Am 5. Mai wurden zwei Handwerker, Peter Gillies und John Bryce in Ayrshire durch ein Kriegsgericht verurtheilt, welches aus fünfzehn Soldaten zusammengesetzt war. Die Anklage ist noch vorhanden. Man beschuldigte die Gefangenen nicht etwa einer revolutionären Handlung, sondern daß sie denselben verderblichen Lehren huldigten, welche Andere zum Aufruhr veranlaßt hätten, und es nur an Gelegenheit gefehlt habe, ihnen gemäß zu handeln. Das Verfahren war summarisch. Einige Stunden später waren die beiden Angeklagten überführt, gehängt und ihre Leichname in ein Loch unter dem Galgen geworfen.[81]

Der 11. Mai zeichnete sich durch mehr als ein großes Verbrechen aus. Einige strenge Calvinisten hatten aus der Lehre von der Verwerfung den Schluß gezogen, daß das Gebet für eine Person, welche zur Verdammniß bestimmt wäre, eine Handlung der Auflehnung gegen die ewigen Beschlüsse des Allmächtigen sei. Drei arme Arbeitsleute, welche von diesem herzlosen Glauben tief überzeugt waren, wurden nahe bei Glasgow von einem Offizier verhaftet, und gefragt, ob sie für König Jakob VII. beten wollten. Sie weigerten sich dessen, es wäre denn, daß er zu den Auserwählten gehöre. Eine Abtheilung Musketiere traten vor, die Gefangenen knieten nieder, man verband ihnen die Augen, und eine Stunde nach ihrer Festnehmung leckten die Hunde ihr Blut vom Boden.[82]

Während sich dieses in Clydesdale ereignete, wurde in Eskdale eine nicht weniger abscheuliche That verübt. Ein geächteter Covenanter hatte, von Krankheit heimgesucht, in dem Hause einer rechtlichen Wittwe Zuflucht gefunden und war daselbst gestorben. Der Laird von Westerhall, ein kleiner Tyrann, der in den Tagen der Covenanters den größten Eifer für die presbyterianische Kirche gezeigt, seit der Restauration aber das Wohlwollen der Regierung durch seinen Abfall erlangt hatte, und gegen die von ihm aufgegebene Partei, wie jeder Abtrünnige, unversöhnlichen Haß fühlte, entdeckte den Leichnam des Verstorbenen. Dieser Mensch ließ das Wohnhaus des armen Weibes niederreißen, ihren Hausrath wegbringen, und indem er sie und ihre Kinder hinaustrieb, um auf den Feldern herumzuirren, schleppte er ihren Sohn Andreas, der fast noch ein Knabe war, vor Claverhouse, welcher gerade damals durch diesen Theil des Landes zog. Claverhouse war eben auffallend mild gesinnt, — Einige versicherten, seit dem vor zehn Tagen geschehenen Morde des christlichen Fuhrmanns wäre er noch nicht wieder zu sich selbst gekommen — aber Westerhall wünschte sehnlichst, einen Beweis von seiner Loyalität zu geben, und erzwang eine ungern gegebene Zustimmung. Die Musketen wurden geladen, und der Jüngling aufgefordert, die Mütze über das Gesicht zu ziehen. Er schlug es ab, und stand mit freiem Blick, die Bibel in der Hand, seinen Mördern gegenüber. „Ich kann Euch offen ins Antlitz blicken“, rief er, „denn ich habe nichts gethan, dessen ich mich schämen müßte. Aber wie wollt Ihr an jenem Tage dreinsehen, wo Ihr nach dem gerichtet werden sollt, was in diesem Buche steht?“ — Er stürzte todt zu Boden und wurde im Moore eingescharrt.[83]

