»Ich will mich amüsieren, weiter nichts! Ich hab mich ferm dazu engagiert. Ich hab’ es versprochen. Ich will, ich muß! Drei Tage heidi — heida! Ich will, ich muß! Dann meinetwegen kann kommen, was will —«
Zwischen ihren Brauen war wieder das Gewetter feinzuckender Fältchen. »Ich will! ich muß!« Und ihr Füßchen, bis zum Knöchel nur von dem buntbesetzten Phantasieröckchen bekleidet, stapfte trotzig auf.
»So, also nur aus Prinzip?«
»Frag’ mich nit! Laß uns lustig sein! Und weil du mir gefällst, — bon, so wollen wir uns zusammen amüsieren!«
»Ich lieb’ Dich! Du bist das Süßeste, Herrlichste ...«
»Bis’ still! bis’ still! Sei nit närrisch! Sie kennen mich ja nit —« kicherte sie. »Ich bin schlimm. Und für den Moment bin ich durstig!«
An der hinteren Schmalseite des Saales, auf der Stufenestrade unter der großen Konzertorgel standen kleine runde Tischchen à deux, und wir gewannen ein solches im Wettkampf mit anderen isolierlustigen Paaren.
Ein köstlicher Sitz. Unter uns, vor uns das hüpfende, stampfende, wimmelnde Gewühl des tanzenden Saales. Buntes und Flimmerndes durcheinander huschend, Farben und Lichter in einem bläulichen Staubdunst verhauchend. Wir sind glücklich gerettet aus der närrischen Brandung, die dort unten wogt, so kommt es uns vor, und, so sitzend und plaudernd, Aug in Auge, und mit tüchtigen, balldurstigen Schlucken den prächtigen Wein schlürfend, fühlen wir uns so wunderschön geborgen hier oben; selbst die Musik will uns nicht zu oft hinablocken. Nicht als ob wir uns so Wichtiges mitzuteilen hätten. Wir hatten Wohlgefallen aneinander — wir gehörten zu einander, für diesen Karneval wenigstens, und dies Gefühl hielt uns zu einander gefesselt wie eine stumme Absprache. Ein Gelüst wollte mir vorgaukeln: auf viel länger vielleicht ... Ach, du fröhliche, ach du selige Jugendzeit! Ach du wundervolles Schmetterlingsrecht, das zwei junge Menschenkinder, die sich auf einem schimmernden Blumenkelch zufällig getroffen, auf ein Eintags-Mein-Dein zusammenschwören heißt — gegen das blöddumme Vorurteil, das überall Verderbnis wittert!
Sie sah reizend aus. Ein mit Gold und Flitter besetztes altdeutsches Häubchen, das ihr dunkles Wellenhaar nur schwer bändigte, kleidete sie entzückend. Es war keine ausgesprochene Charaktertracht, gleichsam aus dem Stegreif zusammengesetzt, wie es im ersten Hinhalten vor dem Spiegel kleidete. Der Hals, weiß und marmorn fest, bis zu den halben Schultern entblößt. Wie das Köpfchen sich auf diese elastische Halsrundung setzte! und ihre Taille, welch eine reizvolle Verbindung üppiger Jugendblüte mit zarter schlanker Grazie! Das Leutenantsblut ließ mir keine Ruhe, und ich fiel von Zeit zu Zeit immer wieder in die Banalität von Begeisterungsrufen.
Zuletzt wehrte sie mir mit einer Miene, über die ein Schatten fast dunkelkühl daherstrich. Traurig, nicht ernstlich, wie ein Bitten, das aus ihrem Herzen kam: