Als der Prozeß in Guildhall begann, war der Gerichtshof angefüllt mit Denen, welche Baxter Liebe und Verehrung zollten. Ihm zur Seite stand Doctor William Bates, einer der vorzüglichsten nonconformistischen Geistlichen. Zwei whiggistische Advokaten von bedeutendem Rufe, Pollexfen und Wallop, erschienen für den Angeklagten. Eben hatte Pollexfen seine Anrede an die Jury begonnen, als der Oberrichter losdonnerte: „Pollexfen, ich kenne Euch sehr gut und will Euch ein Zeichen anhängen, Ihr seid der Beschützer der Faction! Das ist ein alter Schuft, ein schismatischer Halunke, ein heuchelnder Bube! Er ist ein Feind der Liturgie und verlangt nichts als langgedehntes Gewinsel ohne Buch.“ Darauf verdrehte Seine Herrlichkeit die Augen, faltete die Hände und begann in einer Art, welche er für eine Persiflage von Baxter’s Manier zu predigen hielt, durch die Nase zu singen: „Herr, wir sind dein Volk, dein auserwähltes Volk, dein theures Volk!“ Pollexfen machte den Gerichtshof mit Bescheidenheit darauf aufmerksam, daß Seine Majestät, der verstorbene König, Baxter eines Bisthums würdig gehalten habe. „Und was kratzte denn den alten Dummkopf, daß er es nicht annahm?“ schrie Jeffreys. Seine Wuth erreichte jetzt den höchsten Grad, er schimpfte Baxter einen Hund, und schrie, daß es nur ein Act der höchsten Gerechtigkeit sein würde, solch einen Buben durch die Stadt peitschen zu lassen. Jetzt nahm Wallop das Wort, es erging ihm aber nicht besser, als seinem Vorgänger. „Ihr betheiligt Euch bei allen schmutzigen Angelegenheiten, Mr. Wallop“, sagte der Richter, „Gentlemen in der Robe der Rechtsgelehrten sollten sich schämen, solchen revolutionären Schuften ihren Beistand zu gewähren.“ Der Anwalt bemühte sich noch einmal, Gehör zu erlangen, aber vergebens, „Wenn Euch Eure Pflicht unbekannt ist“, rief Jeffreys, „so will ich sie Euch kennen lehren.“

Wallop setzte sich nieder, und jetzt machte Baxter einen Versuch, sich zu vertheidigen, aber der Oberrichter ließ durch einen Strom von schmutzigen und schmähenden Worten, vermischt mit Citaten aus Hudibras, keine vernünftige Vorstellung aufkommen. „Mylord“, sagte der Greis, „die Dissenters haben mir den Vorwurf gemacht, daß ich mit Achtung von den Bischöfen gesprochen.“ „Was?“ schrie der Richter, „Baxter für die Bischöfe? das ist in der That ein köstlicher Einfall! ich verstehe, was Ihr unter Bischöfen versteht, Schufte, wie Ihr selbst, Kidderminster-Bischöfe, revolutionäre, schnüffelnde Presbyterianer!“ Noch einmal bemühte sich Baxter, zu Worte zu kommen, und wiederum schrie Jeffreys. „Richard, Richard, glaubst Du, wir werden Dir erlauben den Hof zu vergiften? Du bist ein alter Schurke, Richard, hast so viel Bücher geschrieben, daß man einen Wagen damit beladen könnte, und jedes Buch ist mit revolutionären Ideen angefüllt, wie ein Ei mit Flüssigkeiten! Bei der Gnade des Himmels, ich will mit Dir fertig werden. Wie ich bemerke, harrt eine große Anzahl Eurer Brüderschaft auf den Ausgang, um zu erfahren, welches Schicksal ihren Meister treffen wird. Und hier ist ein Doctor der Partei an Eurer Seite“, fuhr er fort, indem er mit wilden Blicken Bates betrachtete, „aber beim allmächtigen Gott, Ihr sollt alle der Vernichtung anheimfallen!“

Baxter schwieg, aber einer der jüngeren Advocaten, welchem die Vertheidigung zustand, machte einen letzten Versuch, um den Beweis zu liefern, daß die Worte, auf welche die Anklage gegründet war, die Auslegung nicht gestatteten, welche die Klagschrift angab. Zu diesem Behuf begann er den Inhalt derselben vorzulesen, aber sofort wurde er niebergebrüllt. „Ihr sollt den Gerichtshof in keinen Betsaal verwandeln!“ Als Baxter’s Freunde in lautes Weinen ausbrachen, nannte sie der Richter „blökende Kälber“.

