»Was ist da zu machen, Schnurzel?« Das Tier winselte verständnisvoll zur Antwort und schmiegte sich wie vor einem drohenden Fußtritt zwischen seine Beine.
»Ich weiß, was uns beiden helfen würde, Schnurzel, — aber lieber schössen wir uns tot, nicht wahr, Schnurzel?«
Das grundgescheite Hundevieh belferte zustimmend auf.
Die Dinge drängten zu einer Entscheidung. Die Luft war mit Unbehagen und Peinlichkeit durchtränkt. Hatte sie ihn früher mit ihrem Grübchenlächeln geduckt, so brachte ihn jetzt das Fehlen der Grübchen ganz aus der Fassung. Ihre stumme und starre Art, die von dem Ausdruck des Beleidigtseins strotzte, wurde immer unerträglicher. Kam er sich längst schon wie ein Besuch in seiner Wohnung vor, so hatte er jetzt das Gefühl eines Gastes, der in einem Hotel auf Credit lebt und sich dafür die schlechteste Behandlung gefallen lassen muß. Wenn sie bezweckt hatte, ihn mürbe zu machen, so hatte sie das vollkommen erreicht!
Eine Entscheidung hing in der Luft. Entweder ginge sie (daran war nicht zu denken!) oder er ginge, natürlich mit Schnurzel (welch ein Widersinn — sein Eigentum im Stich zu lassen!) oder ein Gewisses geschähe — er raffte sich auf und machte seine in Fleisch und Blut übergegangene Redensart mit dem Totschießen zur Thatsache! .... wegen einer Frau Glaß?
In diese Gewitterluft platzte der Besuch eines alten Regimentskameraden herein. Der durchschaute sofort die Situation. Es müßte etwas geschehen, und zwar gleich, und Energisches, ehe es zu spät!
»Weißt du was, alter Junge, du könntest mich wohl ein Endchen durch den Thüringer Wald begleiten! Es ist herrlich jetzt. Ich erzählte dir, daß meine Frau nebst Schwester in Berka zum Bade weilen. Aber natürlich schleppe ich dich nicht bis dorthin —«
Der Gast kannte die Scheu seines alten Kameraden vor regelrechtem Damenverkehr.
Thüringer Wald — es wehte wie ein Hauch der Freiheit von dem Wort her. Schnurzel winselte vor Freude auf. Und er riß seinen Herrn mit fort.
»Topp! Ich fahre mit!« (»Aber natürlich nicht bis Berka!« setzte er vorsichtig für sich hinzu. Frau Glaß würde auch wohl schwerlich den Urlaub bis Berka ausdehnen!)