Nachdem Loau eine Weile gewartet hat, wir aus dem Hause hinausgetreten sind und lautlose Stille eingetreten ist, ruft er seine Ansprache mit lauter Stimme in kurzen Sätzen zu uns herüber, welche einzeln gleich durch den Redner beantwortet werden. Die Ansprache dauert nicht lange, sie enthält nur die Begrüßung der Fremdlinge und die Bitte um Annahme der Geschenke, wofür der Redner in meinem Namen dankt. Darauf werden die Geschenke gebracht und bei uns niedergelegt; das Volk tritt wieder zurück und Loau führt einen Kriegstanz auf, welcher in hohen, gewagten, kraftvollen Sprüngen besteht und mich an die Solotänze unserer Ballettänzer erinnert. Nach ihm führen die andern Häuptlinge noch einen gemeinsamen Tanz auf, dann begeben wir uns wieder in die Hütte und das Volk zerstreut sich zum Theil, zum Theil bleibt es aus der Ferne Zuschauer, während wir Kawa trinken. Denn wir nehmen mit sämmtlichen Häuptlingen im Kreise Platz und die Mädchen beginnen mit der Kawabereitung. Vor diesem Getränk fürchte ich mich übrigens nicht mehr, ich habe es vielmehr durch die Gewöhnung so schätzen gelernt, daß ich mich auf den Genuß freue und ohne Abscheu der Bereitung zusehen kann. Bei dieser Gelegenheit lernte ich zum ersten mal das Ceremoniell kennen, welches der Samoaner bei solch festlichem Kawatrunk beobachtet. Sobald die Schale gefüllt ist, klatscht die von mir als „Redner“ bezeichnete Person, welche wol auch die Stelle eines Ceremonienmeisters versieht, in die Hände, um Ruhe zu fordern, steht auf, ruft den Namen derjenigen Person auf, welcher nach der Rangordnung der Trunk zukommt, und setzt sich dann wieder, um dasselbe jedesmal zu wiederholen, bis der letzte Anwesende seinen Trunk erhalten hat. Bei den Vornehmern wird immer nur eine Schale zur Zeit gereicht, nachher aber werden gleichzeitig zwei und drei Schalen ausgetragen. Mit welchem Anstand die Mädchen die Schalen anbieten, habe ich früher schon erzählt.
Meine Beziehungen zu den Häuptlingen waren bald so vertraute geworden, daß wir uns abends in dem außerhalb der Stadt auf einer kleinen Anhöhe liegenden Hause des Halbweißen trafen, wo ich die Leute mit Taback und Getränken bewirthete und von ihnen mancherlei erfuhr, was mich interessirte. Die erste derartige Zusammenkunft war aus politischen Rücksichten erfolgt, weil ich mich mit diesen Dingen mehr befassen mußte und noch befassen muß, als mir lieb ist, denn als ich vor vier Wochen hier ankam, hatte unser Consul die Samoa-Inseln für mehrere Wochen verlassen, und so war es, da es hier im Lande fortwährend gährt, meine Pflicht mich über die Vorgänge auf dem Laufenden zu erhalten, um nicht einem etwaigen Aufstande unvorbereitet gegenüberzustehen. Es kam mir hierbei zu statten, daß der hiesige District zu den Malietoas hält und wir, wenn wir auch den jüngern Malietoa keineswegs als eine wünschenswerthe Persönlichkeit betrachten können, doch den ältern, welcher zur Zeit der Erwählte seiner Partei ist, als den einzig möglichen König ansehen. So gestalteten sich diese abendlichen Zusammenkünfte gewissermaßen zu einem politischen Stelldichein, wo die am Abend von außerhalb eintreffenden Boten zuerst vorsprachen und die neuesten Nachrichten hinbrachten. Hier erfuhr ich denn auch, was ich allerdings nicht verbürgen kann, mir aber glaubwürdig erscheint, daß der in Apia residirende französische Bischof vor einigen Monaten nach Europa gereist ist, um die französische Regierung zur Erwerbung alles auf den Inseln verkäuflichen Landes zu bewegen, weil nur dadurch dem stetig wachsenden deutschen Einfluß wirksam begegnet werden könne; daß ferner die französischen Priester von den vier vornehmlich in Betracht kommenden Candidaten der Tupua-Partei einen unterstützen und für diesen auch den pp. Bartlett gewonnen haben, wofür dieser von ihnen in das Amt, welches er jetzt innehat, gebracht wurde. Bartlett soll denn auch, wenn er äußerlich auch nur als Lehrer der Rechte angestellt ist, thatsächlich die Regierung leiten, und unter anderm hat er, wol um seine Befähigung für dieses Amt darzuthun, den erstaunten Bewohnern von Apia das überraschende Schauspiel geboten, unter seiner Leitung die Herren von der Taimua und Faipule die Straßen Apias ausbessern zu lassen, von welcher Arbeit sich nur wenige Mitglieder ausgeschlossen haben sollen. Unter solchen Verhältnissen war mein Verbleiben in Saluafata von größerm Nutzen, als wenn ich die Zeit in Apia zugebracht hätte, denn hier würde ich von diesen Dingen wahrscheinlich nichts erfahren haben. Im übrigen war ich auch nahe genug, um in die Ereignisse eingreifen zu können, wenn es erforderlich geworden wäre.
Diese abendlichen Zusammenkünfte waren mir bald zum Bedürfniß geworden, sodaß ich fast täglich, wenn ich keine andere Abhaltung hatte, abends nach 8 Uhr an Land fuhr und bis gegen 10 Uhr dort blieb. Neben den Nachrichten, welche ich dort empfing, waren diese Abende für mich auch insofern lehrreich, als ich dort einiges von dem häuslichen Leben der Samoaner kennen lernte, da naturgemäß auch sociale Fragen, Familienverhältnisse und dergleichen mehr zur Besprechung kamen. Gewöhnlich fand ich schon Besuch vor, welcher mit der Familie des Halbweißen in der Mitte des Wohnraumes auf Matten unter der Hängelampe saß; dann kam weiterer Zuzug, Häuptlinge mit ihren Frauen und Töchtern erschienen. Die Männer bildeten eine Gruppe, die Frauen die zweite und die jungen Mädchen die dritte. Ich setzte mich gewöhnlich so zur Seite hin, daß ich den ganzen Raum übersehen und mich an dem behaglichen Zusammensein der Leute erfreuen konnte. Der Halbweiße, seine Frau (Samoanerin) oder eine junge ebenfalls zum Hausstand gehörige Samoanerin, welche beide auch etwas englisch sprechen, nahm an meiner Seite Platz, um mir das, was ich wissen wollte, verdolmetschen zu können. Die Männer besprachen dies und jenes und schlugen mit der flachen Hand klatschend auf ihren Körper, wenn ein Mosquito sie stach, was oft genug vorkam. Die Frauen unterhielten sich nach ihrem Geschmack und die Mädchen vergnügten sich mit Spielen. Einige spielten Karten und legten Gewinn und Verlust mit Streichhölzern an, andere machten Fingerverrenkungen, schlugen mit den flachen Händen gegeneinander, versuchten mit den Fingern und Händen Schattenbilder zu formen, machten Figuren aus Bindfaden durch Abheben von den Fingern und trieben auch ein Spiel, welches mich sehr überraschte, da es unser in das Samoanische übertragene Zwirnessen ist, welches zuweilen bei Pfänderspielen geübt wird. Wie bei uns das Zwirnessen in einem Kuß endigt, so mußte dieses Spiel sein Ende im Nasenreiben finden, welches hier noch die Stelle unsers Kusses vertritt. Die eine Person legt ein feines Stäbchen wagerecht so zwischen Oberlippe und Nase, daß ein längeres Ende nach einer Seite vorsteht. Die andere muß nun, ohne die Hände zu gebrauchen, mit Oberlippe und Nase das Stäbchen fassen und es der erstern zu entreißen suchen, oder es aber bei diesem Versuch so weit nach der andern Seite durchschieben, daß sie es schließlich nicht mehr fassen kann, ohne mit ihrer Nasenspitze die des Gegners zu reiben. Da sitzen nun beide mit untergeschlagenen Beinen und aufgestützten Händen einander gegenüber und wackeln mit den Köpfen hin und her, wobei die Besitzerin des Stäbchens durch ein gebrummtes Hm! die andere zum Angriff reizt. Diese hmt wieder und Hm! Hm! geht es, bis schließlich die Zuschauer durch den komischen Anblick der ernsten kämpfenden Gesichter in Lachen ausbrechen, womit das Spiel gewöhnlich sein Ende findet, da die Kämpfenden mitlachen müssen und dann das Stäbchen nicht mehr festhalten können. Die Theilhaber des Spiels sollen eigentlich wol verschiedenen Geschlechts sein, denn die eine oder andere forderte mich gelegentlich auch zum Kampf heraus, welchen ich aber, da mir die erforderliche Gelenkigkeit in Nase und Oberlippe fehlen, gewöhnlich damit endigte, daß ich meine Nasenspitze in die meiner Gegnerin einbohrte, wenn nicht vorher mein Schnurrbart sie zum Niesen gebracht hatte. Der Verkehr der Leute unter sich war auch sonst ein sehr netter, die Unterhaltung spielte oft von einer Gruppe zur andern hinüber, Fragen wurden stets freundlich beantwortet, und beim Aufbruch fanden sich die Familien zusammen und gingen gemeinsam nach Hause, nachdem vorher durch freundlichen Gruß und Händedruck voneinander Abschied genommen war.
