»O«, sagte Fräulein Ange, »ich will Ihnen gern eins von den meinen abgeben — ich hatte längst vor, mir ein paar neue hübschere Stelzchen zuzulegen.«
»O ich bitte sehr!« wehrte der arme Pierre, aber es half ihm nichts, die großmütige Laune von Fräulein Ange bestand darauf, daß er sich eines ihrer für ihn viel zu kurzen Beinchen anheften ließ, während sie sich ein elegantes neues Paar mit durchbrochenen Strümpfchen und Hackenschuhen kaufte. Da hinkte er freilich mit seinem ungleichen Beinwerk, das amüsierte sie aber, — ei, was that er nicht, um sie bei Laune zu erhalten?
Eines anderen Tages ihres kurzlebigen Puppendaseins zerbrach sich Fräulein Ange ihren Kopf, ein klaffender Schädelriß von einem Ohr zum andern. Der gute Pierre erschrak aufs heftigste und war trostlos.
»Was fällt Ihnen ein, zu flennen!« rief Ange — »ausgezeichnet! jetzt fahre ich nach der großen Puppenklinik in der Leipzigerstraße und lasse mir den schönsten Patentkopf aufsetzen, der zu haben ist, der da« — und sie schlug mit der Hand gegen die hohle Scherbe — »paßte mir längst nicht, ich will mich verändern!«
Gesagt, gethan: der neue Kopf war ein Prachtstück mit braunen, noch echteren Menschenhaaren und lächelnden Zähnchen. Pierre fand ihn entzückend, aber siehe da, mit dem neuen Kopf hatte die Angebetete auch ihren Charakter verändert, sie war launisch und hochmütig und behandelte ihn schlecht. Zum Beschluß all seiner Qualen erhielt er sogar den Abschied und weswegen?
»Ich vergeß’ Ihnen das nicht, daß Sie mir nicht, als ich meinen Kopf zerbrochen hatte, den Ihrigen anboten, Monsieur Pierre!«
»O Gott — er hätte, er hätte Ihnen ja nicht gepaßt, Fräulein!« stotterte Pierre.
»Warum nicht? Mir paßt alles! Aber Sie sind nicht galant, Sie sind nicht dankbar, habe ich Ihnen nicht eins von meinen Beinen abgelassen? Mir paßt, wie gesagt, alles — nur Sie passen mir nicht mehr, verstehen Sie!«
Der arme Pierre! Eine Woche lang war er außer sich vor Schmerz und lag mit dem Kopf nach abwärts in einem Baukasten, die beiden ungleichen Beine aufwärts gestreckt. Bald aber fand er einen Trost. Eine niedliche kleine Elsässerin that es ihm an. Freilich ganz stumm und nicht sehr witzig, auch machte es ihm nicht viel Mühe, sie zu erobern. Er überraschte sie mit einem »Vive la France!«, umfaßte dann ihre Taille und flüsterte ihr in seinem verliebtesten Tone ins Ohr: »Je vous aime!« So ein Schwerenöter!