»He, Madame?! Madame!«
Umsonst alle Fragen und alles Rütteln. Der Kopf, den eine Art Haube mit zerknitterten und verschossenen Bändern bedeckte, war ganz vornüber genickt. Man wollte ihn aufheben, da fuhr eine der Damen, die sich um die Kranke bemühten, mit einem Schrei empor. Ein Paar so unheimlich glasige Augen hatten sie aus den Falten eines wachsfarbenen, verzerrten Antlitzes angestarrt ....
»Ein Arzt! Ist vielleicht ein Arzt da?«
»Faites votre jeu, messieurs!«
Eine Ohnmächtige! — die Luft ist so schlecht hier im Saal, und die ungeheure Aufregung — dergleichen kommt wohl vor. Es hat nichts zu bedeuten. Man muß sie nur fortschaffen. Der Anblick stört das Geschäft!
Jetzt ist ein zufällig anwesender Arzt damit beschäftigt, den Zustand der Ohnmächtigen zu untersuchen. Steif und schwer sinkt das ausgestreckte Ärmchen, dessen Hand noch so eigenartig gekrallt ist, als wäre sie eben im Begriff gewesen, aus einem Goldhaufen zu schöpfen, auf den Tisch nieder. Der Arzt zieht langsam Schultern und Brauen empor, und mit einem seltsam verlegenen Lächeln flüstert er ein Wort.
»Rien ne va plus!« schallt es von der Bank her.
Und das Wort des Arztes wird von diesem Ruf übertönt. Aber dennoch hat man es verstanden. Etwas Fürchterliches, Unheimliches! Von Mund zu Mund fliegt es sofort, und die aufgeschreckten Augen bestätigen es.
Tot!
Der Tod an dem Roulette! Das Schicksal, das einen Menschen vom grünen Tisch jäh hinwegzerrt, da er eben seine gierig zitternde Hand nach ein paar elenden Goldstücken ausstrecken wollte! — Doch nicht etwa nach jenen Millionen? Nun, man ist nicht sicher; aber später, als die Aufregung sich gelegt, als die Millionen längst wieder von der Bank zurückgezogen waren, wollten benachbarte Spieler sich erinnern, daß jene beiden Louis von einer gewissen winzigen Hand auf die zéro vorgeschoben worden waren. Die Hand gehörte einer Marquise M., einer der eifrigsten Habitués des grünen Tisches. Welch eine grauenerregende Tragikomödie des Schicksals!