„At Doctor Fictus non Fictos pertulit ictus,
A tortore datos haud molli in corpore gratos,
Disceret ut vere scelera ob commissa rubere.“
Das Anagram seines Namens: „Testis Ovat“ ist auf vielen in den verschiedenen Ländern erschienenen Stichen zu finden.
[68.] Blackstone’s Commentaries, Chapter of Homicide.
Prozeß gegen Dangerfield. [Die] Schurkerei des Dangerfield hatte nicht wie die des Oates viele unschuldige Opfer vernichtet, indem Dangerfield das Geschäft eines falschen Zeugen erst zu betreiben anfing, als das Complot bereits seine Wichtigkeit verloren und die Geschwornen ungläubig geworden waren.[69] Man stellte ihn nicht wegen Meineids, sondern wegen des geringern Vergehens, eine Schmähschrift verfaßt zu haben, vor Gericht. Während der Aufregung, welche die Ausschließungsbill hervorrief, hatte er eine Erzählung in Umlauf gebracht, worin einige unwahre und heimtückische Beschuldigungen gegen den vorigen und den jetzigen König enthalten waren; in Folge dieser Veröffentlichung wurde er jetzt, nach Ablauf von fünf Jahren, plötzlich verhaftet, vor den Geheimen Rath gebracht, verhört, für schuldig erklärt und verurtheilt, von Oldgate nach Newgate und von da nach Tyburn gepeitscht zu werden. Der Unglückliche behauptete während der Verhandlungen eine große Keckheit, als ihm aber sein Urtheil bekannt gemacht wurde, erfaßte ihn die äußerste Verzweiflung, er betrachtete sein Leben als verloren und wählte einen Text zu seiner Leichenpredigt. Er hatte richtig geahnet. Wenn er auch nicht so ganz unmenschlich gepeitscht wurde wie Oates, so besaß er auch nicht dessen körperliche und geistige Kraft. Nach erlittener Strafe wurde Dangerfield in eine Miethkutsche gebracht und nach dem Gefängniß zurücktransportirt. Als er an der Ecke von Hatton Garden vorüberkam, hielt ein Tory von Gray’s Inn, mit Namen Francis, den Wagen an und rief mit brutaler Übermüthigkeit: „Nun Freund, ist es Euch diesen Morgen nicht warm geworden?“ Der blutbedeckte Gefangene, durch diesen Hohn zur Wuth gebracht, antwortete mit einem Fluche; da schlug ihn Francis sofort mit einem Rohrstocke über das Gesicht und verletzte ihm das Auge. Dangerfield wurde mit dem Tode ringend nach Newgate gebracht. Diese schändliche Gewaltthätigkeit empörte die Umstehenden dermaßen, daß sie Francis ergriffen und nur mit größter Mühe zurückgehalten wurden, ihn in Stücken zu reißen. Der Anblick von Dangerfield’s Körper, den die Peitsche entsetzlich zerfleischt hatte, ließ Viele glauben, daß sein Tod vorzüglich, wenn auch nicht allein durch die Peitschenhiebe verursacht worden sei; die Regierung aber und der Oberrichter hielten es für gut, die ganze Schuld auf Francis zu laden, dem man, obgleich er im schlimmsten Falle nur eines Todtschlags unter erschwerenden Umständen schuldig gewesen zu sein scheint, wegen Mordes den Prozeß machte und ihn hinrichten ließ. Seine letzte Rede ist ein höchst merkwürdiges Denkmal der Sitten jener Zeit. Der wilde Geist, der ihn an den Galgen brachte, blieb ihm bis zum letzten Augenblick. Prahlerische Versicherungen seiner Loyalität und Schimpfreden auf die Whigs wechselten ab mit Abschiedsseufzern, womit er seine Seele der Gnade des Himmels empfahl. Es circulirte ein Gerücht, daß Dangerfield, der ein schöner Mann war und im Rufe der Galanterie stand, von Francis’ Weibe geliebt worden sei, und man behauptete, die Eifersucht habe den verhängnißvollen Schlag geführt. Der dem Tode geweihte Ehemann nahm mit einem halb komischen, halb rührenden Eifer die Ehre seiner Gattin in Schutz. „Sie ist ein tugendhaftes Weib aus einem loyalen Geschlecht“, sagte er, „und wenn sie die Absicht gehabt hätte, ihr eheliches Gelübde zu brechen, so würde sie wenigstens einen Tory und Anhänger der Landeskirche zu ihrem Geliebten gewählt haben.“[70]
[69.] Nach Roger North entschieden die Richter, daß Dangerfield, der früher des Meineids überführt wurden, der Zeugenschaft in der Verschwörungsgeschichte unfähig sei. Das ist aber eines der vielen Beispiele von Roger’s Ungenauigkeit. Aus einem Berichte über den Prozeß des Lord Castlemaine im Juli 1680 geht hervor, daß nach vielen Debatten unter den Sachwaltern und langer Berathung unter den Richtern der verschiedenen Gerichtshöfe in Westminsterhall Dangerfield vereidet wurde und seine Erzählung vortragen durfte; die Jury aber schenkte ihm vernünftiger Weise keinen Glauben.
