»Komm doch hinein!«

Er wollte sie nach dem Eingang des Ladens drängen; aber sie wehrte.

»Nein, nein, nein — jetzt auf keinen Fall! — es soll trotzdem nicht zu kurz kommen!«

»Mein gutes, liebes Weib!« hauchte er hin, und seine Blicke ruhten verklärt auf ihr, während sie beide durch das Gewühl der Straße weiter schritten.

Von da ab nahm die ehemalige Kassiererin von Kapp und Müller die ökonomische Regelung des Haushaltes in die Hand. Anfangs erschrak sie, auf wie schwankendem Untergrund diese Ehe gegründet worden war. Und ihretwegen hat er sich in dies Elend gestürzt!

Die Lage war ziemlich trostlos. Der Vorrat an Pretiosen war versiegt, Magnus hatte gewirtschaftet, als wenn ihm der unerschöpfliche Arnheim der Firma Joël noch zur Verfügung stände. Sein ehemaliger Reichtum erwies sich als ein Fluch.

Doch jetzt ist keine Zeit, da zu sitzen und zu grübeln und sich von schweren Gedanken niederdrücken zu lassen! Jetzt gilt es tapfer zu sein!

Sie ordnete eine Beschränkung des Haushalts an; vom ersten Januar würden sie eine noch viel kleinere Wohnung beziehen. Sie verrichtete Wunder der Sparsamkeit; zumeist heimlich, daß er es nicht merkte, denn sie sah, wie es ihn schmerzte, sie darben und sich in den kümmerlichen Verhältnissen krümmen zu sehen.

Magnus hatte in dem Bureau eines Konsortiums zum Bau elektrischer Arbeitsbahnen ein Unterkommen gefunden. Er paßte als Kaufmann dort nicht hin, aber man gab vor, seine stilistischen Fähigkeiten für die Korrespondenz zu verwerten — in Wahrheit handelte es sich um den Namen Joël, der in den Manipulationen der Gesellschaft ein effektvolles Schild abgab, ja sogar als Köder herhalten mußte. Man bezahlte ihn erbärmlich, versprach ihm aber um so mehr. Wieder schämte er sich, seine Lage vor Emmy offen darzulegen. Er hoffte in seiner sanguinischen Art in die blaue Zukunft hinein. Unterdes versank er in Schulden, ehe er sich dessen versah.