An demselben Tage wurden zwei Frauen, Margarethe Maclachlan und Margarethe Wilson, erstere eine bejahrte Wittwe, letztere ein Mädchen von achtzehn Jahren, für ihren Glauben in Wigtonshire ermordet. Sie sollten ihr Leben geschenkt erhalten, wenn sie sich entschließen könnten, die Sache der aufrührerischen Covenanters abzuschwören und dem bischöflichen Gottesdienste beizuwohnen. Sie weigerten sich und wurden zum Tode durch Ertränken verurtheilt. Man führte sie an einen Ort, wo der Solway zweimal des Tages seine Ufer überschwemmt, und band sie zwischen den Zeichen des hohen und niederen Wasserstandes an in dem Sande befestigte Pfähle. Die ältere der beiden Dulderinnen wurde in der Erwartung, daß ihre Todesqual die jüngere zum Abfall bewegen möchte, der aufsteigenden Fluth näher gebracht. Der Anblick war grauenhaft, aber der Muth der Überlebenden war von so hoher Begeisterung unterstützt, wie die Geschichte der Märtyrer sie nur zu schildern vermag. Ohne jedes Zeichen von Unruhe sah sie die See herankommen, sie betete und sang Verse aus Psalmen, bis die Wogen ihre Stimme erstickten. Als sie die Bitterkeit des Todes gefühlt, hatte man die grausame Barmherzigkeit, sie loszubinden und wieder zum Leben zu bringen. Nachdem ihr Bewußtsein zurückgekehrt war, flehten sie mitleidige Freunde und Nachbarn an, sich zu fügen. „Liebe Margarethe, sage nur, Gott erhalte den König!“ Das unglückliche Mädchen, ihrem strengen Glauben getreu, wimmerte: „Mag ihn Gott erhalten, wenn es Gottes Wille ist!“ Ihre Freunde drängten sich um den vorsitzenden Offizier. „Sie hat es gesagt, Herr, wahrhaftig, sie hat es gesagt!“ „Wird sie die Abschwörungsformel leisten?“ erkundigte sich der Offizier. „Nimmermehr,“ rief sie aus, „ich bin Christi, laßt mich gehen!“[84] — Die Wogen schlugen zum letzten Male über ihr zusammen.

So regierte Schottland ein Fürst, den unwissende Menschen als einen Freund religiöser Freiheit geschildert haben, dessen Unglück es gewesen, zu weise und zu gütig für das Zeitalter zu sein, in welchem er lebte. Ja sogar die Gesetze, welche ihm die Gewalt gaben, in solcher Weise zu regieren, waren nach seiner Ansicht von einer tadelnswerthen Milde. Indem seine Offiziere die Mordscenen verübten, welche eben geschildert wurden, verlangte er von dem schottischen Parlament ein neues Gesetz, mit welchem im Vergleich alle früheren Gesetze barmherzig genannt zu werden verdienen.

So groß auch in England sein Ansehen war, unterlag dasselbe doch einer Beschränkung durch alte, edle Gesetze, deren Übertretung selbst die Tories von ihm nicht ruhig hingenommen haben würden. Hier durfte er nicht Dissenters vor Kriegsgerichte treiben, oder im Rathe das Amüsement haben, sie in den spanischen Stiefeln ohnmächtig niederstürzen zu sehen; hier gab es keine Jungfrauen zu ersäufen, weil sie sich weigerten, die Abschwörungsformel zu leisten, oder arme Landleute niederzuschießen, weil sie in Zweifel waren, ob er einer der Auserwählten sei. Jedoch unterließ er auch in England nicht, die Puritaner, soweit seine Macht reichte, zu verfolgen, bis Ereignisse, welche später erzählt werden sollen, ihn veranlaßten, den Plan zu fassen, Puritaner und Papisten zur Entwürdigung und Beraubung der Landeskirche mit einander zu vereinigen.

[79.] Wodrow III. 9, 6.

[80.] Wodrow, III. 9. 6. Der Herausgeber der Oxforder Ausgabe des Burnet macht einen Versuch, diese That zu entschuldigen, indem er sagt, daß Claverhouse zu jener Zeit eben bemüht war, alle Verbindung zwischen Argyle und Monmouth abzuschneiden, und glaubt, Brown möge als Zwischenträger der beiden Rebellenheere entdeckt worden sein. Zum Unglück für diese Annahme wurde Brown am 1. Mai erschossen, wo Argyle und Monmouth in Holland waren und kein Aufruhr in irgend einem Stelle unsrer Insel stattfand.

[81.] Wodrow, III. 9. 6.