Und in einem gewaltigen Thränenstrom brach der ungeheure Schmerz sich Bahn.

Emmy beschloß zu gehen. Es bedurfte keines Entschlusses — es war so selbstverständlich — das Wort wies ihr gebieterisch die Thüre.

Bald! Heute — nachher — gleich — ehe Magnus zurück ist! Es muß sein!

Wohin? Das ist gleichgültig! Es ist alles ein Nebel, darin sie vorwärts tastet aufs Geratewohl — sie wird auf einen Abgrund stoßen, der so barmherzig ist, sie aufzunehmen — vielleicht trifft sie ein Wasser, das sie mit hinwegreißt und allem ein Ende macht ...

Magnus pflegte einen bestimmten Zug der Stettiner Bahn am Abend zu benutzen. Bis dahin war Zeit, alle Vorbereitungen zu ihrer Flucht zu treffen. Ihr war so elend, sie raffte alle Willenskraft zusammen; mechanisch, in einer Art Betäubung hantierte sie. Es gab viel zu schaffen und zu ordnen. Ein rührendes Pflichtgefühl gebot ihr, nicht vom Posten zu desertieren, ohne diesen blank und in Ordnung zu hinterlassen.

So machte sie sich mit größerer Peinlichkeit als sonst daran, die kleine Wohnung, die die Stätte ihres kurzen Glückes war, in Stand zu setzen. Mit dem Reinigen und Kramen vergingen Stunden. Oft überwältigte sie eine Schwäche infolge der Anstrengung; sie ließ sich nieder, um auszuruhen — dann fühlte sie Thränen in ihren Augen schwellen — sofort machte sie sich wieder auf — zum Weinen und Grübeln ist jetzt keine Zeit! — Thränen machen weich! — sie sollte und durfte in ihrem Entschluß nicht wankend werden!

Dann kam die Stunde, wo sie sonst das Essen zu bereiten begann. Auch das! Wenn er nach Hause käme, sollte er nicht einen kalten Herd und einen leeren Tisch vorfinden. Freilich würde er nichts von der Speise anrühren, wenn sie nicht da wäre — der erste Schreck würde ihn lähmen — dann würde ihn die Angst zur Suche nach ihr aufhetzen.

Eine plötzliche Furcht ergriff sie: — er konnte früher kommen, sie überrumpeln, dann erlahmte ihr die Kraft, das Unselige auszuführen ...

Es war alles fertig, das Fleisch brodelte im Topf, es begann zu dunkeln — jetzt erst gewahrte sie, daß draußen der Schnee heftig stöberte. Das hatte den Tag über angedauert, die Pfade im Garten waren verweht, alles Geräusch von der Straße drang nur gedämpft herüber. Sie schauerte, und ein Gefühl des Frostes überrieselte sie. Hier innen war es warm und behaglich — so traulich dämmerte der gelbe Schein der Lampe — sie mußte an die süßen Stunden der Abendstille denken, wenn die Welt da draußen schwieg und nur ihr Glück hier immer wach war, spät in die Nacht hinein.