Ich ergreife diese Gelegenheit, die erste, die sich mir darbietet, um dem Vorsteher und dem Vicevorsteher des Magdalenencollegiums zu Cambridge für die freundliche Bereitwilligkeit zu danken, mit der sie mir die werthvollen Pepys’schen Sammlungen zugänglich machten.

[15.] Meine hauptsächlichsten Autoritäten für diese finanziellen Angaben finden sich in den Commons’ Journals vom 1. und 20. März 1688—89.

Das Militairsystem. [Auf] unsrer Insel hingegen konnte man lange leben und weite Reisen machen, ohne ein einziges Mal durch irgend einen kriegerischen Anblick oder Ton daran erinnert zu werden, daß die Vertheidigung der Nationen eine Wissenschaft und ein Beruf geworden war. Die meisten jungen Engländer unter fünfundzwanzig Jahren hatten vielleicht noch nie eine Compagnie regulärer Truppen gesehen, und von den Städten, welche zur Zeit des Bürgerkrieges feindliche Heere tapfer zurückgeschlagen hatten, war kaum eine jetzt im Stande, eine Belagerung auszuhalten. Die Thore waren Tag und Nacht geöffnet, die Gräben waren ausgetrocknet und die Wälle hatte man verfallen lassen oder sie nur in so weit erhalten, damit sie den Bewohnern an schönen Sommerabenden zu einem angenehmen Spaziergange dienen konnten. Von den alten Stammburgen der früheren Barone waren viele durch die Kanonen Fairfax’ und Cromwell’s zerschmettert und lagen jetzt in Trümmerhaufen, auf denen Epheu wucherte. Die verschont gebliebenen hatten ihren kriegerischen Character verloren und waren jetzt ländliche Paläste des hohen Adels. Die Wallgräben waren in Behälter für Karpfen und Hechte verwandelt, die Mauern waren mit duftenden Sträuchern und Gebüschen bepflanzt, zwischen denen sich gewundene Pfade zu reizenden Lusthäusern schlängelten, die mit Spiegeln und Gemälden reich geschmückt waren.[16] Auf den Vorgebirgen der Seeküste und auf vielen Anhöhen des Binnenlandes sah man noch hohe Pfähle mit leeren Fässern auf den Spitzen derselben. Diese Fässer waren einst mit Pulver gefüllt gewesen. In Zeiten der Gefahr wurden hier Wachen aufgestellt, und wenige Stunden nachdem ein spanisches Segel im Kanal entdeckt oder nachdem ein Schwarm schottischer Räuber über den Tweed gegangen war, loderten funfzig Meilen in der Runde Signalfeuer empor und ganze Grafschaften traten unter die Waffen. Doch viele Jahre waren verflossen, seit die Lärmfeuer geleuchtet hatten, und sie wurden nur noch mehr als merkwürdige Erinnerungszeichen an alte Sitten, denn als Theile einer für die Sicherheit des Staates nöthigen Einrichtung angesehen.[17]

Die einzige Armee, die das Gesetz anerkannte, war die Miliz. Diese Streitmacht war durch zwei kurz nach der Restauration erlassene Parlamentsacte umgestaltet worden. Jeder, der aus Grundeigenthum ein jährliches Einkommen von fünfhundert Pfund bezog oder ein bewegliches Vermögen von sechstausend Pfund besaß, war verpflichtet, auf seine Kosten einen Reiter zu liefern, zu equipiren und zu unterhalten, und wer funfzig Pfund jährlich von Grundbesitz bezog oder sechshundert Pfund bewegliches Vermögen hatte, mußte in gleicher Weise einen Lanzknecht oder einen Musketier stellen. Kleinere Grundbesitzer wurden zu einer Art Societät verbunden, für welche unsre Sprache keinen besonderen Namen hat, die aber ein Athenienser eine Synteleia genannt haben würde, und jede solche Societät war gehalten, je nach ihren Mitteln einen Reiter oder einen Fußsoldaten zu liefern. Die Gesammtzahl der auf diese Weise zusammengebrachten Reiterei und Infanterie wurde gewöhnlich auf hundertdreißigtausend Mann geschätzt.

Kraft der alten Verfassung des Reichs und durch die neuere feierliche Anerkennung beider Parlamentshäuser war der König der einzige Generalcapitain dieser starken Streitmacht. Die Lord Lieutenants und ihre Stellvertreter befehligten unter ihm und bestimmten die Zusammenkünfte zur Waffenübung und Musterung. Diese Übungen und Musterungen durften jedoch nicht mehr als vierzehn Tage im Jahre Zeit wegnehmen. Die Friedensrichter waren ermächtigt, für Disciplinarvergehen leichte Strafen zuzuerkennen. Die Krone trug zu den gewöhnlichen Kosten nichts bei; wenn aber die Miliz gegen den Feind aufgeboten wurde, so fiel ihr Unterhalt den allgemeinen Staatseinkünften zur Last und sie war dann der äußersten Strenge der Kriegsgesetze unterworfen.

Von Vielen wurde jedoch die Miliz nicht mit freundlichem Auge betrachtet. Leute, die oft auf dem Continent gereist waren und die trotzige Entschiedenheit bewundert hatten, mit welcher in den von Vauban erbauten Festungen jede Schildwache sich bewegte und sprach, die die gewaltigen Heere gesehen hatten, die sich auf allen Straßen Deutschlands dahin wälzten, um den Osmanen von den Thoren Wiens zu verjagen, und die über die wohlgeordnete Pracht der Haustruppen König Ludwigs gestaunt hatten, machten sich bei jeder Gelegenheit darüber lustig, wie die plumpen Bauern von Devonshire und Yorkshire marschirten, sich bewegten und ihre Gewehre oder Piken trugen. Die Feinde der Freiheiten und der Religion Englands blickten mit entschiedener Abneigung auf eine Streitmacht, welche nicht ohne die größte Gefahr gegen diese Freiheiten und gegen diese Religion verwendet werden konnte, und sie benutzten jede Gelegenheit, um das ländliche Kriegsvolk zu verspotten.[18] Und selbst aufgeklärte Patrioten mußten bei Vergleichung der ungeübten Truppen mit den wohl disciplinirten Bataillonen, welche in Kriegszeiten binnen wenigen Stunden an die Küste von Kent oder Sussex gelangen konnten, eingestehen, daß, so gefährlich auch die Unterhaltung eines stehenden Heeres sein könne, es am Ende doch noch weit gefährlicher sei, die Ehre und Unabhängigkeit des Landes in einem Kampfe zwischen Bauern unter der Anführung von Friedensrichtern, und langgedienten Kriegern unter dem Commando der Marschälle Frankreichs aufs Spiel zu setzen. Im Parlament mußte man jedoch solche Ansichten mit einiger Vorsicht aussprechen, denn die Miliz war eine außerordentlich populäre Institution. Jede tadelnde Bemerkung gegen dieselbe erregte den Unwillen beider großen Parteien im Staate und ganz besonders derjenigen, die sich vorzugsweise durch ihren Eifer für die Monarchie und für die anglikanische Kirche auszeichneten. Das Aufgebot der Grafschaften wurde fast ausschließlich durch Tories vom Adel und von der Gentry befehligt, und diese, stolz auf ihren militairischen Rang, betrachteten jede Beleidigung des Dienstes, dem sie angehörten, als eine Beleidigung ihrer selbst. Auch erkannten sie recht gut, daß Alles was gegen die Miliz gesagt wurde indirect für ein stehendes Heer sprechen sollte, und der bloße Name eines stehenden Heeres war ihnen schon verhaßt. Eine solche Armee hatte bereits einmal in England geherrscht und unter dieser Herrschaft war der König ermordet, der Adel seiner Ehren und Titel beraubt, die bürgerlichen Grundbesitzer ausgeplündert und die Kirche verfolgt worden. Es gab kaum einen Landedelmann, der nicht eine Geschichte von Beschimpfungen und Unbilden zu erzählen wußte, die er oder sein Vater von Seiten der Soldaten des Parlaments zu ertragen gehabt hatte. Jener alte Cavalier hatte es mit ansehen müssen, wie die Hälfte seines Stammschlosses in die Luft gesprengt ward; einem Andern waren seine uralten Ulmen umgehauen worden; ein Dritter konnte nicht in die Kirche seines Sprengels gehen, ohne durch die verstümmelten Wappen und Standbilder seiner Ahnen daran erinnert zu werden, daß Cromwells Rothröcke einst diese Räume zum Stall für ihre Pferde benutzt hatten. In Folge dessen waren gerade die Royalisten, welche am bereitwilligsten persönlich für den König gekämpft haben würden, die Letzten, von denen er die Mittel zur Werbung regulärer Truppen zu verlangen wagen durfte.

