Vorüber!
Sie setzte sich an seinen Schreibtisch, um die paar Zeilen des Abschieds an ihn zu schreiben. Er sollte nebst ihnen den Brief des Bruders vorfinden, wenn er käme. Eine gewaltige Erregung kam über sie, und die Feder zitterte in ihrer Hand. Als sie die ersten Zeilen hingeworfen, klingelte es.
Sie erschrak heftig — es war sein Klingeln! Erst ein leises Ticken, um sie vorzubereiten, dann das laute, freudige Signal seiner Ankunft. Auch darin gab sich seine Sorgfalt für sie kund.
Sie knitterte das angefangene Schreiben in die Tasche und eilte, um zu öffnen.
Er war es. Sie prallte zurück, wie vor einem Unerwarteten, Fremden.
»Was ist Dir, Emmy?«
»Ach, Du bist es — ich hatte Dich nicht gleich erkannt ...«
»Puh, ein Wetter —« prustete er, mit den Füßen stapfend. Seine Kleider waren mit Schneeflocken überhaucht.
»Ich bringe eine tüchtige Kälte mit herein — Du hast wohl Angst?« rief er, da sie zögerte, nach ihrer Gewohnheit in seine Arme zu fliegen.
Ach, seine Stimme — seine Augen — seine Nähe! Sie fühlte etwas wanken innerlichst. Sie breitete ihre Arme aus und stürzte in die seinen. In einem Sturm leidenschaftlicher Freude umpreßte er ihre Gestalt. Ihr Kopf wiegte an seiner Schulter: »ach Maggi ... Maggi!«