Plötzlich stürzten Thränen aus ihren Augen — leidenschaftlich brach es hervor: — »Du willst mich täuschen, Maggi! — es ist Not im Anzug! Und davon erfahre ich nichts! — Bin ich — bin ich denn nicht Dein Weib?«
Sie schluchzte. Er suchte sie zu beruhigen.
»Siehst Du — es wäre besser gewesen — für uns beide — ich wäre gestorben! — warum hast Du mich geheiratet! —«
»Weil ich Dich liebe! — weil ich nicht ohne Dich leben konnte! — weil ich zu Grunde gegangen wäre ohne Dich!«
Er preßte sie inniger an sich.
»Und Du willst mir nicht einmal die Wahrheit sagen? — lieber geh’ ich von Dir, als daß ich eine Lüge dulde zwischen uns —« trotzte sie. »Jetzt sagst Du mir alles!«
Er fand, daß es das beste wäre zu beichten. Wie er von Stelle zu Stelle lavierte, nichts Passendes, nichts Anständiges fand; wie er sie täuschte und belog, um sie jetzt in ihrem Zustande nicht zu ängstigen. Aber sie soll fortan die volle Wahrheit hören, wenn sie es denn will! Er will keine heitere Miene mehr heucheln, wenn es ihm schwer ums Herz ist —
»Ach was! schwer ums Herz!« rief er — »ich liebe Dich! — Du liebst mich —«
Verwundert blieben einige Passanten drüben auf der Mauerseite stehen, wie rücksichtslos stürmisch am hellen Mittag dort der starke Mann das schlanke Weib an seine Brust preßte.
Und die Seligkeit dieses Mein- und Deinseins wandelte sie bald wieder zu Kindern. Eine halbe Stunde darauf standen sie vor einem Laden der Leipziger Straße, der Erstlingsausstattungen liegen hatte, und weideten sich an all den duftigen, spitzenumhauchten Herrlichkeiten. Emmys Gesichtchen glühte. Allerlei bedeutsame Bemerkungen wurden zwischen ihnen geflüstert; in köstlicher Verlegenheit lächelten sie beide.