Second and Queen Mary by Francis Sandford, Lancaster Herald, fol. 1687; Evelyn’s Diary, May 21. 1685. Depesche der holländischen Gesandten vom 10.(20.) April 1685; Burnet, I. 628; Eachard, III. 734; A Sermon, preached before their Majesties King James the Second and Queen Mary at their Coronation in Westminster Abbey, April 23. 1685 by Francis, Lord Bishop of Ely and Lord Almoner. Ich habe einen italienischen Bericht in der Hand gehabt, welcher in Modena veröffentlicht und besonders wegen der Geschicklichkeit merkwürdig ist, womit der Verfasser die Thatsache umgeht, daß die Gebete und Psalmen englisch und die Bischöfe Ketzer waren.
Enthusiastische Adressen der Tories. [Diesen] Moment kann man als denjenigen bezeichnen, wo die Begeisterung der Torypartei den Culminationspunkt erreicht hatte. Seit dem Antritte seiner Regierung war der neue König mit Adressen überschüttet worden, welche die tiefste Verehrung für seine Person und sein Amt und den stärksten Abscheu gegen die besiegten Whigs aussprachen. Die Magistratspersonen von Middlesex dankten Gott, daß er die Anschläge jener Königsmörder und Ausschließungsmänner zu Nichte gemacht, welche, nicht zufrieden, einen vortrefflichen Fürsten gemordet zu haben, auch mit der Absicht umgegangen seien, die Grundpfeiler der Monarchie umzustürzen. Die Stadt Gloucester verdammte die blutgierigen Bösewichter, welche den Versuch gewagt hätten, Se. Majestät um ihr Erbrecht zu bringen. Die Bürgerschaft von Wigan versprach ihrem Herrscher, daß sie ihn gegen alle verschwörungssüchtigen Achitophels und rebellischen Absaloms vertheidigen wollte. Die große Jury von Suffolk sprach die Hoffnung aus, daß das Parlament alle Ausschließungsmänner in die Verbannung schicken werde. Verschiedene Körperschaften verpflichteten sich, niemals Jemand in das Parlament zu wählen, der seine Stimme für die Entziehung von Jakob’s Geburtsrecht gegeben habe. Selbst die Hauptstadt zeigte sich höchst unterwürfig. Die Juristen und der Handelsstand wetteiferten zusammen in der Dienstbeflissenheit. Die Collegien der Gerichtshöfe des gemeinen Rechts und der Kanzlei übersandten bombastische Versicherungen der Anhänglichkeit und Devotion, und die großen Handelsgesellschaften, die Ostindische Compagnie, die Afrikanische, Türkische, Moskowitische, Hudsonsbai-Compagnie, die Marylandkaufleute, die Jamaikakaufleute, die abenteuernden Kaufleute, sie Alle erklärten, daß sie sich der königlichen Verordnung, welche von ihnen die fernere Bezahlung des Zolles beanspruchte, gern fügten. Bristol, die zweite Stadt Englands, war das Echo von London, nirgends aber zeigte sich der Geist der Loyalität bedeutender, als an den beiden Universitäten. Oxford versicherte, daß es nimmer die religiösen Grundsätze aufgeben werde, welche ihm die Verbindlichkeit auferlegten, dem König ohne jeden Vorbehalt und jede Beschränkung Gehorsam zu leisten; Cambridge mißbilligte in den heftigsten Ausdrücken die Eigenmächtigkeit und Verrätherei jener unruhigen Männer, welche den böswilligen Versuch gewagt hätten, den Gang der Thronfolge aus seiner alten Bahn zu drängen.[48]
[48.] Siehe die London Gazette in den Monaten Februar, März und April 1685.
