Bei meinem Landen wurde ich von dem in eine alte feine Matte gehüllten Sangapolutele am Strande empfangen und zu dem Faletele geleitet, wo seine Frau, die beiden Töchter, sein kleiner Sohn und noch einige Häuptlingsdamen anwesend waren. Um den Platz herum stand viel Volk, aber nur Frauen und Kinder, Geschenke waren nicht zu sehen.

Nachdem wir uns mit Hülfe des Dolmetschers in dem kühlen Hause einige Zeit unterhalten und an frischer Kokosmilch erquickt hatten, wurde ich durch ein fernes Getöse aufmerksam, dasselbe schwoll mehr an und von Süden her, zur Seite der alten Gräber, brachen aus einem Waldweg ganz wunderliche, springende, tanzende und heulende Gestalten hervor, welche mir als des Häuptlings Narren, auch Buschmänner genannt, bezeichnet wurden. Die Kerle, man gestatte mir bei dieser Gelegenheit den Ausdruck, konnten einem gruseln machen. Theilweise sind sie ganz schwarz bemalt mit thalergroßen weißen und rothen Flecken über den ganzen Körper, theilweise sind sie unbemalt, aber alle haben weiße Nasen, Ohren und Augenhöhlen und sind nur mit einer handgroßen Blätterschürze bekleidet. Hinter diesen erscheint Loau, welcher mit eleganten weiten Sprüngen und in geradezu wundervoller Körperhaltung in Zickzacklinien auf den Platz fliegt, dann folgen die andern Häuptlinge und die ganze männliche Bevölkerung, welche auf die reichste Weise und vorzugsweise mit Laub geschmückt, Geschenke tragend aus dem Wald hervortreten und sich an der einen Seite des Platzes aufstellen.

Loau steht auf der dem Volk gegenüberliegenden Seite des Platzes auf einem großen Stein; dicht bei uns ein alter Mann mit den aus einem großen Stab und Fliegenwedel bestehenden Attributen des Redners, sein Gesicht Loau zugekehrt.

Die uns umgebenden einzelnen Personen und Gruppen bieten dem Auge eine solche Fülle des Neuen, Ungewohnten, solchen Farbenreichthum, so viel Leben, Urwüchsigkeit und Ordnung, daß ich fast geblendet von dem Schauspiel nur schauen und staunen, staunen und schauen kann. Die Samoa-Sitte, welche jeder Ueberstürzung abhold ist und bei feierlichen Handlungen gewisse Pausen und würdevolle Langsamkeit erfordert, ließ mir genügende Zeit, das Bild zu erfassen, ehe die Anrede erfolgte.

Der vor uns liegende, mit blendendem Korallensand bestreute viereckige Platz wird an drei Seiten von Waldlehnen, an der vierten von dem Faletele, in welchem wir uns befanden, begrenzt. Aus dem grünen Rahmen der uns gegenüberliegenden Waldlehne tritt das Haus Sangapolutele's heraus; aus dem zu unserer Linken der Häuptling Loau in der stolzen Haltung einer Minerva; aus dem zur Rechten die andern Häuptlinge und das geschmückte Volk, welches sich um die beiden dort liegenden alten ehrwürdigen Grabstätten gruppirt hat. Ueber dem Platz steht die heiße Sonne an dem wolkenlosen Himmel.

Loau's Kopf ist mit einem hohen Haarhelm bedeckt, dessen blonde Haarwellen roßschweifartig nach unten fallen und ihn in Verbindung mit mancherlei Zierath zu einem schönen Schmuckstück machen. Ein vorn in der Mitte angebrachter beweglicher kleiner runder Spiegel wirft das aufgenommene Sonnenlicht in weiten Strahlen zurück. Ein Band mit zwei Reihen kleiner Muscheln, deren Schmelz mit dem der Perlen wetteifert, ziert Loau's Stirn, ein gleiches seinen linken Oberarm. Eine Kette von Schweinszähnen und feinen Gräsern umschließt den Hals; eine feine, hell-braungelbe Matte mit darüber liegendem Gürtel aus langen, schmalen, schwarzrothen Blättern (etwa 20 cm lang, 5 cm breit) die Hüften; feine Grasringe umfassen die Knöchel. Es ist eine edle Gestalt, welche in dem eigenartigen bunten und doch vornehm wirkenden Schmuck gehobenen Hauptes herausfordernd dort steht, mit der rechten Hand den auf den Boden gestützten Speer wie einen Heroldsstab hält und die Linke leicht am Körper herunterhängen läßt.

Samoanischer Häuptling mit Familie.

Aehnlich sind die übrigen Häuptlinge gekleidet, doch haben sie an Stelle des Helms rothe Blumen im Haar und an Stelle der Muschelbänder um Stirn und Oberarm ein schmales rothes Blatt, oder ein rothes Band mit einem Aufputz aus eigenem Haar. Das Volk hat grüne Kränze aus frischem Laub um Kopf und Hals, rothe Blumen im Haar, Lava-lavas von frischen Blättern. Der bei mir stehende Redner ist schlicht gekleidet und gehört eigentlich nicht zu dem Talolo, sondern hat nur die Aufgabe, die an uns gerichtete Ansprache zu erwidern.