Bei diesen Besuchen erfuhr ich auch einiges über die samoanische Art der Kriegführung, was der Wiedergabe werth ist.
Der Krieg erstreckt sich gewöhnlich nicht auf Angriff und Vertheidigung der Städte, sondern beide Parteien ziehen in den Wald, bauen sich aus gefällten Bäumen Festungen oder besser Verhaue, in welchen sich die Krieger mit Frauen und Kindern sammeln. Am Tage ist Ruhe, weil die vorgeschobenen Posten jeden Ueberfall rechtzeitig melden können und die Taktik nur auf dem geschickt auszuführenden Ueberfall beruht, welcher am häufigsten wol durch Verrath ermöglicht wird. Sobald aber die Dunkelheit eintritt, ziehen die Vorposten sich zurück und beide Parteien unterhalten nun während der ganzen Nacht ein heftiges Feuer in den Wald hinein, um sich gegenseitig vor dem gefürchteten Ueberfall zu sichern. Am Morgen tritt wieder Ruhe ein und so geht es fort, bis einer Partei der stets unblutige Ueberfall gelingt oder aber beide Parteien durch Mangel an Munition zu einem Vergleich gezwungen werden. Und daß in der Regel wol beide Theile gleichzeitig mit ihrer Munition fertig werden, dürfte aus einem mir verbürgten Beispiel aus dem letzten Krieg hervorgehen. Als die eine Partei eines Tages mit dem dämmernden Morgen ihre letzte Patrone verschossen hatte, schickte ein Häuptling seine Frau mit noch einigen Weibern zu ihrem Bruder, welcher die Gegenpartei befehligte, um von diesem sich Munition zu erbitten, weil sie die ihrige verschossen hätten. Anstatt die Unterhändlerin als Geisel zu behalten und nun den Ueberfall zu wagen, sah der Bruder das Gerechte des Verlangens seiner Schwester ein, ließ die ganze Munition herbeibringen und theilte ehrlich mit ihr. Die Weiber zogen dann mit ihrer werthvollen Last wieder ab und der Krieg konnte am Abend seinen Fortgang nehmen.
Diese harmlose Art der Kriegführung findet ihre natürliche Erklärung wol in den Verwandtschaften und daher in der Anwesenheit der Frauen und Kinder, denn bei einem ernsten Zusammenstoß wären diese allen Gefahren mit ausgesetzt, und der Samoaner scheut sich bei der verhältnismäßig hohen Bildungsstufe, welche er einnimmt, verwandtes Blut zu vergießen. Das Hauptvergnügen bei diesen Bruderkriegen ist demnach jedenfalls nur das mit großem Geräusch erfolgende Aufbauen der Festungen und das Schießen während der Nacht. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Samoaner keinen Muth hat, denn er hat in Kämpfen mit Fremden bewiesen, daß er solchen besitzt.
Ebenso wie des Abends, war es mir auch während der Mittagszeit zur Gewohnheit geworden, ein bis zwei Stunden am Lande zuzubringen. Als eines Tages die Hitze in meiner Kajüte so unerträglich war, daß ich versuchte am Lande auf einem Spaziergang durch den Wald mir Erfrischung zu schaffen, fand ich im Vorbeigehen den Aufenthalt in dem Faletele so angenehm, daß ich es vorzog dort zu bleiben und in dem luftigen Hause, auf den kühlen kleinen Steinen liegend, dem Rauch meiner Cigarre zuzuschauen, dem Rauschen des in den Baumwipfeln spielenden Windes zu lauschen und an die bevorstehende Heimfahrt zu denken, während gleichzeitig meine Sinne von See-, Strand- und Waldesduft, den von frischem und getrocknetem Laub, Blumen und Harzen ausströmenden Gerüchen, welche in ihrer Vermischung charakteristisch für Samoa sind und einen wunderbaren Reiz auf die Geruchsnerven ausüben, so umstrickt wurden, daß ich bald in tiefen Schlaf verfiel. Als ich wieder erwachte, saß Toëtele neben mir, welche wol jede Störung von mir ferngehalten hatte. Die Ruhe, die schöne Lage der Hütte und vor allem die so sehr viel erträglichere Temperatur, als wie die auf dem Schiffe, ließ mich von nun an täglich mit einem Buch oder Papier und Bleistift dahin gehen, um die Zeit von 12-2 Uhr dort zu verbringen. Doch fürderhin wurde ich stets von Toëtele, in Erfüllung ihrer Pflichten, schon erwartet und fand für mich ausgebreitete Matten vor. Zuweilen kam auch Sangapolutele, mit oder ohne Frau, hin. Als eines Tages an Stelle von Toëtele, welche wol eine Reise unternommen hatte, Lolle mich empfing, änderte sich das Bild in etwas. Nachdem die kleine, trotz ihrer nur 17 Lebensjahre äußerst energische Person eine Weile zugesehen hatte, wie ich versuchte, das Kratzen der als Kopfkissen untergeschobenen zusammengerollten Matte durch das Zwischenlegen meines Taschentuchs zu mildern, und mich mit den Händen der Angriffe der Fliegen und Mosquitos erwehrte, runzelte sie die Stirn, kam zu mir heran, nahm mir die zusammengerollte Matte weg und setzte ihre Person dafür hin, indem sie ihr Kleidchen zurückschob und meinen Kopf auf ihr kühles Knie legte. Dann nahm sie ihren Fächer zur Hand, verscheuchte das Geschmeiß und hielt geduldig ein bis zwei Stunden in dieser Stellung aus. Meine Bemühungen, mich von ihr freizumachen, scheiterten an dem eisernen Willen dieses sonst liebenswürdigen Mädchens und für die Folge blieb mir nichts übrig, als mich diesem ihrem Willen zu fügen, oder aber auf den Besuch des Faletele zu verzichten. Als das kleinere Uebel wählte ich das erstere und ließ mir das etwas absonderliche Kopfkissen gefallen, was ich schließlich thun durfte, weil die Hütte stets rund herum offen war und jeder Vorbeigehende sehen konnte, was darin vorging.
Noch einen dritten regelmäßigen Besuch, bei welchem mich gewöhnlich einige unserer Herren begleiteten, stattete ich dem Lande ab, und zwar nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, um an einem köstlichen Platz, welcher auf halbem Wege zwischen Saluafata und Lufi-lufi liegt, ein erfrischendes Bad zu nehmen. Die Fahrt war an sich schon stets ein neuer Genuß, ebenso war es der Aufenthalt an dem Platze, wo man stundenlang hätte sitzen können, sodaß ich eigentlich nicht recht wußte, ob das Bad oder aber das Drum und Dran eine größere Anziehungskraft ausübe. Die Fahrt dahin geht dicht unter der belaubten Küste innerhalb der Riffe unter Segel, und da um diese Stunde stets ein frischer Wind weht und die Sonne in unserm Rücken steht, so athmet man ordentlich auf, wenn man das heiße Schiff verlassen hat und erst in dem Boot sitzt. Lange dauert die Fahrt allerdings nicht, da der Platz nur etwa zwei Seemeilen von Saluafata entfernt an der Küste liegt, wo aus einer Höhle ein unterirdischer Fluß heraustritt, sich zu einem Becken von vielleicht 10 m Breite und 15 m Länge erweitert und dann durch eine schmale Rinne in das Meer fließt. Das Wasser ist so durchsichtig klar, daß, obgleich die Tiefe nahezu 2 m beträgt, der feine Sand des Grundes dicht unter der Oberfläche zu liegen scheint, und so kühl, daß man nicht lange darin bleiben kann. Das Wasserbecken, welches nach der See zu offen ist, wird hinten von dem schwarzen Höhlenschlund mit der darüber liegenden hohen Bergwand und zu beiden Seiten von niedrigen Hügeln begrenzt, welche mit Kokospalmen bestanden sind, unter deren Schatten Sangapolutele für uns eine leichte Hütte zum Aus- und Ankleiden hatte errichten lassen. Zur Vervollständigung des Reizes steht auch zu der von uns zum Besuch gewählten Zeit die Sonne schon so weit hinter den Bergen, daß der ganze Platz beschattet ist. Während des Schwimmens trat oft die Versuchung an uns heran, in die Höhle, an deren Rand die Wassertiefe noch gleich groß war, vorzudringen; die Samoaner hatten uns mit ihren Erzählungen von den dort hausenden großen Aalen aber so scheu gemacht, daß wir am Eingang der Höhle stets kitzlich in den Beinen wurden und wieder umkehrten.
