Herr Köster triumphierte, als er von einer gewissen Rührscene hörte, die am andern Tage in der Villa Joël zu Charlottenburg sich zwischen Vater und Sohn abspielte: »Ich habe es ja gewußt — Sie brauchen uns — sie können ohne uns nicht auskommen!«
Aber Frau Köster glaubte in ihrem Innern noch nicht an eine Versöhnung von Herz zu Herzen — es müßte da erst ein gewisses Kerlchen kommen, »der seinem Großpapa in die Glieder fahren würde«.
Die gute Frau sollte Recht behalten. Als das Kerlchen endlich da war, stellte es sich heraus, daß Großpapa Joël demselben nicht gewachsen war.
Nie!
Sonst hätte er nie geheiratet — nie — nie!
»Lieber schöß’ ich mich tot!« Das war seine stehende Bekräftigung, wenn eine Verlobung innerhalb des Regiments in der Luft hing und die Kameraden ihn zu gleicher »Aktion« scherzweise reizten.
Dazu hatte er sich schon als ganz junger Dachs von einem Lieutenant verschworen, und mit jeder Charge, die er emporstieg, nahm dieser Schwur an Entrüstung zu, bis die wuchtigen Majorsepauletten auf seinen breiten Schultern und das in der Kneipenluft bedenklich ins Hochrote, zuweilen sogar bläulich gebeizte Kolorit seines braven Haudegengesichts solchen Schwur überflüssig zu machen schienen.
Trotzdem aber immer noch: »Lieber schöß’ ich mir eine Kugel vor den Kopf!« Eine drollige Art der Eitelkeit: — man sollte nicht etwa denken, daß ihn die Jahre und der zunehmende Silberhauch seines vorschriftsmäßigen Wilhelmsbartes von der Möglichkeit einer Heirat ausschlössen! O wenn er nur wollte! Und er tapfte seine fleischige Rechte, an der zwei verschliffene Familien-Siegelringe saßen, mit einer Gebärde auf den Tisch, als wollte er sagen: »Ich brauchte nur die Hand auszustrecken, und an allen Fingern bliebe mir eine hangen!«