Am Morgen des dritten Tages, beim Frühstückstisch, bekam der Generalkonsul von seiner Gattin ein Zeitungsblatt hingeschoben: »Da lies einmal — da unten das: ›Sie liebten sich‹ — fängt es an.«
Mit einem Runzeln seiner roten, wulstigen Stirn würdigte er die Stelle eines Blickes, machte hm! schob seine Unterlippe zu einer Schaufel vor, versuchte ein mitleidiges Lächeln über seine feisten Züge gleiten zu lassen, und ging dann mit einem Räuspern zu anderem über. Aber sie beobachtete ihn scharf mit ihren grauen Äuglein: — jetzt, ja jetzt ist er abermals an der betreffenden Stelle! Die hat also doch Eindruck auf ihn gemacht?
Es war unter der angegebenen Spitzmarke der pikante Bericht über einen kleinen Berliner Liebesroman. Der Sohn eines weltbekannten Finanzmannes, der ein einfaches Mädchen liebt, und da er unmöglich die elterliche Einwilligung zu dieser Mesalliance erlangen wird, so jagt er sich eine Kugel in die Brust — eine beliebte Variation auf das bekannte Thema. Jetzt, heißt es, ist die Verzweiflung des Vaters groß, er bietet den Ärzten ein Vermögen, wenn sie ihm seinen Einzigen (auch ein solcher!) retten, dann soll ihm auch kein Veto im Wege stehen! ja, man will sogar wissen, daß das zukünftige Schwiegertöchterlein im Verein mit dem Vater das Krankenlager hütet ...
»Ich bin begierig auf die Fortsetzung« — warf die Generalkonsulin nach einer Weile tonlos hin.
»Ah, die Dummheit dort in dem Blatt« — prustete er.
O, er weiß also doch, was ich meine! Es beschäftigt ihn stark! triumphierte sie.
»Siehst Du, Gustav, Else ist so eigentümlich — sie gefällt mir gar nicht.«
»Das giebt sich —«
»Sie ist ein resolutes Ding. Wenn man so was liest, so kann einem angst und bange werden ...«
»Wie meinst Du das?«