Jedes Verlangen der Regierung wurde ohne Widerspruch gewährt. In finanzieller Beziehung hatte die Freigebigkeit der schottischen Stände allerdings wenig Bedeutung, indeß gaben sie, was in ihren Kräften stand. Sie vereinigten für immer mit der Krone die Zölle, welche dem vorigen König zugestanden und damals auf vierzigtausend Pfund berechnet worden waren. Dann gewährten sie Jakob auf die Dauer seines Lebens eine Erhöhung seines Einkommens von zweihundertsechszehntausend schottischen Pfunden oder so viel wie achtzehntausend Pfund Sterling. Die ganze Summe, welche sie bewilligen konnten, bestand in jährlich etwa sechzigtausend Pfund, nicht viel mehr, als die Einnahme der englischen Schatzkammer in vierzehn Tagen betrug.[74]
Da wenig Geld zu ihrer Verfügung stand, so ersetzten die Stände diesen Mangel durch loyale Versicherungen und unmenschliche Gesetze. Der König verlangte in einem Schreiben, welches in heftiger Sprache verfaßt war und ihnen bei der Eröffnung der Sitzung vorgelesen wurde, sie möchten darauf bedacht sein, neue Strafgesetze gegen die widerspenstigen Presbyterianer zu beschließen, und bedauerte, daß er durch Geschäfte abgehalten sei, solche persönlich vom Throne aus in Vorschlag zu bringen. Seinen Befehlen wurde gehorcht. Rasch wurde ein von den Ministern der Krone entworfenes Gesetz angenommen, welches selbst unter den Gesetzen des unglücklichen Landes in jener traurigen Zeit an Abscheulichkeit nicht seines Gleichen hat. Es wurde in kurzen nachdrücklichen Worten verordnet, daß Jeder, der bei einer Betversammlung in einem Hause predigen, oder, gleichviel ob als Prediger oder als Zuhörer, an einem Conventikel unter freiem Himmel theilnehmen würde, mit Verlust seines Vermögens und dem Tode bestraft werden solle.[75]
[74.] Act. Parl. Car. II. March 29. 1661; Jac. VII. April 28. 1685 & May 13. 1685.
[75.] Act. Parl. Jac. VII., May 8. 1685; Observator, June 20. 1685. Lestrange hegte offenbar den Wunsch, daß man diesem Beispiele in England folgen möge.
Gesinnungen Jakob’s gegen die Puritaner. [Dieses] Gesetz, welches auf Verlangen des Königs von der, seinem Willen gehorsamen Versammlung angenommen wurde, ist einer besonderen Beachtung werth. Unwissende Schriftsteller haben ihn oft als einen zwar unüberlegten und in der Wahl seiner Mittel rücksichtslosen Regenten, zugleich aber auch als einen Fürsten dargestellt, der es sich angelegen sein ließ, den edelsten Zweck eines solchen, die Begründung vollständiger religiöser Freiheit, zu erreichen. Es kann nicht in Abrede gestellt werden, daß einige Abschnitte in seinem Leben, wenn man sie von den anderen sondert und oberflächlich betrachtet, diese vortheilhafte Meinung von seinem Character zu bestätigen scheinen. Noch als Unterthan war er lange Jahre der Verfolgung ausgesetzt gewesen, und diese hatte ihre gewöhnliche Wirkung auf ihn nicht verfehlt; sein schwacher und beschränkter Geist hatte durch diese harte Schule gewonnen. Als er vom Hofe, der Admiralität und dem Geheimen Rathe ausgeschlossen war, als er sogar Gefahr lief, das Recht der Thronfolge zu verlieren, nur deshalb, weil er mit Überzeugung an die Transsubstantiation und an die Autorität des päpstlichen Stuhles glaubte, machte er so schnelle Fortschritte in den Lehren der Duldung, wie sie Milton und Locke nicht gekannt. Wie könne es ein größeres Unrecht geben, pflegte er zu sagen, als Absichten mit Strafen zu belegen, die blos der That gebührten, und wie unklug würde es sein, tüchtige Kriegsleute, Seemänner, Juristen, Diplomaten und Finanzmänner zurückzuweisen, blos weil sie eine falsche Meinung über die Anzahl der Sakramente und mehrfache Gegenwart der Heiligen hätten. Er wußte die Gemeinplätze auswendig, welche alle Sekten so geläufig wiederholen, wenn sie Verfolgung erdulden, und sofort vergessen, wenn es ihnen möglich wird, Vergeltung auszuüben. Und in der That wußte er seine Lektion so vortrefflich herzusagen, daß Diejenigen, welche ihn zufällig über diesen Gegenstand sprechen hörten, ihm viel mehr Einsicht und Redefertigkeit zutrauten, als er besaß. Seine Versicherungen täuschten einige gutherzige Personen und vielleicht sogar ihn selbst, aber sein Eifer für die Gewissensfreiheit verschwand mit der Herrschaft der Whigpartei. Als das Glück sich wendete und nicht länger zu besorgen war, daß er der Verfolgung Anderer ausgesetzt sein würde, es aber in seiner Macht stand, Andere zu verfolgen, machten sich seine wahren Neigungen bemerklich. Der Haß, den er gegen die puritanischen Sekten hegte, war mannigfaltig: theologisch und politisch, angeerbt und persönlich. Er sah in ihnen Feinde des Himmels, Feinde aller legitimen Gewalt in Staat und Kirche, Feinde seiner Urgroßmutter, seines Großvaters, seiner Eltern, seines Bruders und seiner selbst; er, der sich so bitter über die Gesetze gegen Papisten beklagte, behauptete jetzt, er begreife nicht, wie man die Frechheit haben könne, auf Zurücknahme der den Puritanern entgegenstehenden Verordnungen anzutragen.[76] Er, dessen Lieblingsthema die Ungerechtigkeit gewesen war, von Staatsdienern Religionseide zu verlangen, führte während seines Aufenthalts in Schottland dort den strengsten Religionseid ein, den man jemals im Lande gekannt hatte;[77] er, der seinen begründeten Unwillen aussprach, als man die Priester seines eigenen Glaubens hängte und viertheilte, hatte, sein Vergnügen daran, das Jammergeschrei der Covenanters zu hören und die schmerzlichen Windungen ihres Körpers anzusehen, indem ihre Kniee in den spanischen Stiefeln zerquetscht wurden.[78] In dieser Stimmung bestieg er den Thron, und ohne Zögerung beanspruchte und erhielt er von den unterwürfigen schottischen Ständen als überzeugendsten Beweis ihrer Loyalität das blutigste Gesetz, welches jemals auf unseren Inseln gegen protestantische Nonconformisten erlassen worden ist.