[70.] Über Dangerfield’s Prozeß fehlen die offiziellen Nachrichten, ich habe aber einen gedrängten Bericht darüber in einer gleichzeitigen Flugschrift gefunden. Ein Auszug des Beweises gegen Francis, so wie seine letzte Rede, befindet sich in der Collection of State Trials. Man sehe Eachard III. 741. Burnet’s Erzählung enthält mehr Fehler als Zeilen. Auch sehe man North’s Examen, 256, den Abriß von Dangerfield’s Leben in den Bloody Assizes, den Observator vom 29. Juli 1685, und das Gedicht mit der Überschrift: Dangerfields Ghost to Jeffreys. In dem sehr seltenen Band, betitelt: „Succinet Genealogies, by Robert Halstead“, erklärt Lord Peterborough, daß Dangerfield, mit dem er einigen Umgang hatte, ein junger Mann war, dessen anständiges Äußere, ernste Haltung und Rede mehr als gewöhnliche Bildung verriethen.
Prozeß gegen Baxter. [Zu] derselben Zeit betrat ein Angeklagter ganz andrer Art wie Oates und Dangerfield den Gerichtssaal der Kings Bench. Kein hervorragender Parteiführer ist jemals durch lange Jahre bürgerlicher und religiöser Unruhen schuldloser geblieben, als Richard Baxter. Er gehörte der mildesten und gemäßigtsten Klasse der Puritaner an und war noch ein junger Mann, als die Revolution ausbrach. Überzeugt, daß das Recht auf Seiten der Häuser sich befinde, übernahm er unbedenklich die Stelle eines Kaplans bei einem Regimente der Parlamentsarmee, und sein heller und etwas skeptischer Verstand, sowie sein starker Sinn für Gerechtigkeit schützten ihn vor allen Übergriffen. Er ließ es sich angelegen sein, die fanatische Wildheit der Soldaten zu zügeln, und mißbilligte die gewaltthätigen Handlungen des hohen Gerichtshofs. Während der Republik war er verwegen genug, bei vielen Gelegenheiten, und sogar einmal in Cromwell’s Anwesenheit, Liebe und Ehreehrbietung für die alten Staatseinrichtungen des Vaterlandes auszusprechen. Während die königliche Familie in der Verbannung lebte, hielt sich Baxter meistentheils zu Kidderminster auf und lag mit großem Eifer seinen geistlichen Pflichten ob. Er betheiligte sich aufs Angelegentlichste bei der Restauration und wünschte von ganzem Herzen eine Einigung, zwischen den Episcopalen und den Presbyterianern herbeizuführen. Mit einer, für die damalige Zeit seltenen Unbefangenheit betrachtete er die Fragen über die kirchliche Verfassung als von geringerer Bedeutung, als die großen Prinzipien des Christenthums, und hatte selbst damals, als das Prälatenthum von den dominirenden Gewalten am meisten gehaßt war, nicht in das Geschrei gegen die Bischöfe eingestimmt. Der Versuch, die feindlichen Parteien zu versöhnen, mißglückte. Baxter theilte freiwillig sein Schicksal mit dem seiner verbannten Freunde, wies den Bischofshut von Hereford zurück, entsagte der Pfarrei zu Kidderminster und beschäftigte sich nur mit seinen Studien. Seine theologischen Werke, obgleich zu gemäßigt, um den bigotten Anhängern einer der beiden Parteien zu gefallen, hatten einen großen Ruf. Eifernde Männer der Hochkirche nannten ihn einen Rundkopf, und viele Nichtconformisten schimpften ihn einen Erastinianer und Arminianer. Sein redliches Herz aber, so wie die Unbescholtenheit seines Lebens, die Stärke seiner Fähigkeiten und seine bedeutenden Kenntnisse erkannten die rechtlichsten und weisesten Männer jeder Glaubensrichtung an. Trotz der Unterdrückung, welche ihm und seinen Brüdern zu Theil geworden, hatten seine politischen Meinungen die Grenzen der Mäßigung nie überschritten. Er war ein Freund der kleinen Partei, welche die Whigs und die Tories haßten, und versicherte, nicht in die Verdammung der Trimmer einstimmen zu können, wenn er daran dächte, wer es gewesen sei, der die Friedensstifter gesegnet habe.[71]
In einem Commentar zum neuen Testamente hatte er mit einiger Bitterkeit über die Verfolgung geklagt, der die Dissenters ausgesetzt waren. Daß Männer, die, weil sie das Gebetbuch nicht benutzten, aus ihren Häusern vertrieben, ihres Eigenthums beraubt und in das Gefängniß gebracht wurden, es wagten, ihre Unzufriedenheit darüber kundzugeben, wurde damals als ein schweres Verbrechen gegen Staat und Kirche betrachtet. Roger Lestrange, der Kämpfer für die Regierung und das Orakel der Geistlichkeit, erhob im Observator den Kriegsruf, und es wurde eine Anklage geschmiedet. Baxter bat um eine Frist, seine Vertheidigung vorzubereiten. An demselben Tage, wo Oates im Palasthofe am Pranger stand, kam das berühmte Haupt der Puritaner, niedergedrückt von Alter und Kränklichkeit, nach Westminsterhall, um dieses Gesuch vorzutragen. Jeffreys schäumte vor Wuth. „Nicht eine Minute“, brüllte er, „und kostete es mein Leben. Ich werde mit Heiligen ebenso gut fertig, wie mit Sündern. Dort steht Oates auf einer Seite des Prangers, wenn Baxter auf der andren stände, so würden die zwei größten Halunken des Landes nebeneinander stehen.“