(Morell betroffen:) Eugen?

(Candida.) Es scheint mir ungerecht, daß du alle Liebe besitzen sollst und er keine, obgleich er sie so viel nötiger hat als du. (Eine krampfhafte Bewegung schüttelt ihn gegen seinen Willen.) Was ist dir, quäle ich dich?

(Morell rasch:) Durchaus nicht. (Er sieht sie mit unruhiger Spannung an.) Du weißt, daß ich dir blindlings vertraue, Candida.

(Candida.) Du eitler Mann. Bist du deiner Unwiderstehlichkeit so sicher?

(Morell.) Candida, du verletzest mich. Ich habe an Unwiderstehlichkeit nie gedacht. Deiner Frömmigkeit, deiner Reinheit vertraue ich.

(Candida.) Was für häßliche, ungemütliche Dinge du mir da sagst,—oh, du bist wirklich ein Pastor, Jakob, ein Pastor durch und durch!

(Morell ins Herz getroffen, sich von ihr abwendend:) Das sagt Eugen auch.

(Candida neigt sich mit lebhaftem Interesse zu ihm, die Arme auf seinen Knien:) Eugen hat immer recht. Er ist ein wundervoller Junge, ich habe ihn lieber und lieber gewonnen während der ganzen Zeit, wo ich fort war. Weißt du, Jakob, daß er, obwohl er selbst nicht die leiseste Ahnung davon hat, im Begriff steht, sich wahnsinnig in mich zu verlieben?

(Morell grimmig:) Oh, er selbst hat nicht die leiseste Ahnung davon, wirklich?

(Candida.) Nicht die geringste. (Sie nimmt ihre Arme von seinen Knien und wendet sich gedankenvoll ab, wobei sie eine bequeme Stellung einnimmt, die Hände im Schoß.) Eines Tages wird er es wissen,—wenn er erwachsen und erfahren sein wird wie du—da wird er erkannt haben, daß ich es wissen mußte!—Ich bin neugierig, was er dann von mir denken wird.