Unter den Entlastungszeugen befanden sich auch mehrere Geistliche der Landeskirche, der Oberrichter aber wollte nichts hören. „Glaubt Eure Herrlichkeit“, fragte Baxter, „daß irgend eine Jury bei einem Verfahren wie das gegenwärtige den Angeklagten für schuldig erklären kann?“ „Das versichere ich Euch, Mr. Baxter“, entgegnete Jeffreys, „tragt keine Sorge darum!“ Jeffreys hatte wahr gesprochen, die Sheriffs waren Werkzeuge der Regierung, die Geschwornen von den Sheriffs aus den eifrigsten Anhängern der Torypartei genommen, und so beriethen sich diese nur wenige Augenblicke und sprachen dann das „Schuldig“ aus. Als Baxter den Gerichtshof verließ, sagte er: „Mylord, es gab einst einen Oberrichter, der ganz anders mit mir umgegangen sein würde!“ Er meinte seinen gelehrten und redlichen Freund, Sir Matthäus Hale. Jeffreys erwiderte: „Es giebt keinen anständigen Mann in England, der in Dir nicht einen Schurken erblicken wird!“[72]

Das Urtheil war für damalige Zeiten sehr mild. Was bei der Berathung unter den Richtern geschah, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Die Nonconformisten glaubten, und wohl mit Recht, daß der Oberrichter von seinen drei Kollegen überstimmt worden sei. Derselbe soll den Vorschlag gemacht haben, Baxter durch London hin den Staupbesen geben zu lassen. Die Majorität war der Ansicht, daß ein vorzüglicher Geistlicher, dem vor einem Vierteljahrhundert eine Mitra geboten wurde und der jetzt siebzig Jahre zählte, mit Geldbuße und persönlicher Haft hinreichend bestraft sein würde.[73]

[71.] Baxter’s Vorrede zu Sir Matthew Hale’s Judgment of the Nature of True Religion, 1684.

[72.] Man sehe den Observator vom 25. Februar 1685, die Klagschrift in der Collection of State Trials, den von Calamy im 14. Kap. von Baxter’s Lebensbeschreibung gegebenen Bericht von den Ereignissen im Gerichtshof und die sehr interessanten Excerpte aus Baxter’s Manuscripten in der von Orme 1830 herausgegebenen Lebensbeschreibung.

[73.] Baxter M.S. angeführt von Orme.

Zusammentritt des schottischen Parlaments. [Die] Behandlung, welche sich Baxter von einem Richter gefallen lassen mußte, der ein Mitglied des Kabinets war und sich der Gunst des Monarchen erfreute, beweist in nicht zu verkennender Art die Gesinnung, welche zu jener Zeit die Regierung gegen die protestantischen Nonconformisten hegte. Diese Stimmung aber hatte sich schon durch stärkere und entsetzlichere Andeutungen bemerkbar gemacht. Das schottische Parlament war zusammengetreten, Jakob hatte es sich angelegen sein lassen, die Versammlung dieser Körperschaft nach Kräften zu beschleunigen und die Sitzung der englischen Häuser in der Erwartung hinausgeschoben, daß das zu Edinburg gegebene Beispiel in Westminster eine vortheilhafte Wirkung äußern werde. Denn der gesetzgebende Körper im Norden seines Königreichs war so gefügig wie jene bretagnischen und burgundischen Provinzalstände, denen Ludwig XIV. noch immer mit einigen ihrer alten Rechte zu spielen erlaubte. Nur Bischöfliche hatten das Recht, im schottischen Parlamente zu sitzen oder auch nur hinein zu wählen, und in Schottland war ein Bischöflicher immer ein Tory. Von einer derartig constituirten Versammlung war für die Wünsche des Königs keine Opposition zu erwarten, und selbst diese Versammlung konnte ohne vorhergegangene Genehmigung von Seiten eines Ausschusses von Hofleuten kein Gesetz erlassen.