Gleichwohl hatte Karl einige Monate nach seiner Wiedereinsetzung angefangen, eine kleine stehende Armee zu errichten. Er fühlte, daß ohne einen besseren Schutz als den der Miliz und seiner Leibwächter sein Palast und seine Person in der Nähe einer großen Stadt, in der es von eben erst entlassenen kriegslustigen Männern der fünften Monarchie wimmelte, kaum sicher sein würden. Trotz seiner Sorglosigkeit und Verschwendungssucht beschloß er daher, seine Ausgaben für Vergnügungen in soweit zu beschränken, daß er die zum Unterhalt einer Leibgarde erforderliche Summe ersparte. Mit der Zunahme des Handels und des öffentlichen Wohlstandes vermehrten sich auch seine Einkünfte, und er wurde dadurch in den Stand gesetzt, trotz des gelegentlichen Murrens der Gemeinen, seine reguläre Streitmacht nach und nach zu verstärken. Noch wenige Monate vor dem Ende seiner Regierung erhielt dieselbe einen ansehnlichen Zuwachs. Die kostspielige, nutzlose und ungesunde Besitzung Sanger, wurde den umwohnenden Barbaren überlassen und die aus einem Regiment Reitern und zwei Regimentern Fußvolk bestehende Garnison nach England zurückgebracht.

Die kleine Armee, welche Karl II. auf diese Art gebildet, war der Keim zu seinem großen und berühmten Heere, das in dem gegenwärtigen Jahrhundert siegreich in Madrid und Paris, in Canton und Kandahar eingezogen ist. Die Leibgarden, welche jetzt zwei Regimenter bilden, bestanden damals aus drei Abtheilungen, von denen jede ohne die Offiziere zweihundert Carabiniers zählte. Dieses Corps, dem die Bewachung des Königs und der Königlichen Familie anvertraut war, hatte einen ganz eigenthümlichen Character. Selbst die Gemeinen wurden „Gentlemen von der Garde“ genannt; viele von ihnen waren von guter Familie und hatten während der Bürgerkriege Offizierstellen bekleidet. Ihr Sold war bedeutend höher als in unsrer Zeit der des bevorzugtesten Regiments und würde damals als ein ganz anständiges Einkommen für den jüngeren Sohn eines Landedelmanns betrachtet worden sein. Ihre schönen Pferde, ihre kostbaren Schabracken, ihre Brustharnische und ihre mit Bändern, Sammet und Goldtressen reich verzierten Wämser nahmen sich in St. James Park prächtig aus. Jeder Abtheilung war ein kleines Corps Grenadier-Dragoner beigegeben, welche von niederer Herkunft waren und auch geringeren Sold erhielten. Eine andere Truppe Leibcavallerie, die sich durch blaue Röcke und Mäntel unterschied und daher noch jetzt „die Blauen“ genannt wird, lag gewöhnlich in der Umgegend der Hauptstadt in Garnison. Eben so stand in der Nähe der Hauptstadt das Corps, welches gegenwärtig als das erste Dragonerregiment bezeichnet wird, damals aber das einzige derartige Regiment der englischen Armee war. Dieses Regiment war erst kürzlich aus der von Tanger zurückgekehrten Reiterei gebildet worden. Ein besonderer Zug Dragoner, der keinem Regiment angehörte, stand unweit Berwick, um die Räuber des Grenzgebiets im Schach zu halten, denn zu diesem Dienste wurde der Dragoner als besonders geeignet betrachtet. Später ist er ein bloßer Reitersoldat geworden; im siebzehnten Jahrhundert aber beschrieb ihn Montecucculi genau als einen Fußsoldaten, der sich des Pferdes nur dazu bediente, um schneller an den Ort zu gelangen, wo es militairischen Dienst zu verrichten gab.

Die Gardeinfanterie bestand aus zwei Regimentern, welche damals, wie noch jetzt das erste Regiment Fußgarden und die Coldstreamgarden genannt wurden und in der Regel um Whitehall und St. James Palast Dienste thaten. Da es damals noch keine Kasernen gab, nach der „Petition um Recht“ aber Militair in Privatwohnungen nicht einquartirt werden durfte, so waren alle Alehäuser in den Stadttheilen Westminster und Strand mit Rothröcken angefüllt.