Allmählich fand sie außer diesen noch andere Worte. Und schluchzend wie ein Kind beichtete sie ihm alles. Ihr Fluchtversuch, und wie das häßliche Wort sie zu dem unseligen Entschluß getrieben ...
»Wer hat das gesagt?« schnellte er auf.
»In dem Briefe dort stand es.«
Er raffte den Brief auf, suchte, suchte in den Zeilen. Da stand das Wort! Nun loderte es auch ihm wie eine Flamme entgegen.
»Es ist nicht wahr!« rief er schrill, und seine Augen sprühten. — »Glaubst Du es denn, Emmy? Ich bitte Dich, ich beschwöre Dich! — glaubst Du es denn? Konntest Du es glauben?«
Nein, nein, keine Komödie in diesem Augenblick! Kein kindisches Leugnen! Abermals stürzte er vor ihr nieder, das Haupt an ihrer Brust bergend.
»Ich bin feige gewesen, Emmy — verzeih’ Du mir! Ich meinte, uns zu retten mit dem Wort. Hab’ ich nicht gezeigt seitdem, daß es eine Lüge war? — Aber ich will hin! — gleich morgen will ich hin! — will das Wort widerrufen — sie sollen wissen, was es angerichtet! — sie sollen wissen, wie ich Dich liebe! — ach, wie ich Dich liebe! — wie ich Dich liebe!«
»Und dann sollen sie mich zum zweitenmal verstoßen! — bleibst Du mir nicht, Emmy?« —
Lange nachdem saß er noch an ihrem Lager in der Nachtstille, während der Schnee an das Fenster tickte, und horchte auf das Fluten ihres Atems wie damals. Ein tiefer Schlaf hatte sie als Widerspiel nach all der Erregung des Tages übermannt.
Hatte der Tod sie ihm nicht zum zweitenmal geschenkt? Und ein sieghaftes Frohgefühl durchbebte ihn, daß sie ihm nun bleiben würde für immer. —