»Nun, man redet doch darüber, mein Kind — also wenn es ein Knabe wäre! — Herr Gisbert Joël hat, wie mir Magnus versichert, keine Aussicht auf einen Erben — bleiben wir also allein übrig, die den Namen Joël retten. Und so ein Kerlchen zieht uns alle heraus. Dem wird der alte Herr nicht widerstehen — der Großpapa wird ihm in die Glieder fahren ...«

Eines Vormittags, kurz vor Weihnachten, erschien in der Damerowstraße ein Herr von militärisch strammem Aussehen und fragte in gemessener Höflichkeit nach Herrn Joël. Auf Emmys Bescheid, daß dieser nicht zu Hause sei, hob er bedauernd die breiten Schultern und zog aus der Seitentasche seines Rockes einen Pack Papiere in aktenmäßigem Format.

»Bedaure sehr — ich habe für diesen Fall Exekutionsbefehl. Gerichtsvollzieher Moller mein Name —«

Emmy schrak zusammen und erblaßte; mit zitternden Händen griff sie nach den Papieren.

»Sie brauchen sich nicht zu ängstigen, Frau Joël —« sagte der Biedermann mit seiner gutmütigen Baßstimme, — »es ist nicht der Rede wert — eine Operation, die nicht weh thut — derweil kommt Zeit, kommt Rat —«

Und vor sich her knurrend, fügte er hinzu: »Ihnen kann es doch nicht schwer fallen, die paar hundert Mark aufzutreiben!«

Er schüttelte dabei den feisten Kopf. Seine Augen fuhren forschend von Möbel zu Möbel in der Stube umher, dieselben auf ihren Wert abschätzend.

Emmy blätterte mechanisch in den Papieren mit ihrem Gemisch von Gedrucktem und Geschriebenem und zehnerlei Handschriften.

Plötzlich fuhr sie auf — der Gerichtsvollzieher prüfte gerade ein zierliches Luxusschränkchen, ein Überbleibsel aus Magnus’ Luxustagen; die prächtige Schnitzarbeit schien ihn zu interessieren: »Das Stück allein —« sagte er, mit der Hand über den reichprofilierten Sims fahrend, »deckt zehnmal die Schuld — und es ist Ihnen gewiß entbehrlich?«

Emmy stürzte herzu: — »Das nicht! — auf keinen Fall das!« rief sie, mit der Hand abwehrend.