[56.] Depesche des holländischen Gesandten v. 10.(20.) April 1685.
[57.] Burnet I. 626.
[58.] A faithful account of the Sickness, Death and Burial of Captain Bedlow, 1680; Narrative of Lord Chief Justice North.
[59.] Smith’s Intrigues of the Popish Plot, 1685.
[60.] Burnet I. 439.
Prozeß gegen Oates. [Oates] und Dangerfield aber befanden sich noch im Bereiche des strengen Fürsten, den sie beleidigt hatten. Kurz vor seinem Regierungsantritte hatte Jakob eine Civilklage gegen Oates wegen ehrverletzender Äußerungen erhoben und eine Jury hatte den Schadenersatz auf den ungeheuren Betrag von hunderttausend Pfund festgestellt. Der Beklagte war in Arrest genommen worden und befand sich jetzt ohne Hoffnung auf Befreiung im Gefängniß. Einige Wochen vor Karl’s Tode hatte die große Jury von Middlesex ihn zweimal des Meineides schuldig befunden, und bald nach dem Schlusse der Wahlen nahm der Prozeß seinen Anfang.[61]
Oates war unter den höheren und mittleren Klassen kaum ein Freund geblieben. Alle einsichtsvolleren Whigs hatten jetzt die Überzeugung, daß, wenn auch seiner Erzählung einige Thatsachen zu Grunde lägen, er doch auf diese Grundlage ein großes Gebäude romantischer Darstellungen errichtet habe. Eine nicht unbedeutende Anzahl von Fanatikern aus der niederen Volksklasse sahen in ihm jedoch noch immer einen öffentlichen Wohlthäter. Diesen Leuten war es nicht unbekannt, daß sein Urtheil ein höchst strenges sein würde, wenn es gelang, ihm seine Schuld zu beweisen, und sie waren daher unermüdlich in ihren Versuchen, ihm zur Flucht zu verhelfen. Obgleich er sich jetzt nur in Schuldhaft befand, wurde er doch von den Beamten des Gefangenhauses in Eisen gelegt und selbst auf diese Art nur mit großer Mühe in sicherem Gewahrsam erhalten. Ein Bullenbeißer, welcher als Wächter vor seiner Thür lag, wurde vergiftet und in der Nacht vor dem Beginn seines Prozesses eine Strickleiter in seine Zelle gebracht.
An dem Tage, wo er vor Gericht gestellt wurde, war Westminsterhall überfüllt von Zuschauern, worunter viele Katholiken, die begierig waren, das Elend und die Erniedrigung ihres Verfolgers zu betrachten.[62] Vor wenigen Jahren war sein kurzer Hals, seine krummen Dachsbeine, seine Stirn, so zusammengedrückt wie die eines Pavians, seine dunkelrothen Wangen und die seltsame Länge seines Kinnes Allen wohlbekannt, welche die Gerichtshöfe betraten; damals war er der Abgott des Volkes, wo er sich zeigte, hatte man vor ihm das Haupt entblößt, das Leben und die Güter der ersten Männer des Reichs waren seiner Willkür preisgegeben; jetzt war es anders geworden, und Viele, die früher in ihm den Befreier des Vaterlandes erblickten, erfaßte jetzt ein Grausen, als sie die scheußlichen Züge erblickten, auf welche die Hand Gottes den Stempel der Schurkerei gedruckt zu haben schien.[63]
Es war bis zur größten Gewißheit erwiesen, daß dieser Mann durch falsche Beschuldigungen mit Absicht mehrere unschuldige Personen um’s Leben gebracht hatte. Vergeblich bat er die bedeutendsten Mitglieder des Parlaments, welche ihn belohnt und erhoben hatten, zu seinem Gunsten Zeugniß abzulegen, einige von den Aufgeforderten verließen den Saal, keiner aber machte den geringsten Versuch zu seiner Vertheidigung. Einer, der Earl von Huntingdon, machte ihm die heftigsten Vorwürfe, daß er die Häuser betrogen und die Schuld auf sie geladen habe, unschuldiges Blut zu vergießen. Die Richter ließen den Angeklagten hart an und schmähten ihn mit einer Leidenschaftlichkeit, welche selbst in den scheußlichsten Fällen mit der richterlichen Würde sich nicht verträgt. Er zeigte jedoch weder Furcht noch Scham und ertrug die Fluth von Schmähungen, welche von den Schranken, der Richterbank und Zeugenloge auf ihn losbrach, mit dem Trotze der Verzweiflung. Er wurde beider Anklagen schuldig befunden. Sein Verbrechen war zwar, vom moralischen Standpunkte angesehen, Mord der schwersten Art, nach dem Gesetz jedoch noch kein peinliches Verbrechen. Es lag aber in der Absicht des Tribunals, seine Strafe empfindlicher zu machen, als sie Verbrechern der ersten und zweiten Klasse zu Theil wurde, und ihm nicht blos das Leben zu rauben, sondern ihn auch unter entsetzlichen Qualen zu tödten. Es wurde das Urtheil über ihn ausgesprochen, er solle, seiner geistlichen Tracht entkleidet, im Palasthofe an den Pranger gestellt werden, alsdann sollte man ihn — mit einer Inschrift, welche seine Schandthaten aussprach, über seinem Haupte — um Westminsterhall führen, der königlichen Börse gegenüber wieder an den Pranger stellen und alsdann von Oldgate nach Newgate peitschen. Nach einer Pause von zwei Tagen sollte er wieder von Newgate nach Tyburn gepeitscht werden. Wenn er gegen alle Wahrscheinlichkeit nach dieser entsetzlichen Strafe noch lebte, so sollte er lebenslänglich — in enger Kerkerhaft bleiben, in jedem Jahre aber fünfmal aus dem Gefängniß gebracht und in verschiedenen Theilen der Hauptstadt an den Schandpfahl gestellt werden.[64]
Das schreckliche Urtheil wurde streng vollstreckt. An dem Tage, wo Oates am Pranger stand, wurde er unbarmherzig gesteinigt und war in größter Gefahr, zerrissen zu werden.[65] In der City erregten zwar seine Anhänger, die sich in bedeutender Anzahl versammelt hatten, einen Tumult und warfen den Pranger um; aber es gelang ihnen nicht, ihren Liebling zu befreien.[66]