Scherzando.
Sie liebten sich. Unter dem Weihnachtsbaum hatten sie sich kennen gelernt; schon als er dort ausgestreckt lag auf dem einen Bescherungstischchen mitten unter Bilderbüchern und allerlei Spielzeug, schielten seine spaßigen Pulcinellaugen nach ihr herüber, die großartig aussah, wie es einer Dame von ihrem Kaufpreis, mit echtem blonden, frisierbaren Menschenhaar und mit einer sprechenden Pariser Maschine in der Brust geziemte. Er hieß Monsieur Pierre und sie Mademoiselle Ange. Er war der zierlichste bunteste Hanswurst, voll Späßchen und Mätzchen, im Herzen aber ein treuer und braver Kerl. Sie behauptete, noch nie einen so schönen Höcker gesehen zu haben, ja in ihrer bizarren Art sprach sie es offen aus, daß sie ihn hauptsächlich dieses prächtigen, mit Schellen behangenen Auswuchses wegen liebte.
Ihre Liebe kam zur offenen Erklärung, als sie sich an dem kleinen Puppentisch einander gegenüber saßen und den sogenannten Pudding verzehren sollten, der ihnen von Kinderhand auf dem blanken Spiritusöfchen aus allerlei Küchenresten zubereitet worden war.
»Ich liebe Pudding nicht!« sagte Fräulein Ange schnippisch.
»Ich ebenfalls nicht!« knurrte er. »Aber ich liebe Sie, Fräulein! — Sie haben die herrlichsten Augen, die ich je bei einer Puppe gesehen!«
»O wirklich?« flötete sie entzückt, und mit einem ganz feinen Geklapper schnappten ihre drehbaren Augen nach ihm herum. Die seinen waren fest, und er mußte jedesmal den ganzen Körper mitwenden, das gab ihm das Aussehen eines mit einem Hexenschuß Behafteten.
»Ihr Höckerchen ist reizend!« erwiderte sie zur Belohnung. Verstohlen hinter dem verschmähten Pudding fanden sich ihre Hände, seine steife geschnitzte Holzhand und ihr weißes hartes, stets kühles Porzellanhändchen.
Seitdem erfüllten sie mit ihrem Liebeswerben und ihren augenverdrehenden Zärtlichkeiten alle Winkel der Kinderstube — Eltern sollten sich hüten, ihren Kleinen solche verliebten Puppengeschöpfe zu schenken!
Eines Tages wurde dem Monsieur Pierre von einem kleinen patscheligen, nicht ganz reinlichen Kinderhändchen ein Bein ausgerissen.