Nur ein Achselzucken zur Antwort. —

Weitere drei Tage später befahl der Tyrann im komisch polternden Ärger, daß ihm die B.-Zeitung nicht mehr auf den Tisch käme. War sie nicht schuld gewesen, daß er nicht den Mut fand, einen gewissen Lieutenant Schneidig (bloß Schneidig!), als er um die Hand seines Goldkindes warb, abzuweisen?

Weil sie sich lieben .... Das wäre ja kein Grund gewesen! »Na aber meinetwegen!«


Andante con moto.

1. »Meine liebe, schmerzlich geliebte Emmy! Ja mit schmerzlich bewegtem Herzen schreibe ich Dir diese Zeilen. Lange, lange Zeit habe ich mich gegen den Entschluß dieses Briefes gesträubt, ich habe mir das Gehirn zermartert nach einem Ausweg; wäre mir ein gläubiges Gemüt bewahrt geblieben, gewiß ich hätte auch das Mittel nicht unversucht gelassen, um uns die Hülfe der Himmelsmacht zuzuwenden. Aber alles vergeblich — es ist das Ende!

Geliebte! Elf Jahre lang hat der Bund unserer Herzen gewährt. Ob wir glücklich waren? Die Stunden des Glückes aufzuzählen wäre eine Trivialität; es wäre eine Vermessenheit, mit dem Schicksal zu hadern, weil es uns diese wenigen Stunden mit so mancher bitteren Enttäuschung, mit so mancher vereitelten Hoffnung aufgewogen.

Es ist möglich, daß ich den Kampf mit dem Leben tapferer hätte aufnehmen können — meine träumerische, unpraktische Natur ist mein und Dein Verhängnis geworden: das Ideal im Auge, stolperte ich fort und fort. So ist es mir nicht vergönnt gewesen, ein bescheidenes Plätzchen zu erobern für Dich und mich, wo wir unser Glück genistet hätten. Es wird mein Geschick sein, zeitlebens die Dienerstellung eines Hauslehrers zu bekleiden — und Du Arme, Ärmste wirst vergeblich der Misère des Gouvernantentums zu entfliehen suchen.

So ist es besser, wir lösen unsern Bund! So hart es ist, dies auszusprechen, ich weiß, daß Dir dieser Vorschlag nichts Neues ist. Zwischen den Zeilen unserer Briefe lauerte er wie ein Gespenst seit Jahren schon. Aber wir fanden beide nicht den Mut, meine arme Emmy! Wohlan so sei es denn!

Ich bitte Dich, meinen Vorschlag so ruhig und objektiv hinzunehmen, als Du vermagst. Ich bitte Dich zu prüfen, ob Du tapfer genug bist, eine neue Wartezeit von vielen Jahren zu beginnen, und ob unsere Liebe solche Probe bestehen würde?