[76.] Seine eignen Worte, berichtet von ihm selbst. Clarke’s Life of James the Second, I. 656. Orig. Mem.
[77.] Act. Parl. Car. II. August 31. 1681.
[78.] Burnet I. 583; Wodrow III. v. 2. Leider fehlen die Acten des schottischen Geheimen Rathes während der ganzen Verwaltung des Herzogs von York.
Grausame Behandlung der schottischen Covenanters. [Mit] diesem Gesetz stand der Geist seiner Verwaltung in vollständigem Einklang. Die grausame Verfolgung, welche während seiner Statthalterschaft in Schottland wüthete, wurde von dem Tage seiner Thronbesteigung an noch heftiger. Diejenigen Grafschaften, in denen die meisten Covenanters lebten, wurden der Zügellosigkeit des Heeres preisgegeben. Unter der Armee befand sich eine Miliz, welche aus den wildesten und verworfensten Subjekten Derjenigen gebildet war, welche sich Episcopalen nannten. Hervorragend unter den Banden, welche diese unglücklichen Distrikte unterdrückten und verwüsteten, waren die Dragoner, welche unter dem Befehle Jakob Graham’s von Claverhouse standen. Man behauptete, daß diese verworfenen Menschen bei ihren Zechgelagen um die Höllenstrafen spielten, und sich unter einander mit den Namen von Teufeln und verdammten Seelen zu benennen pflegten.[79] Der Anführer dieser Hölle auf Erden, ein durch Muth und Geschicklichkeit in seinem Berufe ausgezeichneter Soldat, jedoch räuberisch, ruchlos, von heftiger Gemüthsart und Hartherzigkeit, hat einen Namen hinterlassen, der überall auf Erden, wo der schottische Stamm sich angesiedelt hat, mit untilgbarem Hasse genannt wird. Es würde eine nicht zu lösende Aufgabe sein, wollte man alle die Unthaten aufzählen, durch welche dieser Mann und seine Rotte die Landleute des westlichen Niederlandes zur Verzweiflung trieb. Wenige Beispiele mögen hinreichen, und dieselben sollen aus einem Zeitraume von nur zwei Wochen genommen werden, jenen zwei Wochen, in denen auf Jakob’s dringendes Ansuchen das schottische Parlament ein neues Gesetz von unerhörter Strenge gegen die Dissenters erließ.
Johann Brown, ein armer Fuhrmann in Lanarkshire, wurde wegen seiner besonderen Frömmigkeit insgemein der christliche Fuhrmann genannt. Nach vielen Jahren, als Ruhe, Wohlstand und religiöse Freiheit nach Schottland zurückgekehrt waren, schilderten ihn hochbejahrte Leute, die sich jener traurigen Zeit erinnerten, als einen in göttlichen Dingen bewanderten Mann, unbescholten im Leben und so friedfertig, daß die Tyrannen nichts Unrechtes an ihm auffinden konnten, außer daß er den öffentlichen Gottesdienst der Episcopalen nicht besuchte. Am 1. Mai arbeitete er in einer Torfgrube, als er von den Claverhouse’schen Dragonern ergriffen, eilig verhört, der Nonconformität überführt und zum Tode verurtheilt wurde. Selbst unter den Soldaten soll sich keiner zur Vollstreckung des Urtheils haben entschließen können, denn die Frau des unglücklichen Mannes war zugegen. Sie führte ein kleines Kind an der Hand, und man sah, daß sie nahe daran war, ein andres zur Welt zu bringen. Die wilden, herzlosen Menschen, die einander mit den Beinamen Apollyon und Beelzebub belegten, schauderten vor der Ruchlosigkeit zurück, den Mann vor den Augen der Gattin abzuschlachten. Der Gefangene, durch die nahe Aussicht auf die Ewigkeit erhoben, betete laut und inbrünstig wie in Begeisterung, bis Claverhouse in Wuth gerathend ihn niederschoß. Glaubwürdige Zeugen berichteten, daß die Wittwe in ihrem tiefen Schmerze ausrief: „Gut, Herr, gut, der Tag der Rechenschaft wird kommen!“ worauf der Mörder entgegnete: „Was ich gethan, kann ich vor Menschen verantworten, mit Gott will ich schon fertig werden!“ Doch ging die Sage, daß selbst auf sein verhärtetes Gewissen und unmenschliches Herz die Sterbegebete seines Opfers einen Eindruck machten, der sich nimmer verwischen ließ.[80]