Der Mann wunderte sich über die Erregung. Emmy errötete, den wahren Grund ihrer Weigerung wagte sie nicht anzugeben —: das Schränkchen hatte zur Aufbewahrung der fertigen oder in Arbeit begriffenen Kinderausstattung gedient. Es war ihr eine so wundersame Freude, die Thüren desselben zu öffnen und sich mit den winzigen Sächelchen zu beschäftigen. So war ihr das Schränkchen zu einer Art Heiligtum geworden.
»Das nimmermehr! Nehmen Sie sonst alles!«
Herr Moller war wohl an dergleichen Sonderheiten gewöhnt. Er wählte also ein paar andere Möbel, die ihm entbehrlich schienen und brachte seine Siegel an, die Operation, wie er es nannte, mit Aufzählung schlimmerer Fälle, wie zur Beruhigung, begleitend.
Dumpf brütend saß sie da, als er fort war, der Schreck zuckte in ihr nach. Da klingelte es abermals — der Briefträger.
Mechanisch nahm sie den dargereichten Brief, betrachtete ihn — er sah recht gleichgültig aus, sie kannte die Schrift nicht — etwas Geschäftliches? — vielleicht abermals eine Mahnung? —
Und mit ganz mechanischen Griffen, all der Gedanken voll, öffnete sie das Couvert.
Gleich, als sie die Überschrift sah, ward sie sich des Mißgriffes bewußt. »Lieber Bruder!« stand dort.
Aber unmöglich, das Folgende nicht zu lesen! — wenigstens nicht einen Blick in die Zeilen zu werfen. Was ist geschehen? Gisbert schreibt an Magnus — das erste Mal seit der Verstoßung ...
Ihre Hände zitterten, als sie las:
»Lieber Bruder!