Sie fühlte, wie sie vor Schreck erblaßte. Sie horchte — nichts als das unermüdliche Kritzeln der Feder und das leise Ticken des treibenden Schnees am Fenster.
Jetzt hielt sie das Fläschchen — wieder wie ein Dieb schlich sie damit gegen das Lager zurück. Dort gegen den Bettpfosten gelehnt, wollte sie es öffnen. Das gelang ihr nicht, der Glasstöpsel hatte sich festgesetzt. Sie drehte und arbeitete daran — umsonst, der Stöpsel rührte sich nicht!
Die Thür ist verriegelt! Als ob Jemand fliehen will — schon hat er die Thür erreicht — wider Erwarten versagt das Schloß ... er ist gefangen!
Eine Verzweiflung bemächtigte sich ihrer, es zuckte in ihr, das Glas an dem Pfosten zu zerschlagen und das kostbare Naß aus den Scherben zu schlürfen. Abermals zerrte sie an dem Stöpsel — ein stöhnender Ruf entfuhr ihren Lippen.
Gleich war Magnus aufgesprungen und auf den Ruf herzugeeilt. Er war noch rechtzeitig da, um sie vor dem Hinstürzen aufzufangen.
»Was ist Dir? warum bist Du aufgestanden ...«
Es war keine Ohnmacht — ihr Atem flog so stürmisch — und sie wehrte seinen Fragen mit heftigem Kopfschütteln.
Er brachte die Lampe herein, da fiel sein Blick auf das Fläschchen, das ihre Hand noch immer umkrallt hielt. Er erkannte es sofort an dem Glasstöpsel.
»Herr des Himmels — was hast Du gethan?«
Er war wie gelähmt vor Schreck. An dem verzweifelten Stieren ihrer Augen, an dem verstörten Ausdruck ihrer erregten Miene erkannte er sofort, daß sie nicht zur Linderung eines Schmerzes danach gegriffen.