Sangapolutele hatte sich, um uns zu feiern, nicht mit dem uns gegebenen Talolo allein begnügt, sondern gab uns auch noch ein großes Essen. Die Einladung hierzu erfolgte mehrere Tage vorher, weil die Vorbereitungen viel Zeit in Anspruch nahmen und die verschiedenen Gerichte erst durch die Bevölkerung beschafft werden mußten. Sobald wir zugesagt hatten, war ganz Saluafata in der größten Aufregung und Geschäftigkeit. Die vornehmen Frauen gingen in den Wald, um Laub für die Ausschmückung des Faletele, für die Guirlanden und Kränze zu holen. Die Männer gingen mit Frauen und Kindern auf Jagd und Fischfang, holten Früchte und Gemüse, und suchten aus Wald, Feld und Meer alles, was überhaupt genießbar war, für dieses Fest zusammen. Tagelang wurde allenthalben nur gearbeitet und gekocht, sodaß die allgemeine Emsigkeit unsere Erwartungen mit jedem Tage wachsen ließ. Endlich war der Tag da, an dessen Vormittag wir noch gebeten wurden, in möglichst leichter Kleidung zu kommen, weil von den jungen Mädchen unsere Theilnahme an einigen Spielen erwartet würde. Nachmittags 2 Uhr betraten wir das Land, wo Sangapolutele und die andern Häuptlinge mit ihren Familien uns am Strande erwarteten und begrüßten. Sie trugen heute sämmtlich andere Kleidung als bei sonstigen festlichen Gelegenheiten. Die Männer hatten Muscheln oder einen frischen Laubkranz um die Stirn, rothe Blumen im Haar und über den Ohren, und als Lava-lava ein weitbauschiges schleppendes Kleid aus Tapa, welches ihnen eine würdevolle Erscheinung gab und ihnen gut stand. Die Frauen trugen feine Matten als Lava-lava mit um die Hüften geschlungenen Laubgewinden, Blumen im Haar, dicke wohlriechende Kränze, wie ich sie bei Tonga beschrieben habe, und andere kleine um Hals und Schultern.
Als wir den Festplatz betraten, fanden wir ihn umstellt mit der ganzen Bevölkerung und waren überrascht, die große Veränderung zu sehen, welche über Nacht mit dem Faletele vor sich gegangen war. Alle seitlichen Dachstützen und das Mittelgerüst waren zu Blumen- und Laubpfeilern geworden, von dem Dachrand hingen in gefälligen Bogen Laubgewinde herunter und in gleicher Weise war der innere Dachraum geschmückt. Im innern Raum umschlossen hohe Blumenterrassen den Fuß des Mittelgerüsts. Der Fußboden war mit Matten belegt und in drei concentrische Theile getheilt. Der äußere, ein an die Dachträger sich anschließender 1 m breiter Ring diente als Sitz für die Gäste, der nächste gleich breite Streifen gab den Tisch für die Speisen ab, und in dem innern Raum befanden sich Männer mit Messern zum Vorlegen der Speisen, sowie verschiedene kleine Pyramiden aus grünen Kokosnüssen, bei welchen auch je ein Mann mit einem Messer stand, um die Kokosmilch ganz frisch als Getränk anzubieten, wenn sie verlangt werden sollte. Die Speisen waren nicht nur appetitlich angerichtet, sondern erfreuten auch das Auge. Große, frische, saftiggrüne Bananenblätter bildeten die Unterlage, auf welcher sich die Genüsse der heißen Zone aufbauten: ganze Schweine, große und kleine Fische, Hummern, Tauben, Hühner, kleine Krebse, Muscheln, Taro, Yam, Brotfrucht, Gemüse aus Palmenkeimen, jungem Kokosnußkern und was sonst die Leute noch zusammengekocht hatten. Jede Speise lag auf einem grünen Blatt, die breiigen waren in grüne Blätter eingebunden, und zwischen diesen grünen Blättern, weißen Schweinen, Tauben und Hühnern, bläulichen und grauen Fischen, rothen Hummern und Krebsen und schillernden Muscheln leuchteten die goldenen Orangen hervor, gaben die gelben Bananen und schneeigen gekeimten Kokosnüsse, welche mit ihrem sehr feinen Geschmack als besondere Leckerbissen gelten, sowie die zwischengestreuten bunten Blumen dem ganzen Arrangement einen geschmackvollen Abschluß.