Die Wahlen. [Adressen,] wie die angeführten, füllten lange Zeit die Nummern der Londoner Zeitung, doch bewiesen die Tories nicht nur durch Adressen ihren Eifer. Die Aufforderungen zur Wahl eines neuen Parlaments waren erlassen worden und das Land durch die geräuschvolle Thätigkeit der Wählenden in Aufregung versetzt. Noch nie hatte die Wahl unter Verhältnissen stattgefunden, welche dem Hofe so günstig waren wie die jetzigen. Hunderttausende, welche das papistische Complot zum Whiggismus getrieben, waren durch das Ryehousecomplot wieder zum Toryismus zurückgescheucht worden. In den Grafschaften konnte die Regierung auf eine überwiegende Majorität der Gentlemen mit dreihundert Pfund und mehr jährlichen Einkommens, so wie bei dem Klerus auf jedes Mitglied desselben zählen. Jenen Burgflecken, einst die Festungen des Whiggismus, hatte man kürzlich durch richterlichen Ausspruch ihre Freibriefe entzogen, oder sie waren dem Urtheil durch freiwilliges Aufgeben derselben zuvorgekommen. Sie waren jetzt in der Art umgestaltet, daß man überzeugt sein konnte, sie würden bei der Wahl nur auf Männer reflectiren, welche der Krone zugethan waren. Wo man den Stadtbewohnern kein Vertrauen schenken konnte, wurde das Wahlrecht auf die benachbarten Squires übertragen. In einigen kleinen Corporationen des Westens bestanden die Wahlkörper hauptsächlich aus Hauptleuten und Leutnants der Garde. Überall handelten die Wahlbeamten im Interesse des Hofes. Der Lordlieutenant und seine Abgeordneten bildeten in jeder Grafschaft einen mächtigen, thätigen und aufmerksamen Ausschuß, um die Freisassen zu gewinnen und einzuschüchtern. Von tausend Kanzeln ertönten feierliche Warnungen, für keinen Whigcandidaten zu stimmen, indem eine solche Handlung vor Demjenigen zu verantworten sein werde, der die Obrigkeit angeordnet und die Rebellion für eine eben so große Todsünde erklärt habe, wie die Zauberei. Alle diese Vortheile benutzte die herrschende Partei nicht nur aufs Äußerste, sondern trieb mit ihnen einen so schamlosen Mißbrauch, daß ruhige und besonnene Männer, welche der Monarchie in der Gefahr treu zur Seite gestanden und weder für Republikaner, noch für Schismatiker eingenommen waren, erschraken und aus solchem Beginnen das Herannahen schlimmer Zeiten weissagten.[49]
Die Whigs aber, obgleich sie die gerechte Vergeltung ihrer Irrthümer erduldeten, obgleich sie besiegt, entmuthigt und zersprengt waren, wichen nicht ohne Kampf. Noch immer waren sie eine bedeutende Anzahl, namentlich aus den Handelsleuten und Handwerkern der Städte und den Freisassen und Landleuten des flachen Landes bestehend. In einigen Bezirken, wie in Dorsetshire und in Somersetshire bildeten sie die Mehrzahl der Bevölkerung. Zwar konnten sie in den neuconstituirten Burgflecken nichts ausrichten, aber in jeder Grafschaft, wo sich ihnen irgend eine Aussicht bot, kämpften sie wie Verzweifelte. In Bedfordshire, dessen letzter Vertreter der edle, tugendhafte Russel gewesen war, siegten sie beim Händeaufheben, unterlagen aber bei der Abstimmung.[50] In Essex hatten sie dreizehnhundert Stimmen gegen achtzehnhundert.[51] Bei der Wahl für Northampton war der Pöbel in seinem Hasse gegen den Candidaten des Hofes so heftig, daß Truppen auf dem Marktplatze der Hauptstadt der Grafschaft aufgestellt wurden und Befehl erhielten, scharf zu laden.[52] Die Geschichte des Wahlgefechts um Buckinghamshire ist noch merkwürdiger. Der Candidat der Whigs, Thomas Wharton, ältester Sohn von Lord Philipp Wharton, war ein durch Gewandtheit und Kühnheit ausgezeichneter Mann, und bestimmt, eine hervorragende, wenn auch nicht immer achtungswerthe Rolle in der Politik verschiedener Regierungen zu spielen. Er gehörte zu den Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, welche damals die Ausschließungsbill vor die Schranke des Hauses der Lords gebracht hatten. Der Hof bemühte sich daher, ihn durch redliche oder unredliche Mittel zu beseitigen. Der Lord Oberrichter