»Mein Fräulein —«
»Es thut mir herzlich leid, daß Sie meinetwegen solche Unannehmlichkeiten hatten. Ich danke Ihnen für den Beistand.«
Sie sprach deutlich, mit einem leisen Anflug des hannoverschen Accents.
»O, bitte, bitte, mein Fräulein!« stammelte ich noch ganz überrascht. »Ich bedaure nur, daß ich die Sache so ungeschickt angefangen. Man hätte ihm den Raub dennoch wieder abjagen müssen!«
»Sie sind fremd hier, mein Herr,« fiel sie ein, »Sie kennen dergleichen noch nicht. Es ist nichts gegen sie zu machen, und auch die Bank muß sie gewähren lassen.«
Aber, mein Gott, war sie denn nicht auch fremd hier? War sie denn so unheimlich vertraut mit den Fährlichkeiten der »Hölle,« daß sie mit solcher Sicherheit sich in diesen Dingen äußern konnte? — eine junge Dame von zwanzig Jahren, dazu eine Deutsche!
»Sie sind schon länger hier, mein Fräulein? Sie haben schon lange — gespielt?« Es war mein Erstaunen, das mir diese Frage auspreßte.
»Wir sind schon drei Jahre hier,« warf sie zögernd in einem dumpfen Tone hin, ohne mich anzusehen, das Köpfchen wie in einer plötzlichen Scham zur Seite gewandt.
Ich hatte gehört, es giebt in Monaco ganze Familien, schiffbrüchige Existenzen, die in harter, systematischer Tagesarbeit dem grünen Tisch den Unterhalt ihres erbärmlichen Lebens abringen.
Währenddem waren wir die paar Stufen hinabgeschritten.