Jeffreys verfügte sich selbst nach Buckinghamshire, um einem Gentleman, mit Namen Hacket, beizustehen, welcher zu den Hochtories gehörte. Es wurde eine Kriegslist ersonnen, von der man erwartete, daß sie nicht mißglücken könne. Man verbreitete das Gerücht, die Wahl solle zu Ailesbury vor sich gehen, und Wharton, der eine ungemeine Geschicklichkeit in der Anwendung von Wahlkünsten besaß, entwarf auf diese Voraussetzung hin seinen Plan; im letzten Augenblicke jedoch verlegte der Sheriff die Wahlhandlung nach Newport Pagnell. Wharton verfügte sich mit seinen Freunden schleunigst dorthin, fand aber, daß Hacket, dem das Geheimniß bekannt war, dort alle Gasthäuser und sonstigen Herbergen in Beschlag genommen hatte. Die whiggistischen Freisassen sahen sich gezwungen, ihre Pferde an die Hecken zu binden und auf den Wiesen, welche die kleine Stadt umgaben, zu übernachten. Es machte außerordentliche Mühe, in so kurzer Zeit für eine so große Anzahl von Menschen und Thieren die nothwendigen Nahrungsmittel herbeizuschaffen, obgleich Wharton, der im Interesse seines Ehrgeizes und Parteigeistes kein Geld schonte, an einem Tage fünfzehnhundert Pfund ausgab, in damaliger Zeit eine sehr bedeutende Summe. Diese Ungerechtigkeit mag übrigens auf den Muth der munteren Freisassen von Bucks, der Söhne der Wähler John Hampden’s, günstig eingewirkt haben, denn Wharton erhielt nicht allein die meisten Stimmen, sondern er konnte auch seine übrigen Stimmen auf einen Mann von gemäßigteren Ansichten übertragen, wodurch der Candidat des Oberrichters durchfiel.[53]
In Cheshire währte der Kampf sechs Tage. Die Whigs hatten ungefähr siebzehnhundert Stimmen, die Tories etwa zweitausend. Das niedere Volk stand entschieden auf Seiten der Whigs, schrie: „Nieder mit den Bischöfen!“ beleidigte die Geistlichen auf den Straßen von Cheshire, schlug einen Gentleman von den Tories zu Boden, zertrümmerte die Fenster und prügelte die Constabler. Man rief die Miliz unter die Waffen, um dem Tumult ein Ende zu machen, und ließ sie beisammen, um die Festlichkeiten der siegreichen Partei zu schützen. Als die Abstimmung vorüber war, verkündete eine Salve aus fünf schweren Geschützen vom Schlosse der umliegenden Gegend den Sieg der Kirche und der Krone, die Glocken ertönten und die neugewählten Abgeordneten zogen feierlich, begleitet von einem Musikcorps und einem langen Zuge von Rittern und Squires zu dem Stadtkreuz, Auf ihrem Wege sang die Prozession „Heil dem großen Cäsar“, eine loyale Ode, die Durfey kürzlich gedichtet und die, wie alle literarischen Erzeugnisse desselben, zwar sehr jämmerlich, aber trotzdem damals nicht weniger beliebt war, als einige Jahre später das Lillibullero.[54] Die Milizen standen in Parade um das Kreuz, ein Freudenfeuer loderte empor, die Ausschließungsbill ward verbrannt und unter lautem Jubelgeschrei auf das Wohl König Jakob’s getrunken. Am folgenden Tage, einem Sonntage, bildete am frühen Morgen die Miliz auf den Straßen, welche nach der Kathedrale führten, ein Spalier. Die beiden Abgeordneten der Grafschaft wurden von den Magistratspersonen der Stadt mit großem Pomp nach dem Chor geführt, hörten eine Predigt des Dechanten — vermuthlich über die Pflicht des passiven Gehorsams — mit an, und wurden sodann von dem Mayor zu einem feierlichen Mahle gezogen.[55]
In Northumberland war der Sieg Sir Johann Fenwick’s, eines Hofmanns, dessen Name später eine traurige Berühmtheit erlangte, von Umständen begleitet, welche in London Aufsehen erregten und für wichtig genug gehalten wurden, in den Depeschen fremder Minister erwähnt zu werden. Newcastle war durch brennende Holzstöße erleuchtet und von den Thürmen schallte das fröhliche Geläute der Glocken. Eine Copie der Ausschließungsbill und ein schwarzes Kästchen, ähnlich demjenigen, welches nach der Volkssage den Heirathsvertrag zwischen Karl II. und Lucie Walters umschließen sollte, wurde öffentlich unter lautem Jubelrufe in die Flammen geworfen.[56]